Felix Lee über Roten Kapitalismus und chinesische Online-Phänomene

Menschenrechtler kritisieren China-Geschäfte von Bosch

Von 6. Dezember 2012 um 16:39 Uhr

Menschenrechtsorganisationen kritisieren die Chinageschäfte des deutschen Technologiekonzerns Bosch. Die International Campaign for Tibet (ICT) wirft dem schwäbischen Technologieriesen und Autozulieferer vor, chinesischen Gefängnissen gezielt Sicherheits- und Überwachungstechnik anzubieten. China sei ein autoritär regierter Staat ohne eine unabhängige Justiz, kritisiert Kai Müller, Sprecher der Menschenrechtsorganisation. Er bezeichnet die Geschäfte von Bosch in China als “beschämend”. Prominenter Insasse eines chinesischen Gefängnisses ist der Friedensnobelpreisträger Liu Xiaobo.

Die Vorwürfe kommen für Bosch zu einem extrem ungünstigen Zeitpunkt. Zurzeit findet in Peking die Security China 2012 statt, eine vom chinesischen Ministerium für Öffentliche Sicherheit organisierte Messe, die vor allem von den nationalen Sicherheitsbehörden besucht wird. Auch dort wirbt das Unternehmen für seine Überwachungstechnik.

China ist für Bosch einer der wichtigsten Märkte: Allein im vergangenen Jahr hat die Bosch-Gruppe in China einen Umsatz von umgerechnet mehr als 6,7 Milliarden US-Dollar erwirtschaftet.

Auf der chinesischsprachigen Internetseite von Bosch finden sich tatsächlich kurze animierte Filmchen, mit denen die Bosch-Produkte AutoTrack und AutoDome beworben werden. Bei dieser Technik handelt es sich um moderne Kameras speziell für Gefängnisse und andere Sicherheitseinrichtungen. Die Kameras können Bewegungen erkennen und Verdächtige auf Schritt und Tritt verfolgen.

ICT fordert Bosch auf, den Vertrieb von Gefängnisausrüstungen in China sofort einzustellen und Auskunft darüber zu geben, wie viele chinesische Gefängnisse Bosch bislang mit der Technik ausgerüstet habe. Insbesondere will ICT wissen, ob die Sicherheitstechnik des Unternehmens in Gefängnissen in Tibet zum Einsatz komme.

Bosch verneint dies. “Wir haben kein chinesisches oder tibetisches Gefängnis mit unseren Sicherheitsprodukten ausgestattet”, antwortet eine Sprecherin der Bosch-Sicherheitssysteme GmbH auf Anfrage. Bei den Informationsfilmen auf der Webseite handele es sich lediglich um Trailer, “die wie vieles andere Werbematerial zentral erstellt und dann in viele unterschiedliche Sprachen übersetzt” würden. Angesprochen werden sollten mit der chinesischen Webseite Länder wie Singapur und Taiwan, in denen ebenfalls Chinesisch gesprochen werde – was es allerdings auch nicht besser macht, schließlich ist Singapur ebenfalls ein autoritärer Staat. Die Sprecherin betont, Bosch sei ein werteorientiertes Unternehmen. Dazu zähle auch die Einhaltung der Menschenrechte.

Selbst wenn es zu Geschäften zwischen Bosch und chinesischen Gefängnissen käme – auf dem Papier wäre das legal. Die Europäische Union hat nach der Niederschlagung der Demokratiebewegung 1989 in Peking zwar ein Waffenembargo gegen China verhängt. Überwachungstechnik fällt allerdings nicht darunter. Und auch sonst würde Bosch gegen keine Konventionen verstoßen, wenn das Unternehmen Sicherheitssysteme nach China verkaufen würde.

Allerdings kritisiert auch die Bundesregierung immer wieder die harten Strafen gegen Dissidenten und Menschenrechtsverteidiger in der Volksrepublik.

Was Müller von ICT vor allem ärgert: Wegen guter Geschäftsaussichten würden sich immer häufiger deutsche Unternehmen an das chinesische Regime anbiedern und teilweise sogar durch Komplizenschaft auffallen. Dass ausgerechnet ein Unternehmen wie Bosch in China mit seiner Gefängnistechnik werbe, passe nicht zu den Grundsätzen sozialer Verantwortung. Dabei nehme Bosch Unternehmensverantwortung in der Regel ernster als manch anderer Konzern.

Kategorien: Allgemein
Leser-Kommentare
  1. 1.

    Wachstumsmarkt Unterdrückung:
    Das traurige ist, selbst wenn Bosch davon abstand nimmt, diese Technologien an China zu verkaufen, existieren noch dutzende weitere potenzielle Kundenstaaten, die in unruhigen politischen Zeiten nach immer effektiveren Mitteln und Methoden suchen, ihre eigene Bevölkerung zu überwachen, einzuschüchtern, zu unterdrücken.
    Die Staaten der EU und damit Deutschland, zähle ich da implizit zu; die derzeitige “Krisenpolitik” erinnert ja nun stark an das reaktionäre Vorgehen der politischen und wirtschaftlichen Eliten nach der “great depression”, die wieder unter der Prämisse steht, statt die Menschen, die herrschenden Verhältnisse zu retten.

  2. 2.

    Wer stattet eigentlich Guantanamo aus?

    • 6. Dezember 2012 um 19:52 Uhr
    • 可为
  3. 3.

