Felix Lee über Roten Kapitalismus und chinesische Online-Phänomene

Romneys schiefe China-Argumentation

Von 17. Oktober 2012 um 10:42 Uhr

Die zweite Wahlkampfdebatte zwischen US-Präsident Barack Obama und seinem Herausforderer Mitt Romney gestern Abend in Hempstead stand im Zeichen der Außenpolitik. Und anders als noch vor zwei Wochen in Denver war die Volksrepublik China ein großes Thema. Aus gutem Grund: Die Vereinigten Staaten haben seit dem Beitritt Chinas zur Welthandelsorganisation 2001 bis 2011 mehr als 2,7 Millionen Jobs an die Chinesen verloren.

Obama nutzte die Chance, auf drei Handelsvereinbarungen aus seiner Amtszeit hinzuweisen, die dafür sorgen sollen, dass einige Tausend Jobs in den USA bleiben. Der Präsident versprach, er werde weitere solche Vereinbarungen auf den Weg bringen.

Romney holte hingegen die große Keule heraus. Er versprach, dass er an seinem ersten Tag als Präsident den Chinesen ganz offen vorhalten werde, die Währung zu manipulieren. Peking schummele seit Jahren. Romney klagte außerdem, Chinas Unternehmen klauten ihren amerikanischen Konkurrenten Produkte und geistiges Eigentum. Das dürfe sich die USA nicht länger gefallen lassen.

Noch deutlicher wurde der Herausforderer bei der Antwort auf eine Zuschauerfrage. Ein Zuschauer wollte wissen, wie denn ein amerikanisches Unternehmen wie Apple dazu gebracht werden könne, seine iPhones und iPads in den Vereinigten Staaten produzieren zu lassen. Romney antwortete, sein Land könne mit jedem anderen Land dieser Welt mithalten, sofern das andere Land sich an die gleichen Regeln halte. Er sprach von gefälschten Apple-Produkten in gefälschten Apple-Geschäften in China.

Was Romney behauptet, ist jedoch falsch. Der Yuan ist längst nicht mehr so unterbewertet, wie behauptet. Und an angeblich gefälschten Apple-Produkten hat auch kein Chinese Interesse. Verkauft wurden echte Apple-Produkte in Geschäften, die den Apple-Stores verdächtig ähnlich aussahen. Diese Läden sind aber längst geschlossen.

Obama hingegen hat Recht: Bestimmte Jobs werden nicht in die USA zurückkehren. Das gilt erst recht für die Arbeitsplätze der Fabrikarbeiter, die bei Foxconn für Apple die eleganten Smartphones und Flachrechner für Monatslöhne von 100 bis 200 Dollar zusammenlöten. Romney kann noch so sehr darauf bestehen, China habe fair zu spielen und seine Währung aufzuwerten: Diese Jobs werden nicht in die USA zurückkommen.

Obamas Antwortet lautet: nicht Billigjobs, sondern hochqualifizierte Jobs schaffen. Das geht nur, wenn in Bildung, Forschung und Entwicklung investiert wird. Das ist übrigens eine Strategie, die auch die chinesische Regierung anpeilt. Auch sie will weg von diesen Billigjobs, die Romney in seinen Äußerungen so anpreist.

Kategorien: Allgemein
Leser-Kommentare
  1. 1.

    Im Prinzip haben Sie recht, leider ist aber nicht jeder Mensch ´´hochqualifiziert´´ und ein Bildungsangebot fällt auch nicht bei allen Menschen auf fruchtbaren Boden.
    In Deutschland bemühen wir uns seit langem darum und die Erfolge sind nicht prickelnd. Siehe die letzten Ergebnisse der Kompetenzermittlung in der Grundschule.
    Wenn hochpreisige ´´neue´´ Produkte in Billiglohnländern hergestellt werden, so ist dieses natürlich unter dem Aspekt Gewinnmaximierung nachzuvollziehen, unter dem Aspekt einer funktionierenden Volkswirtschaft eher nicht, hat Herr Romney aber nicht selbst für die Auslagerung von Produktionen in ´´Billiglohnländer´´ gesorgt und dadurch ein beachtliches Vermögen angesammelt ?

