‹ Alle Einträge

WG Adé

 

Die Sache ist dramatisch, und sie passiert ausgerechnet in der Adventszeit, in der eigentlich auch Karrierepolitiker eine Extra-Portion Nestwärme brauchen. Eine der von ihren Bewohnern meistgeschätzte Brüsseler WG löst sich auf. Cem Özdemir, de jure noch immer Abgeordneter im Europäischen Parlament, von den Grünen (Yes, we Cem!) als neuer Parteichef in die Heimat berufen, lässt seinen Wohngenossen, den FDP-Mann Jorgo Chatzimarkakis sitzen.

Unter vier Augen macht Chatzimarkakis keinen Hehl aus seinem Leid. Das belgische Mietrecht ist streng, ein geeigneter Nachfolger schwer aufzutreiben, und die Finanzkrise macht das Leben auch nicht leichter. „Mitte Dezember“, antwortet Chatzimarkakis bitter auf die Frage, wann ihn der Cem ihn endgültig verlasse.

Ach, wie viel europäische Versöhnung wärmte diese WG. Nicht nur versprühten der Grüne und der Liberale einen Hauch von Jamaika in den tristen Behördenbeton, auch dass es – auf europäischer Etage – harmonisch türkisch-griechisch geht, bewiesen sie, kretischer Saarländer und anatolischer Schwabe.

Zwar, berichten sie, sei man sich meist erst nach Mitternacht zuhause begegnet, dann aber ging man zielorientiert Probleme an. Wie lassen sich Socken beim Waschen auseinander halten (Cem: „Du musst sie halt verknoten!“), welcher Monty-Python-Streifen lässt sich schon wieder anschauen, und: welche Ausschuss-Sitzung ist morgen wirklich wichtig? Ganz im Ernst: Brüssel verliert eine Bedarfsgemeinschaft der ermunternden Art. Doch Chatzimarkakis reckt das Kinn: „Von uns wird man noch hören!“

21 Kommentare

  1.   Christoph Leusch

    Progressus ad infinitum sive ad parnassum,
    statt einer Weihnachtsgeschichte

    Sie hatten sich für das Programm “Planet in Progress” entschieden, wussten Sie was Sie damit taten? – Nein, denn Sie sind Zapper, Twister, Internaut, Surfer, Nerd, eben einzeln, ein autopoetisches System, darin aber größenwahnsinnig oder grenzenlos gutherzig.

    “Der Herr ist mein Hirte”, nichts steht davon bei Maturana und Luhmann, nichts deutet auf Himmelsleitern, kaum etwas auf Eingänge zum Eisenkern. Da wollen Sie selbstverständlich nicht hin, ich weiß. Es ist da zu heiß. – Sie bauen vielleicht derzeit an Gedankenbomben? Teller baute auf Wasserstoff, das Alpha und Omega der Geschichte, er wusste es und wahr sogar mit dem Omega glücklich. Bethe litt, Oppenheimer kommt nur in Theaterakten selbstzweifelnd auf die Weltbühne, direkt nach dem bombigen Erfolg. – Gottesurteil oder Frevel?

    Ja, “Sie”, diese dritte Person Singular, zweite Person Plural, das passt doch überhaupt nicht zu Ihnen. Sie brauchen einen Decknamen, eine Scheinadresse, einen abhörsicheren Hörraum, während Sie versuchen Ihren Pudding, genannt Progress, an die Wand zu nageln. Vorwärts,vorwärts wollen Sie? Dawei, dawei, nur wohin?

    Rückwärts geht es schon eher, wegen der ausgelatschten Eigenspur und gewisser Lesekunde. Ihr Auftrag: Finden Sie den fortschrittlichen Exo-Planeten, den Ort der endgültigen Auswanderung, den sinfonische Planeten auf dem Holstweg, k-pac. Fliegen Sie bei OGLE-2005-BLG-390LB, derzeit gerade 23.000 Lichtjahre von uns entfernt, unbedingt vorbei.

    Sie brauchen Progress. Staub ist der Feind jeder planetarischen Reise und an heiligen Abenden bringt der himmlische Lastwagen sogar Stollen, Printen, Bethmänner und Bitterschokolade.

