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Lasset uns das Hüftgold schaufeln!

 

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„Wie machen Sie denn die Latte Macchiato?“

Bumm, die Frage saß. Ich drehte mich um. Eine Dame Ende Dreißig schaute den Inhaber des wohl kleinsten Schokoladenladens Berlins streng an. Es war nach Sekunden klar: wer so inquisitorisch fragt interessiert sich nicht wirklich für Latte Macchiato, sondern vor allem für Interesse an der eigenen Person. Die übliche Berliner Verhaltensweise des Cafépersonals wäre ein lapidares, „na so wie immà, ôda wollnse ne Extrawurst? Jetze?“ Aber Martin Hesse, der Besitzer des „Hüftgold – Your Süßkram Dealer“ – Ladens, läuft ob so einer Frage zur absoluten, selbstverständlich erscheinenden Service-Hochform auf.

„Ganz, wie sie wünschen. Wir haben kleine und große Gläser. Üblicherweise nehmen wir für das kleine Glas einen Espresso und für das große Glas zwei Espressi. Wir mischen dann die aufgeschäumte Milch mit dem Espresso und servieren.“

Damit hatte die Frau nicht gerechnet. „Also sie machen det nich mit Kàffe, sondan schon richtig mit Espresso.“

„Natürlich. Wissen Sie was, ich mache Ihnen einen großen mit zwei Espressi, da sind Sie auf jeden Fall gut bedient.“

„Sie füllen det dann âba noch mit geschäumta Milch auéf, ja?“

„Ja, gern, so wie es üblich ist.“

Ganz klar, der Mann ist zu bewundern. Nicht nur deshalb möchte ich sein Süßwaren-Café-Geschäft preisen. Es ist untergebracht in einem historischen, ehemaligen Cigarrenladen von 1906. Auf gefühlten acht Quadratmetern hortet dieser umgängliche Mensch die besten Schokoladen Berlins. Die berühmten Bitterschokoladen von Erich Hamann, aber auch Bioschokoladen und die abgefahrensten Edelsorten. An vier Miniatur-Tischchen kann gefrühstückt werden. Frau und Kind aßen Honigbagel, ich probierte einen Bagel mit frisch angemachtem Meerrettich-Kapern-Frischkäse und luftgetrocknetem Schinken. Es schmock köstlich. Hier gibt es auch noch handgebrühten Filterkaffee mit Zimt und Salz und Samstags ab 10 Uhr brummt der Laden. Das Publikum macht sehr schmunzeln, außer der zuvor beschriebenen Dame kam auch ein echter, weiblicher Tortenjunkie, der/die sicherheitshalber sämtliche Kleinst-Torten und Muffins wegkaufte, gefolgt von einem sanft ergrauten Paar, das nur ein zufriedenes, „wie imma bitte!“ fahren ließ und sich dann katzengleich in irgendeine Ecke dieses an Ecken so reichen Ladens fläzte. Ganz klarer Fall, hier kann man leben. Besser als mit einem Frühstück beim Süßkramdealer kann ein Tag nicht anfangen, zumindest nicht in Friedenau.

Your Süßkramdealer
Varziner Str. 4
12159 Berlin
(030) 85077797

4 Kommentare

  1.   MJK1

    Lieber Herr Reinecke,
    den Tenor des Artikels kann ich nur bestätigen – es ist ein wunderbarer Laden! Aber heißt er nicht eigentlich „Coffee Mamas“?? Hätte den Laden eingangs Ihres Posts fast nicht erkannt…

  2.   Delo

    Ich kenne den Laden zwar nicht, aber bei meinem nächsten Berlin Besuch habe ich ihn schon auf meiner Liste.

  3.   DoDo

    Schade ist, dass der Laden wohl nicht lange ein Geheimtipp bleiben wird. Dafür ist er aber auch wirklich viel zu liebevoll geführt… Ich selbst setze mich immer gern einfach nur mit einem Kaffee in die Ecke und lausche der Berliner Schnauze – herrlich!

  4.   keiner

    Hallo MJK1

    von den Coffee Mamas http://www.coffeemamas.de ist lediglich der leckere Kaffee (Der äthiopische ist besonders empfehlenswert).
    Trinkst deinen Kaffee wohl nur „to go“?

 

Kommentare sind geschlossen.