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Chevys Diesel-Cruiser

 

Eine Chevy-Limousine mit Selbstzünder unter der Haube? Dem amerikanischen Autokäufer würden sich wahrscheinlich die Nackenhaare hochstellen, wenn der Verkäufer mit so einer Zumutung aufwartete. Zu lebendig sind die Erinnerungen an jene unsäglichen Diesel-V8-Motoren, mit denen General Motors in den frühen 80ern des letzten Jahrhunderts erste Gehversuche auf diesem Gebiet unternahm. Bei Temperaturen unter 5°C sprangen die 5,7 Liter-Boliden nicht mehr an. Wenn sie dann zum Leben erwachten, mussten alle anderen Autos die Scheinwerfer bemühen, um den Verlauf der Straße noch erkennen zu können. Lassen wir die alten Geschichten ruhen….

 

Chevrolet ist wieder am Diesel-Ball, sogar recht weit vorne auf dem Spielfeld. Diesmal wurde nicht mit wenig Aufwand ein vorhandener Motor nachträglich „verdieselt“, sondern ein ganz neuer Motor mit durchaus zeitgemäßem Konzept auf die Beine gestellt. Unmittelbar nach dem Einstieg von GM setzten sich die Daewoo-Ingenieure mit den Diesel-Spezialisten von VM-Motori aus Italien zusammen und konstruierten einen 2-Liter-Common-Rail-Diesel, der ab sofort in den größeren Modellen der europäischen Chevrolet-Modellpalette für zeitgemäßen Vortrieb sorgen soll. Gebaut werden die Diesel in Korea in einem nagelneuen Motorenwerk, aus dem in Zukunft alle Selbstzünder der Marke kommen sollen.

 

Neben dem SUV Captiva wird der neue Diesel im Lacetti, im Nubira Kombi und in der klassischen Limousine Epica eingesetzt. Letztere und der Captiva erhalten eine Variante des Motors, die mit einem Turbolader mit variabler Schaufelgeometrie 150 PS leistet. Die kleineren Modelle müssen sich mit einem einfacheren Lader ohne dieses Gimmick begnügen und leisten 121 PS.  Erste Fahrversuche im Nubira Kombi ergaben einen erfreulichen Durchzug aus dem Drehzahlkeller, der allerdings bei 3500 U/min. schon sein Ende findet. Ob das am Turbo mit dem statischen Propeller liegt oder an der Motorsteuerung, war nicht zu ergründen. Immerhin sind beide Motoren mit einem serienmäßigen Russ-Partikel-Filter ausgerüstet. Das geschlossene System filtert Partikel aus dem Abgasstrom wartungs- und additivfrei heraus und wird, wenn nötig, durch eine spezielle Einspritzsteuerung während der Fahrt frei gebrannt.

 

Eine Klasse für sich ist der Chevrolet Epica, der schon als Benziner durch sein Motorenkonzept aus der Masse der direkten Wettbewerber heraus sticht: Welcher Hersteller bietet sonst noch in dieser Preisklasse Reihensechszylinder an, die noch dazu laufen wie Samt in Seide. Über die Fahrleistungen dieser Varianten kann man allerdings geteilter Meinung sein. Und genau hier punktet der Diesel-Epica mit dem 150 PS – Triebwerk: Nominal etwa gleich stark wie seine Benzin-Brüder zeigt er vor allem in der Automatikvariante auf der Straße echte Souveränität. Wo die Benziner schon mal angestrengt wirken, zieht der Diesel einfach durch. Die vom Hersteller genannten Fahrleistungen des Dieselmotors bewegen sich dabei kurz unter oder sogar kurz über den Werten der 2,5-Liter-Sechszylinder-Maschine des Benzin-Epica. Erhebliche Abstriche müssen naturgemäß bei den Motorgeräuschen gemacht werden. Von außen lässt sich das Arbeitsprinzip des Motors zu keiner Zeit verleugnen, im Innenraum würde man die Geräuschkulisse wohl am treffendsten mit „ vertraut-grummelnd“ bezeichnen. Aber da gibt es Autos anderer berühmter Marken, die das auch nicht besser können.

 

Alles in allem ist der Chevrolet Epica Diesel ein gelungenes Auto. Es wäre auch schlecht, wenn das nicht geklappt hätte. Zu wichtig sind die Dieselvarianten in diesem Segment, in dem die Wettbewerber des 4,8m langen Chevrolet 5er BMW, E-Klasse und Audi A6 heißen. Die technischen Daten des Diesel-Epica müssen sich im Vergleich nicht verstecken, bilden aber das Schlußlicht: Das Bosch-Einspritzsystem der 2. Common-Rail-Generation holt aus den 2 Litern Hubraum nur 150 PS (bei 4000 U/min) und 320 Nm (bei 2000 U/min) heraus, die aber über ein weites Drehzahlband „erfahrbar“ sind. Der Verbrauch liegt dabei bei 6,1 l / 100 km (kombinierter Wert nach ECE-R101), das entspricht 169 g/km an CO2. Mit seinen beiden Ausgleichswellen enthält sich der Motor unangenehmer Schwingungen, bleibt aber spürbar. Von der Anfahrschwäche des Captiva war beim Epica, obwohl gleich motorisiert, nichts zu spüren. Das mag am deutlich niedrigeren Gewicht der Limousine oder in einer besseren Getriebeabstimmung liegen.

 

Die neue Diesel-Limousine von Chevrolet wird ab 24.190 Euro zuzügl. der Überführungskosten angeboten, und angesichts der ersten Eindrücke dürfte ein Preis in dieser Größenordnung auch am Markt erzielbar sein. Chevrolet Deutschland will mit dem Epica Diesel die Epica-Zulassungen um 20 % in die Höhe treiben. Der Dieselanteil wird dabei bei etwa 40% liegen, was sicher nicht zu hoch gegriffen ist.