    Ist ja ein toller Artikel…

    Ich fasse mal zusammen:

    - Bosch bietet Sicherheits- bzw. Überwachungstechnik weltweit an.
    - Bosch ist auf der bedeutensten Messe in China als “empfohlener Aussteller” vertreten

    Daraus folgert die Menschenrechtsorganisation (in der ersten Zeile steht, dass es mehrere sein sollen … ich lese nur von einer…), dass Bosch gezielt in Chinesischen gefängnissen Hand in Hand mit der Regierung – ich zitiere – “[...]Profite damit erwirtschaften will, das System von Repression und Unterdrückung in der Volksrepublik China aufrecht zu erhalten.”

    Desshalb wird gefordert:
    1) Verschwindet mit eurer Technik aus China
    2) Sagt der Organisation in welchen Gefängnissen ihr welche Technik verbaut habt, und am besten noch welche Gefangenen grade wo sind … ihr wisst es ja schließlich
    3) Bitte nochmal in Bunt für Tibet

    Find ich ehrlich gesagt ziemlich lächerlich.

    Was wissen wir nicht:
    - Hat Bosch Gefängnisse ausgestattet? … Bosch sagt nein.
    - Warum ist Bosch empfholener Aussteller? Das muss nix mit der Sicherheitstechnik zu tun haben.
    - Welches Gewicht hat Bosch in China in der Sicherheitstechnik? Wie steht der umsatz von Bosch zum gesammtumsatz in dem Sektor? Wenn die 6,7MRD Umsatz im vergleich grade mal 1% Marktanteil sind, wäre ich schwer beeindruckt wenn es sich dann nur um Gefängnisse handelt.

    Ich glaub ja ehr dem Menschen von der ICT ist vor ein paar Tagen seine Bosch Bohrmaschiene kaputtgegangen und er konnte sie im Laden nicht umtauschen…

    • 6. Dezember 2012 um 20:31 Uhr
    • Laru
  4. 4.

    Wahlverwandtschaften
    Die einen liefern perfekte Leopard 2 Kampfpanzer und Radpanzer Boxter an Saudi-Arabien,
    die anderen liefern moderne Überwachungs-Technik für den chinesischen
    Überwachungsapparat.

    • 6. Dezember 2012 um 21:02 Uhr
    • Otto2
  5. 5.

    Diese unglaubliche Doppelmoral die Menschen beim Thema China an den Tag legen. Was Deutschland, Europa und die westliche Gesellschaft über hunderte von Jahren in den Sand gesetzt haben, dass muss China richtig machen! China hat keinen natürlichen gesellschaftspolitischen Bildungsprozess verdient? Nein, wir verlangen 100% Integrität und 0% Fehler.

  6. 6.

    “Wir haben kein chinesisches oder tibetisches Gefängnis mit unseren Sicherheitsprodukten ausgestattet”
    Wirtschaftliche Interessen haben auf diesen Planeten eindeutig Vorrang. Auf Menschenrechte wird verzichtet, Hauptsache wir können Geschäfte machen. Es gibt im wirtschaftlichen Sinne keine Schurkenstaaten oder Menschenrechtsverletzungen.
    China ist eine aufstrebende Macht und jeder, wirklich jeder versucht hier von den Kuchen etwas ab zu bekommen.
    Leider wird das in den Medien gerne etwas anders dargestellt.
    Die Wirklichkeit sieht ganz anders aus.
    Meine Meinung basiert auf nun ca. 35 Jahre Montage Einsatz im gesamten Asiatischen Raum. Und da gibt es keine Spielräume wie manchmal so einfach dargestellt wird.
    Und ich stimme voll und ganz den Menschenrechts Organisationen zu. PUNKT

    • 6. Dezember 2012 um 21:45 Uhr
    • Josef
  7. 7.

    Es ist wohl ein Abwägen. Einerseits ist China ein autoritärer Staat in dessen Gefängnissen politische Dissidenten festgehalten werden. Andererseits hat die Ausrüstung von chinesischen Gefängnissen mit deutscher Sicherheitstechnik durch Bosch keine Auswirkung darauf, ob nun politische Dissidenten in den Gefängnissen sind oder nicht. Die Tatsache, dass in den chinesischen Gefängnissen auch Mörder, Gewaltverbrecher, etc. sind, die auch im Westen im Gefängnis gelandet wären, und dass ein Sicherheitsgewinn etwas wäre wovon die gesamte Gesellschaft profitieren würde, wird hier durch ICT bequemerweise ausgeblendet. Die Heuchlerei wird offensichtlich wenn man betrachtet, dass ICT vermutlich kein Problem damit hätte, wenn diese Sicherheitstechnik bspw. in Saudi-Arabien eingesetzt werden würde.

    P.S.: Singapur mit China in puncto autoritärer Staat auf eine Stufe zu stellen, zeugt m.E. von Unkenntnis (von jemandem kommend, der in Singapur gelebt, studiert und gearbeitet hat).

    • 6. Dezember 2012 um 23:33 Uhr
    • Arbraxan
  8. 8.

    Welch ein reißerischer Artikel… Bosch vertreibt Sicherheitsprodukte… Als ob die Menschenrechtler ohne die Produkte nicht trotzdem eingesperrt wären oO. Und Singapur als “autoritären” Staat zu bezeichnen, weiß auch nicht so recht. Ist zwar kein demokratischer Staat nach westlichem Verständnis, aber sicher nicht autoritär. Außerdem läuft es dort wesentlich besser als in Europa ;-)

    Wurde für den Artikel überhaupt was recherchiert oder direkt von der Homepage zitiert?

    • 6. Dezember 2012 um 23:38 Uhr
    • john wayne
  9. Kommentar zum Thema

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