    • 17. Oktober 2012 um 11:49 Uhr
    • darthmax
  2. 2.

    Im Ernst, Liebe Zeit?
    Dieser Artikel erzählt Unfug. Er ist also nicht besser als Romney. Um nur einen kleinen Beweis zu liefern, habe ich eine kleine Sammling an Fotos aus China vom April 2012 hochgeladen. China hat tausende von Strassen voll mit falschen Appleprodukten. Man kann sie gar nicht übersehen. Dementsprechend ist dieser Blogbeitrag nicht etwa ein Missgeschick, sondern dreiste Lüge

    http://chinadrops.wordpress.com/2012/10/17/fakeapplemania/

    Ich habe dort ein Jahr gelebt und an der Uni gelehrt und gebe sehr gerne Auskunft, falls jemand Fragen hat.

    • 17. Oktober 2012 um 11:52 Uhr
    • Fragend
  3. 3.

    Aber viele Dienstleistungen kann man schwer ins Ausland verlagern.
    Niemand geht zum Haare schneiden nach China.
    Und der Schlüsseldienst kommt auch nicht aus China eingeflogen.

    • 17. Oktober 2012 um 11:56 Uhr
    • Handelsbilanzdefizit
  4. 4.

    Romney liegt also falsch? “Im Prinzip haben sie recht”
    Nun fragen sie sich selbst: Was kommt bei 90% der US-Wähler besser an?
    a) Wir werden versuchen, Vereinbarungen zu treffen
    oder
    b) China schummelt, China klaut.

    • 17. Oktober 2012 um 12:03 Uhr
    • ikarus7
  5. 5.

    Eine Bemerkung wie “Der Yuan ist längst nicht mehr so unterbewertet, wie behauptet.” zeigt ja nur, dass die jahrelangen Proteste der USA doch zu etwas geführt haben und bestätigt die Romney These im Kern, nämlich dass der Yuan unterbewertet sei.

    Und sicher ist das Apple Beispiel unglücklich, aber ehrlich gesagt, wüste ich im Consumerbereich kaum ein Produkt, dass nicht jeder X-beliebige aus China als Klone beziehen könnte. Bei zahlreichen Industrieprodukten soll das ähnlich sein – kann ich aber nicht beurteilen

    Insofern verstehe ich nicht ganz, wieso der Romney hier so daneben liegen soll, das es einen extra Artikel wert. Das in diesen Politshows mit dem großen Pinsel gezeichnet wird – je nun

    • 17. Oktober 2012 um 12:08 Uhr
    • Plupps
  6. 6.

    Und wenn uns “die Chinesen” das Hochqualifiziertsein auch nachmachen? Müssen wir dann wieder Höhererqualifizierten sein? Und wenn wir das wären und uns auch das nachgemacht wird. Was dann? Ich sehe darin keine substanzielle Lösung des Problems sondern nur ein Vor-sich-hin-schieben über einige Legislaturperioden, damit der “normal Gebildete” nix davon merkt.

  7. 7.

    @Fragend,

    ich kann aus Ihren Bildern ehrlich gesagt nicht erkennen, dass dort haufenweise falsche Apple-Produkte verkauft werden. Aber egal. Ich bestreite in meinem Eintrag ja auch nicht, dass es diese gefälschten Applte-Produkte gar nicht gibt. Sondern ich schreibe, dass sie auch bei chinesischen Konsumenten auf kein Interesse stoßen. Das heißt: Sie fügen Apple keinen wirklich nennenswerten Schaden zu. Das schreibt mein Kollege der FT übrigens dazu:

    http://blogs.wsj.com/chinarealtime/2012/10/17/china-fake-apple-store-blogger-romney-misusing-the-story/

    • 17. Oktober 2012 um 12:26 Uhr
    • Felix Lee
  8. 8.

    Was ist falsch an Romeys Aussage “Chinas Unternehmen klauten ihren amerikanischen Konkurrenten Produkte und geistiges Eigentum”?
    Außer der Beschränkung auf amerikanische Konkurrenten oder meinetwegen gar auf Apple?

  9. Kommentar zum Thema

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