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Ick bin kein Berliner

 

Ist man in Hamburg, denken die Menschen, man sei Hamburger.

In München denken sie, man sei Münchener (oder zumindest Bayer).

In Berlin geht niemand davon aus, dass man Berliner ist.
Es gibt einfach zu wenige. Erwischt man dann doch einmal einen, löst das deutlich mehr Überraschungsempfinden aus als bei jemandem, der aus Sri Lanka oder Andorra kommt.
Wird ein gebürtiger Berliner enttarnt, stellt sich bei mir zumeist Mitleid ein. Berliner haben dann oft das Problem, dass jeder denkt, dass sie sich toll auskennen in Berlin. Tun sie meist aber gar nicht. Sie mussten die Stadt ja nie erobern wie wir Zugezogenen. Zugeben können sie das natürlich nicht. Die meisten kennen sich also nur in ihrem Kiez aus und verlieren danach schnell den Überblick. Vor allem der Graben zwischen Ost und West tut sich hier auf: Schon mal versucht, einen Ost-Berliner in Zehlendorf auszusetzen? Oder einen West-Berliner am Ostkreuz? Wenn Sie diese Menschen mögen, dann sollten Sie so etwas nie tun. Sie würden nicht zurückfinden.

Ist man hingegen irgendwann in diese Stadt gezogen, hat sich dafür entschieden, hier zu sein, dann ist man hungrig, sieht umher, zieht fünfmal um, weil man mit Erstaunen festgestellt hat, dass Köpenick gar kein Ausgehbezirk ist, und kennt die Stadt. Insofern ist es vielleicht gar nicht so schlecht, zu den Zugezogenen zu gehören.

Falko Müller

1 Kommentar


  1. Berliner kennen sich nicht aus

    „Können Sie mir sagen, wie ich zum Hackeschen Markt komme“, wird der regelmäßige Alexanderplatzgänger häufig in allen möglichen Sprachen und Akzenten gefragt. Interessant ist, dass wahrscheinlich 90% derjenigen, die dann genervt die Augen rolle…

 

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