Felix Lee über Roten Kapitalismus und chinesische Online-Phänomene

China fürchtet Amerikas Fiskalklippe

Von 17. Dezember 2012 um 12:23 Uhr

Eigentlich läuft Chinas Wirtschaft wieder rund. Im vierten Quartal werden die Wachstumsraten wieder über acht Prozent liegen, schätzen Experten. Schon 2013 soll China wieder so schnell wachsen wie in den vergangenen Jahren. Dennoch ist von Zuversicht oder gar Euphorie im Reich der Mitte wenig zu spüren. Das liegt an der Politik in Washington.

Sollten sich Republikaner und Demokraten im US-Kongress in den kommenden Tagen im Streit um den Staatshaushalt nicht einigen, treten zum neuen Jahr automatisch drastische Ausgabenkürzungen und Steuererhöhungen in der Gesamthöhe von rund 600 Milliarden Dollar in Kraft. Die sogenannte Fiskalklippe könnte die USA in eine neue Rezession stürzen. Dann wäre auch der Aufschwung in China schnell vorbei.

Kaum eine andere große Volkswirtschaft ist derzeit so abhängig von den USA wie China. Nach Berechnungen des Internationalen Währungsfonds (IWF) würde die Fiskalklippe die öffentlichen Ausgaben in den Vereinigten Staaten 2013 um vier Prozent senken – mit weitreichenden Folgen für China.

Die Nachfrage aus Europa ist wegen der anhaltenden Schuldenkrise bereits massiv zurückgegangen. Inzwischen sind die Amerikaner wieder die größten Abnehmer der Chinesen. Die chinesischen Exporte in die Vereinigten Staaten machten 2011 rund 17 Prozent aller Ausfuhren aus und beliefen sich auf 324 Milliarden Dollar. 4,4 Prozent ihrer Wirtschaftsleistung haben die Chinesen den Amerikanern zu verdanken. Springen die USA zum Ende des Jahres über die Fiskalklippe, würde den IWF-Berechnungen zufolge Chinas Wirtschaftswachstum 2013 auf einen Schlag um 1,2 Prozentpunkte geringer ausfallen.

Zugleich würde das Pendel zurückschlagen. China ist mit geschätzten 1,15 Billionen Dollar der größte Gläubiger der USA. Bereits 2011 haben die Chinesen den Kauf von US-Staatsanleihen wegen der immer größeren wirtschaftlichen Risiken in den Vereinigten Staaten deutlich reduziert. In diesem Jahr ist der Bestand angeblich überhaupt nicht mehr gewachsen. Verlieren die Chinesen noch mehr das Vertrauen, könnten sie in Versuchung geraten, die Papiere abzustoßen. Das wäre eine selbstverstärkende Abwärtsbewegung, unter der die gesamte Weltwirtschaft leiden würde.

Kategorien: Allgemein
Leser-Kommentare
  1. 1.

    Die Chinesen fürchten die Fiskalklippe mit Sicherheit nicht, weil sie das Märchen durchschauen. die Fiskalklippe ist eine vorgetragenen Illusion, die davon Ablenken soll, dass sich in Wirklichkeit nichts ändert. Es werden weiter fleißig, Schulden gemacht und die Mittelschicht gemolken, weiter werden Entwicklungsländer überfallen um sich neue Ölquellen zu sichern und es wird Fracking betrieben ohne die Folgen für die Umwelt zu beachten. Das alles geht nur weil sonst die Klippe kommt. Die Wahrheit ist, es gibt kein Klippe. Man müsste Reformen einleiten, nachhaltig haushalten, seine Armeen zurückpfeifen und umweltfreundlicher weden. Das wäre dann eine Herausforderung oder sogar eine Art amerikanischer Neuanfang. Eine Klippe dagegen is völliger Humbug.

  2. 2.

    Zu der chinesischen Wachstumsquote, die dank der Fiskalklippe möglicherweise um 1.2 % sinken würde: Li Keqiang hat in seinem Gespräch mit dem amerikanischen Botschafter 2007 (veröffentlicht auf Wikileaks) gesagt, er nähme diese Zahlen sowieso nicht ernst, da sie “man made”, von der Regierung, gemacht wurden. Er stützt sich lieber auf beispielsweise den Energieverbrauch oder die Zugkapazität.

    • 17. Dezember 2012 um 20:35 Uhr
    • Herbert
  3. 3.

    Die Chinesen werden sicherlich keine amerikanischen Papiere auf den Markt werfen. Das würde ja den Wert der Anleihen, die sie halten, vernindern. Kasse macht man doch nur, wenn man Bargeld braucht. Ansonsten kann man entspannt auf bessere Zeiten warten.

  4. Kommentar zum Thema

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