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Botox to go

 

Ich weiß nicht, wie es in anderen Städten aussieht, aber bei uns in Berlin treibt der to-go-Wahnsinn immer buntere Blüten. Den Coffee to go finde ich ja noch ganz praktisch. Wenn man es morgens eilig hat und nicht mehr schafft, sich einen Espresso zu kochen und auch noch Milch aufzuschäumen. Oder wenn man den Filterkaffee im Büro nicht mehr ertragen kann.
Ich habe ja auch grundsätzlich gar nichts dagegen einzuwenden, dass man sich etwas im Vorbeigehen kaufen kann. Currywurst, Döner und Co sind seit jeher zum Mitnehmen – und das ist auch gut so. Was ich nur nicht verstehe, ist, warum jetzt immer überall ein „to go“ draufgepappt wird. Dabei ist die Idee uralt. Die Verkaufsprofis gehen wohl davon aus, dass sich Waren und Dienstleistungen verkaufen wie warme Semmeln, wenn man sie nur mit einem Anglizismus versieht, durch den alte Kamellen brandneu und innovativ wirken sollen. Das hat zum Teil absurde Folgen.
Nehmen wir zum Beispiel die Zeitung. Zeitungen kann man seit ihrer Erfindung im Vorbeigehen kaufen: beim Straßenverkäufer, am Kiosk oder aus der Zeitungsbox, dem „stummen Verkäufer“. Trotzdem wurde eine der neuen Kompakt-Zeitungen mit den Slogans „Endlich – Zeitung to go!“ und „erste Zeitung to go“ auf den Markt gebracht.
Völlig überflüssig finde ich die „Cut and Go“-Hinweise bei Friseuren. Natürlich gehe ich, nachdem mir die Haare geschnitten wurden. Was soll ich denn sonst machen? Was mit „Cut and Go“ eigentlich gemeint ist, ist ja, dass man nach dem Schnitt nicht mehr geföhnt und frisiert wird – sondern es selbst machen muss. Wahrscheinlich schreiben die Friseure es deshalb auf Englisch, damit die Kunden nicht gleich merken, dass sie in einer Servicewüste gelandet sind. Man stelle sich vor, da stünde „Schneiden und Gehen“. Klingt nicht so nett, oder?
Letztens kam ich in einer Seitenstraße vom Ku’damm, dem etwas angestaubten ehemaligen Zentrum West-Berlins, an einer großen Schaufensterfront vorbei. Ich geriet ins Stocken. Ich schaute zweimal hin – da stand doch wirklich in riesigen Lettern „Botox to go“ auf der Ladenfront. Darunter: „Kommen Sie rein und lassen Sie sich behandeln!“. Nein danke, dachte ich mir. Davon konnte mich auch die Beteuerung, dass es nur eine halbe Stunde dauern würde, nicht abbringen.
Und selbst das eher bodenständige Viertel Neukölln bleibt nicht vom to-go-Wahnsinn verschont. Neulich sah ich dort bei einem Bäcker die Anpreisung: „Coffee to go – jetzt auch zum Mitnehmen“. Ich sag es ja, sie stiften nur Verwirrung, diese Anglizismen.

Rana Göroglu

5 Kommentare

  1.   schokoplatonia

    liebe rana,
    ich sag nur:
    surf and go
    sushi and go
    surf and sushi
    city tour to go
    oder auch beliebt
    eat and go
    liebe grüße
    schokoplatonia
    (pralines to go)

  2.   ix

    sollte es jemandem nach einem bild von „botox to go“ sein, ix hätte da eins.

  3.   ix

    wo ix gerade dabei bin, cocktails to go gibts im fluido.

  4.   Andreas Donder

    Die „to-go“ Angebote der Cafés von Starbucks, Balzac und Co sollen den Konsum in den öffentlichen Raum verschieben. Das spart Sitzplätze, Personal und die Reinigung der Tassen.

    Schon vor Jahren erhielt ich in New York einen Kaffee ausschließlich im Pappbecher. Auch wenn ich im Café sitzen wollte. Von Kaffeehaus-Kultur keine Spur. Sich Zeit nehmen, inne halten, relaxen, kommunizieren – die natürlichen Begleiterscheinungen einer gemütlichen Tasse Kaffee weichen der schonungslosen Hektik und des rastlosen Aktivitätsdrangs. Schöne mobile Welt.

  5.   Elmar von Grugheim

    Ich habe mich schlapp gelacht! Der Artikel ist so grottenschlecht geschrieben. One question: Seid wann dürfen Praktikanten ran? Personalknappheit?

 

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