Felix Lee über Roten Kapitalismus und chinesische Online-Phänomene

Chinas schnelle Züge

Von 2. Januar 2013 um 13:32 Uhr

Wenn es um moderne Großtechnologien geht, hat das kommunistisch regierte China den USA schon lange den Rang abgelaufen. Mit einer durchschnittlichen Reisegeschwindigkeit von 300 Stundenkilometern fuhr der chinesische Schnellzug CRH380 am zweiten Weihnachtstag erstmals die 2.298 Kilometer lange Strecke zwischen der Hauptstadt Peking im Norden des Landes und der Technologiemetropole Guangzhou in Südchina ab. Die Jungfernfahrt dauerte acht Stunden. Vor der Eröffnung der neuen Strecke betrug die Reisezeit mehr als 20 Stunden.

Seitdem China die neue Technologie vor fünf Jahren eingeführt hat, ist das chinesische Hochgeschwindigkeitsnetz auf mehr als 9.300 Kilometer gewachsen. Damit verfügt China bereits über das längste Hochgeschwindigkeitsnetz der Welt. Der Rekord ist ein vorläufiger. In großen Sprüngen soll der Ausbau weiter gehen: Die Strecke zwischen der westlichen Stadt Chengdu bis hinauf nach Schanghai steht unmittelbar vor der Eröffnung, ebenfalls die Verbindung zwischen Shanghai und Kunming im Südwesten. Auch Strecken im Inland wie die von Zhengzhou nach Xi’an in Zentralchina stehen kurz vor ihrer Vollendung. Bereits bis Ende 2014 will das chinesische Eisenbahnministerium das Netz auf 19.000 Kilometer ausweiten, bis 2020 gar auf die gigantische Zahl von 50.000 Streckenkilometern.

Werden diese Pläne tatsächlich so umgesetzt wie vom Eisenbahnministerium verkündet, liegt der Finanzierungsbedarf Analysten zufolge bei 80 Milliarden Yuan im Jahr (rund 12,8 Milliarden US-Dollar). Bis 2020 will der Staat 300 Milliarden Dollar für das Hochgeschwindigkeitsnetz ausgegeben haben. Die hohen Investitionssummen dürften mit ein Grund dafür sein, dass das Eisenbahnministerium und die ihr unterstellten Staatsunternehmen in den vergangenen Jahren besonders anfällig für Korruptionsskandale waren.

Noch sind die Hochgeschwindigkeitszüge ein Verlustgeschäft. Tickets für die neue Strecke Peking-Guangzhou kosten umgerechnet zwischen 100 und 350 Euro. Bei einem Durchschnittsverdienst von rund 500 Euro im Monat ist dieser Preis für einen Großteil der chinesischen Bevölkerung kaum erschwinglich. Entsprechend gering wird vorerst die Zahl der Passagiere sein. Geht das Wachstum in China jedoch weiter, könnte sich das bald ändern.

Der chinesische Hochgeschwindigkeitszug könnte sich außerdem schon bald auch zu einem Exportschlager entwickeln. Saudi Arabien hat die chinesische Technik bereits bestellt. Auch Russland, Brasilien und selbst die USA haben Interesse bekundet. Und während die Europäer nicht einmal über den Ausbau eines einheitlichen Hochgeschwindigkeitsnetzes diskutieren, sind die Chinesen bereits eifrig dabei, nicht nur Südostasien mit ihrem Streckennetz zu verbinden, sondern auch die zentralasiatischen Länder hinauf bis in die Türkei. Die Arbeiten in Laos, Thailand und Myanmar haben bereits begonnen.

Wurden die ersten Triebzüge und Lokomotiven noch von Siemens, Bombardier oder Kawasaki geliefert, sind die neuen Züge inzwischen eine chinesische Eigenproduktion. Klagen wegen Technikklau und Diebstahl geistigen Eigentums werden kaum noch erhoben. Viele Einzelteile kommen durchaus noch von Siemens, Bosch und Bögl. Wie ein Vertreter einer dieser deutschen Firmen vor Kurzem sagte: “Wir feiern in China alle eine große Party.”

Kategorien: Allgemein
Leser-Kommentare
  1. 25.

    China im Geschwindigkeitsrausch
    Asia in six Days ,cool
    wir halten mit dem Teleporter dagegen,von A nach B nur mehr ein Wimpernschlag
    Zeit ist Geld

    • 3. Januar 2013 um 00:15 Uhr
    • reineke
  2. 26.

    Da wird Siemens endlich mal mit bezüglich Qualität in die Füße kommen! Oder ist der Zug etwa jetzt abgefahren?

