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Frischluft-Fetischisten

 

Wir hatten ja nicht gerade einen dollen Sommer. Café-, Strandbar- und Biergartenbetreiber – sie alle haben einem wirklich leid getan. Ganz zu schweigen von den zahlreichen Freiluftkinos. Berlin ist für seine Open-Air-Kultur bekannt. Und für seinen Erfindungsreichtum.
Der kommt jetzt zu voller Blüte. Was wir im Sommer nicht hatten, wird sich mit allen Mitteln zurückgeholt. Es ist fast Mitte November, bisher zwar ein sehr milder und mit ungewöhnlich viel Sonne gesegneter, aber eben kein Sommer mehr. Doch das ist den Leuten egal. Kann es auch, weil findige Café- und Restaurantbetreiber sich immer neue Methoden einfallen lassen, um der Jahreszeit zu trotzen.
Die Heizpilze sind ja schon länger verbreitet. Jetzt sind viele Restaurants und Cafés noch dazu übergegangen, Tische und Stühle einfach draußen stehen zu lassen, und die heizpilzerwärmten Frischluftareale mit Windschutzplanen zu versehen. Sieht ein bisschen aus wie auf Omas Gartenparty.
Man ist fast gezwungen, an der frischen Luft oder im Durchzug zu sitzen, ob man will oder nicht. So ist es meinem Freund und mir vor ein paar Tagen ergangen. Nach einem langen Spaziergang in der kühlen Novemberluft hatten wir uns auf ein kuscheliges Abendessen bei unserem Lieblings-Italiener gefreut. Wir haben erst versucht, draußen zu sitzen. Trotz Heizpilzen: zu kalt. Drinnen erging es uns ähnlich, eigentlich war es sogar noch kälter als draußen. Kein Wunder, die Türen und Fenster waren speerangelweit geöffnet, damit sich die draußen Sitzenden nicht ausgeschlossen fühlen. Am Ende landeten wir bei einem anderen Italiener, wo wir zwar einen warmen Platz, aber nur eine mäßige Pizza bekamen.
In letzter Zeit ist noch ein anderer Trend zu den Plastikplanen und Heizpilzen hinzu gekommen, der einem ungewöhnliche Anblicke beschert: zum Café oder Essen werden jetzt Wolldecken gereicht. So kann man immer mehr Menschen sehen, die in Decken gehüllt vor Cafés und Restaurants sitzen. Es ist vielleicht nur eine Frage der Zeit, bis sich brennende Mülltonnen oder Lagerfeuer dazu gesellen.

Rana Göroglu

1 Kommentar

  1.   Rico

    Das mit den Decken zum Café oder Abendessen kenne ich aus Kopenhagen. Dort ist das ganz normal und wird schon seit Jahren praktiziert. Ist doch toll, dass das auch zu uns kommt. Okay, ich bin wohl auch ein Freiluft-Fetischist, aber wieso auch nicht. Der Winter wird lang, dunkel und hart genug.

 

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