    Die Karte ist veraltet, Rückschritt in der Zeit, deutet so Unmögliches an, bitte nicht nach Rechts abbiegen. GPS nicht benutzen, denn hier sind Koordinaten nicht neutral. Suchen Sie im Plural, sonst dauert es für sie im Singular zu lange. Suchen Sie nicht da, sondern da, da! Sie müssen sich, einmal wenigstens, bücken, im Staub unter dem Lattenrost ihres Bettes nachschauen, sie humanes Makromolekül-Konglomerat in wässriger Lösung, sie seröses Sensibelchen, sie Wesen der unzähligen Drüsen.

    Steigen Sie ein, schnallen Sie sich endlich an, sonst verpassen sie den Start von Kourou. Wer fliegt den noch vom Cap mit Gemini und Apoll, wer landet noch mit dem Igel, geschickt als Adler getarnt, die alte Dampfmaschine? Wer bekennt sich hilflos, wenn das Breitbandkabel glüht und Glas, kaltleuchtend, rasende Botschaften verteilt.

    Auf Erden droht progressives Kuru-Kuru, weil alle Welt mit Messer und Gabel kannibalisch wird und bei diesem Spiel auch noch lacht. Darüber kommt zuerst das Gedächtnis zu Schanden. Feine Manieren täuschen meist.

    Sie aber, Sie sind Stardust oder Cargo-Botschafter von Mutter Erde, der Nachbrenner ist gezündet, Rücksturz fast unmöglich. Count-down on zero, emission, zero emission, zero…Nulllinie mit noch mehr Ellen voran. Keine Derivate bitte!

    Fliegen Sie nicht allein, sie brauchen einen Menschen, der Ihre Geschichte erzählt, Ihnen Geschichten erzählt, tausend Kalte und eine warme Nacht. Eine Laika reicht nicht, sie ist zwar treu bis in den Tod, aber nicht gottesfürchtig. Sie schaute auch damals nicht nach als Sie oben war, dachte nicht an einen kleinen Progress für das Tierreich, aber wagte, wurde riskiert, so ganz ohne eigenen Willen, einen Großen Schritt für Sie, Mensch.

    Einmal am Himmel, warum ist der nur schwarz wie die Nacht und nicht blendend hell? Geben sie es zu, sie wissen es auch nicht. – Ach, immer diese neunmalklugen dänischen Astronomen. Tycho Brahe saß, wie Hieronymus im Gehäuse und rechnete gemauerte Bahnwinkel. Er fand seinen Weg zu Gott und glaubte trotzdem an das Horoskop und den Dänenkönig.

    Spinnen, Schlangen, Mäuse und Ratten in Schwerelosigkeit, das hatten wir.

    Hier auf Erden zählt der Ortsfaktor, auch für Sie. Die Hominidenwerdung, läuft sie vielleicht rückwärts? Sie bekommen ´nen Buckel und Falten, am Ende liegen Sie in Embryohaltung. Moorleichen lagen auch so. In der Schwebe wohl nicht, da leiern Sie kurzfristig aus, da müssen Sie Scheinwiderstände erfinden, da werden Sie größer, scheinriesig, eine imposante Erscheinung, auch ohne Löwenstimme. Sogar das Herz weiß nicht mehr ein, sondern nur noch aus. Wogegen rennt das Blut noch an? Kann man im All rot werden? Bei Sauerstoffmangel und großer Kälte endet das Farbensehen zuerst, eine ganz persönliche Rotverschiebung.

    Haben Sie vor dem Abflug noch einen Hahn geopfert, die Schulden beglichen?

    Warum spielen Hühner in der Menschheitsgeschichte eine so tragende Rolle? – Jetzt werden Sie nicht religiös, bevor dreimal der Hahn krähte. Denken sie ganz einfach ´mal an Ödipus, evidenzbasiert, stört auch ein solcher blinder Klumpenfuß nicht und ist selten WHO tauglich. Der stand einst vor der Sphinx und beantwortete die entscheidende Rätselfrage. Ständig sprechen die Steine zu uns, Thema “Lifecycle”. Von “Recycling” war nicht die Rede, dabei ist das reiner Platon.

    Da rasen sie dahin und wünschen sich doch zurück, Fortschritt hin oder her, geben Sie es zu. Irgendwann driften sie ab, gravitas, so würdeschwer können Gedanken zur Welt kommen. Aber nur unter Schwerkraft, auf der Erde.

