Felix Lee über Roten Kapitalismus und chinesische Online-Phänomene

Warum Chinas Reiche flüchten

Von 28. Dezember 2012 um 13:51 Uhr

In China sind in den vergangenen Jahren viele Bürger reich geworden. Doch die Volksrepublik leidet zunehmend darunter, dass das Geld nicht im Land bleibt – trotz strenger Kapitalkontrollen.

Aus dem jüngsten Private Wealth Report geht hervor, dass allein 2011 fast jeder dritte Chinese mit einem Vermögen von mehr als 100 Millionen Yuan (15,9 Millionen Euro) ausgewandert ist und sein Vermögen ins Ausland geschafft hat. Weitere 47 Prozent dieser Superreichen gedenken, es ihnen gleich zu tun.

Eine Studie des Beijing Institute of Technology kommt zu einem ähnlichen Ergebnis. Demzufolge haben 150.000 reiche oder hochqualifizierte Chinesen im vergangenen Jahr eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung im Ausland erworben. Die meisten sind in die USA, nach Kanada oder Australien ausgewandert.

Auch die Gründe der Auswanderer klingen ähnlich: 58 Prozent von ihnen gaben an, dass sie ihren Kindern eine bessere Ausbildung verschaffen wollen. Immerhin 43 Prozent sagten, dass sie ihr Vermögen in Sicherheit bringen wollen. Dem chinesischen Rechtssystem und den Verhältnissen insgesamt sei nicht zu trauen. Die vielen Korruptionsskandale bis hinauf in die Staatsspitze bestätigen sie in ihrer Entscheidung.

Dass eine solche Entwicklung auf Dauer nicht gut für ein Land ist, weiß die neue Führung um das im November ernannte Staatsoberhaupt Xi Jinping. Die Kapitalflucht hat nicht nur zur Folge, dass der Volksrepublik die eigenen Privatinvestoren und eine wichtige Konsumentengruppe verloren gehen. Auch die gesellschaftliche Modernisierung bleibt auf der Strecke, wenn all jene das Land mit ihren Angehörigen verlassen wollen, sobald sie es sich finanziell leisten können.

Chinas neue Staatsführung verspricht, die mangelnde Rechtssicherheit und die ausufernde Korruption mit aller Härte zu bekämpfen. Nur wenige Tage im Amt, hat Xi bereits mehrere Richtlinien erlassen, die den ausufernden Pomp vor allem unter Partei- und Regierungsfunktionären stoppen soll.

Ranghohe Militärs und Politiker sollen bei offiziellen Empfängen auf Luxuslimousinen, rote Teppiche und Schnäpse verzichten. Prompt sank der Kurs der Aktie des größten Schnapsherstellers im Land. Auch “inhaltsloses Gerede” soll reduziert werden, ebenso unnötige Reisen ins Ausland und der Gebrauch von Sirenen bei offiziellen Besuchen. Das alles sind nur erste symbolische Schritte, wie Chinas neuer Machthaber betont. Tatsächlich hat es seit Xis Amtsantritt bereits eine Reihe von spektakulären Verhaftungen ranghoher Funktionäre gegeben, die der Selbstbereicherung überführt wurden.

Zunächst einmal dürfte jedoch Xis angekündigte Korruptionsbekämpfung die Kapitalflucht beschleunigen. Das chinesische Finanzunternehmen Huatai Securities hat berechnet, dass allein im November chinesisches Kapital in Höhe von 41,2 Milliarden Dollar ins Ausland geflossen ist – Rekord in diesem Jahr. Es liegt nahe, dass darunter auch einige Beamte sind, die sich vor den neuen Regeln fürchten.

Kategorien: Allgemein
Leser-Kommentare
  1. 1.

    “Dem chinesischen Rechtssystem und den Verhältnissen insgesamt sei nicht zu trauen.”
    ——————-
    Interessant zu wissen wäre, welchem Rechtssystem die Auswanderer statt dessen trauen!?

  2. 2.

    Vermutlich hätte auch Mao in diesem Fall eher nicht eine Selbstkritik in den eigenen Reihen angeregt. Deswegen kann ich die Flüchtenden gut verstehen. Denn man weiss ja wirklich nicht, wie lange was anhält, was nicht durchschaubar ist. Die chinesiche Regierung hat, wie schon seit jeher, kein Vertrauen in ihre Bevölkerung. 1000 Jahre Abschottung und jetzt ein wenig Freiheit aber mit Daumen drauf.

    Und eine elitäre Sprachenteilung gibts auch noch. Ich weiss allerdings nicht, wie sich das hinsichtlich Zugangsmöglichkeiten und Privilegien auswirkt. Wenn nicht scheint es wohl egal zu sein.

    Ein Riesenreich bracht Kontrolle, eine starke Hand, die sind noch nicht so weit. Vielleicht stimmts ja, was man über diesen Staat nun seit 40 Jahren mitgeteilt bekommt.

    • 28. Dezember 2012 um 21:00 Uhr
    • TDU
  3. 3.

    Sicher hätte Mao in diesem Fall eher eine Selbstkritik in den eigenen Reihen angeregt.

    Die chinesiche Regierung rekrutiert sich aus der Bevölkerung. Nationalsozialismus mit ein wenig Freiheit tragen Früchte.

  4. 4.

    “Die vielen Korruptionsskandale bis hinauf in die Staatsspitze bestätigen sie in ihrer Entscheidung.”

    Das finde ich gut^^
    Als ob die neuen Millionäre nicht genau durch ihre Handlungsweise ihr Kapital erworben hätten wegen der sie jetzt fliehen würden.

    Ich Deutschland hätte sie die FDP geschützt. ^^

    • 28. Dezember 2012 um 21:53 Uhr
    • Obscuro
  5. 5.

    10 Millionen RMB sind umgerechnet 12.1 Mio Euro

    lg

    • 28. Dezember 2012 um 21:58 Uhr
    • WDS
  6. 6.

    Korrektur: 100 Mio RMB

    • 28. Dezember 2012 um 21:59 Uhr
    • WDS
  7. 7.

    Die Chinesen sind halt doch nicht anders als die Europäer oder Amerikaner. Die Reichen verdrücken sich beizeiten ins nächste Steuerparadies, zurück bleibt der Rest und trägt die Staatsschulden, damit die Währung auch schön stabil bleibt. Das hat auch seine Vorteile: Der Reiche hat mehr von seinem Reichtum, die Teuerung bleibt niedrig und die Unterschicht braucht nicht mehr arbeiten gehen, weil es keine mehr gibt. Kennt man alles schon. Und wer hat’s erfunden? Die Amis!

    • 28. Dezember 2012 um 22:22 Uhr
    • Pitgiss
  8. 8.

    Es werden bei den Reichen wohl auch viele Parteifunktionäre sein, so wie etliche der Oligarchen in Russland.

    So richtig frei, scheinen die ganzen Reichen der Welt nicht zu sein, ständig in Angst das Geld zu verlieren, ständig auf der Flucht aus Angst eventuell Steuern zahlen zu müssen, abgeschottet hinter hohen Mauern in goldenen Käfigen und immer auf der Jagd nach höheren Renditen.

    Sehr erstrebenswert klingt das für mich nicht.

    Wo flüchten denn die Chinesen hin? Ich wäre schon neugierig zu wissen, welche Länder in den Augen der Chinesen als sicherer Hafen fürs Geld erscheinen.

    • 28. Dezember 2012 um 22:28 Uhr
    • siar
  9. Kommentar zum Thema

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