  3. 27.

    Ich finde es äußerst fragwürdig, wenn man in Deutschland jeden Tag irgendwo lesen muss, wie toll, reich, fortschrittlich und luxuriös alle Chinesen leben. Sicherlich ist es so, dass wir in Deutschland keine Städte mit 30 Millionen Einwohnern haben und unsere Wirtschaftsleistung geringer ist. Wir haben allerdings auch nur ein Fünfzehntel der Bevölkerung. Bei uns ist die Luft sauber, wenn wir unsere Ruhe haben wollen, setzen wir uns 30min ins Auto und sind mitten im Wald. Jeder Mensch wird bei uns unabhängig vom Geldbeutel hervorragend medizinisch versorgt. Die Ausbildung an deutschen Universitäten ist eine der weltbesten, wenn nicht gar DIE Beste.

    Und nur weil “Felix Lee aus Peking”, der von seinem Bierdeckel offensichtlich nie mal nach Deutschland kommt, sondern nur die “riesengroße Party” in China feiert, sagt, dass China ja so viel besser ist als alle anderen Länder der Erde, dann muss das noch lange nicht stimmen.

    Ich kann ungefähr 10 Seiten jeweils über China und Deutschland bloggen, um China richtig alt aussehen zu lassen – dauert maximal eine Stunde. Hier ein paar Anhaltspunkte:

    - Gehälter
    - Lebenserwartung
    - Bildung
    - Demokratie
    - Presse/Meinungsfreiheit
    - Gesundheitsversorgung
    - Sozialsystem
    - Kultur

    … bitte Herr Lee, machen Sie sich doch mal kurz Gedanken darüber.
    Ihrem Namen nach zu Urteilen kommen Sie aus Hong Kong. Wie viele Jahre ihres Lebens mussten Sie denn mal das einfache Leben eines chinesischen Arbeiterkindes leben? Keins? Und Wochen? Keine? Oh! Offensichtlich haben Sie also gar keine Ahnung von dem Land, welches Sie hier so hoch in den Himmel loben!

    • 3. Januar 2013 um 12:24 Uhr
    • Seneca
  4. 28.

    @ seneca
    zu fallenden Gehaeltern koennte ich ne Menge schreiben,
    zu Lebenserwartung- Ernaehrung auch, ist sogar in Japan sehr hoch und die Luft da nicht Alpen-rein,
    Bildung, komisch das viele besonders Medizin von US unbedingt in China studieren moechten.
    Demokartie, grr wenn die aus Unfaehigen besteht die das Steuergelt verbrennen. Die Elbphilharmonie, das S 21 Loch, den Hauptstadt Flughafen und die Energiewende, neben jahrelangen Autobahn Baustellen nicht stemmen koennen.
    Presse/ Meinungsfreiheit, Punkt fuer sie, gibt es im Privaten
    Gesundheitsvorsorge ich kenne nur Shanghai, die Hauptstadt und einige Megapolen, gibt es, Sozialsystem gab es fuer den der arbeitet seid Mao
    Kultur oh gosh mehr als man sich je vorstellen zu wagen wagt. Ich lebe da halb und knapp halb in Europa, noch. Danke

  5. 29.

    @Seneca

    Beispielsweise auf den Strassen von China. Während in Europa immer mehr Kleinwagen auf den Strassen rollen, weil sich die Menschen keine besseren Autos leisten können, muss man diese in China wirklich suchen (ich habe bisher noch nirgendwo so viele Porsche-Cayenne gesehen wie in China).

    Wenn Sie schon mal in China gewesen wären dann hätten Sie sehen können wieviel Reichtum es gibt und das unabhängig vom Parteibuch. Ein besuch lohnt sich.

    Oder wollen Sie nur alles gerne glauben, was in Medien steht?

  6. 30.

    @Seneca

    Es ist zudem Unsinn zu glauben, dass Chinesen generell arm wären. Ein Freund von mir arbeitet seit vielen Jahren in China. V.a. in Nordchina kostet ein Baufacharbeiter mittlerweile bis 60 EUR / Tag (!) und die Preise steigen immer noch stetig.

    Die Mittelschicht mit Kaufkraft a la Mittel-/Nordeuropa ist riesig. Wenn seine Sekretärin drei, vier mal / Jahr nach Seoul oder Hong Kong zum Shoppen fliegt, ist das bezeichnend. Diese Mittelschicht wächst rasant und sucht zunehmend ihr Glück im Ausland.

    Siehe Hier:

    http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/kapitalflucht-chinesen-bringen-ihr-geld-aus-dem-land-a-875399.html

  7. Kommentar zum Thema

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