    Out of africa wanderten sie einst, die plötzlich weißen Neger und froren ein. Römische Senatorenkugelbäuche unter bronzen-brauner Haut und Siegerkränze über Silberlocken wurden in der Schwebe gehalten, besänftigt. – Seht, nur ein Mensch.

    Wollen Sie tatsächlich zurück, nie mehr fort, nicht in Vakuum verpackt umherschleichen. Denn schneller als sie denken, wird ihre Masse ein Problem. Vorher, auf dem Papier, im Gedankenexperiment, rufen die Gänse auf dem Kapitol um Hilfe wann es ihnen und nicht Ihnen passt. – Aber hier oben hört niemand Vogelrufe.

    In jeder Sekunde durchschnittlich 29,78 km auf der Umlaufbahn, sie merken aber auch gar nichts. Danach sehnen sie sich doch. Die mittlere Jahrestemperatur lässt sie in schönsten Erinnerungen schwelgen. Wasserhosen sehen aus dem Weltenraum schön aus. Sie aber, sitzen im Weltinnenraum, der ist getäfelt und auf dem Tisch steht selten eine Schokolade.

    Die alten Europäer, ja die, sind doch noch nicht Wasserdampf und Staub. Obwohl sie es immer wieder versucht haben. Gebrannte Kinder sind sie. Nur bis zur Kanonade von Valmy war es wirklich zitierfähig, danach eigentlich nur noch grauenhaft. Aus Rittern wurden arme Ritter, die konnte man auch aufessen und Maneater gab es seither reichlich, sogar besungene.

    Das Schicksal der Erde hängt an einer Sprungzone im Wasser. Dichteanomalie, Golf hin, Humboldt zurück. Das Wasser kann nicht springen behauptet die Achse der Guten. Die glauben nur an geworfene Messer, die noch vom Wurf im Ziel zittern und an das erste körperwarm sickerndes Blut. Die glauben nicht an die Strömung über dem Abyss, drei Kilometer pro Stunde und nie an die Klippen des eigenen unscharfen Verstandes, die Beckmesser.

    Sie aber fliegen und fliegen. Stubenfliegen sind fast ortsfest und trotzdem eine Welt für sich.

    Grüße, Dank für das Blog,
    frohe Weihnacht und ein gutes Jahr 2009

    Christoph Leusch


  2. […] Weihnachten gab’s aus Brüssel eine traurige Nachricht: Cem Özdemir lässt Jorgo Chatzimarkakis sitzen. Die beiden sind Abgeordnete im Europäischen […]


  3. […] ZEIT ONLINE – planet in progress » WG Adé blog.zeit.de/bittner-blog/2008/12/18/wg-ade_201 – view page – cached Die Sache ist dramatisch, und sie passiert ausgerechnet in der Adventszeit, in der eigentlich auch Karrierepolitiker eine Extra-Portion Nestwärme brauchen. Eine der von ihren Bewohnern meistgeschätzte Brüsseler WG löst sich auf. Cem Özdemir, de jure noch immer Abgeordneter im Europäischen Parlament, von den Grünen (Yes, we Cem!) als neuer Parteichef in die Heimat berufen, lässt seinen Wohngenossen, den FDP-Mann Jorgo Chatzimarkakis — From the page […]


  4. Wow, awesome blog layout! How long have you been blogging for? you make blogging look easy. The overall look of your website is fantastic, let alone the content!. Thanks For Your article about WG Adé « planet in progress .

  5.   Christian Solas

    I have figured out some new elements from your site about personal computers. Another thing I have always believed is that computers have become something that each house must have for several reasons. They offer convenient ways in which to organize homes, pay bills, search for information, study, hear music and in some cases watch tv series. An innovative solution to complete these tasks has been a laptop computer. These pcs are mobile, small, powerful and transportable.

    http://cort.as

  6.   Pedro D. Souza

    Incredibly informative highlights you have remarked, thanks for adding.

  7.   Jose L. King

    It certainly is mostly extremely difficult to find well-qualified users on this matter, although you seem like you comprehend which you’re preaching about! Thanks A Lot

  8.   Terry A. Fleeman

    Was Initially browsing throughout . I’m keen on your content. Do write much more of this concern ok. Thank you


  9. I gotta favorite this site it seems very useful handy If you have more time, please visit my site: http://muahanggiacucre2015az.tumblr.com