Felix Lee über Roten Kapitalismus und chinesische Online-Phänomene

Chinas große Wanderung

Von 31. Januar 2013 um 16:15 Uhr

Eigentlich beginnt das chinesische Frühlingsfest erst in neun Tagen. Doch schon jetzt setzen sich in der Volksrepublik wieder die alljährlich größten Wanderungsströme der Welt in Bewegung. Wie die englischsprachige Auflage von Chinas auflagenstärkster Zeitung Global Times berichtet, werden in den kommenden drei Wochen mehr als 3,4 Milliarden Zug-, Flug- und Bahnreisen stattfinden. Flughäfen und Bahnhöfe erleben seit Tagen Massenanstürme, und im ganzen Land staut sich auf den vielerorts erst vor Kurzem fertiggestellten Autobahnverbindungen der Verkehr. Auf dem Bahnhof in der zentralchinesischen Stadt Xi’an etwa hat die Stadtverwaltung bereits zusätzliche Großzelte aufgestellt, um die vielen Reisenden zu bewältigen. Von anderen Städten wird Ähnliches berichtet.

Was sich bereits in den vergangenen Jahren abzeichnete, dieses Mal aber wahrscheinlich alles Bisherige übertreffen dürfte: Chinas regelmäßige Völkerwanderung findet nicht mehr nur innerhalb der Landesgrenzen statt. Anlässlich des Frühlingsfestes bereisen die Chinesen inzwischen die ganze Welt. Seit Wochen sind nicht nur Zugtickets nach Hefei, Changsha oder Jingdezhen schwer erhältlich. Tickets für Flüge nach Phuket, Sydney, Singapur, Los Angeles, Vancouver, New York und London gelten ebenso als ausverkauft.

Dabei galten die Feiertage rund um das chinesische Neujahr eigentlich als Familienfest. Vor allem die Industrialisierung der vergangenen 20 Jahre gerade im Süden und Osten des Landes hatte dazu geführt, dass die meisten Großfamilien nicht mehr an einem Ort leben. Die Wanderarbeiterinnen und Wanderarbeiter sparten deswegen regelmäßig ihren gesamten Jahresurlaub an, um zum chinesischen Frühlingsfest dann für zwei, drei Wochen von ihrer Arbeit in den Städten nach Hause aufs Land zu fahren. Und da zudem oft ihre Kinder noch bei den Großeltern aufwuchsen, kündigten viele von ihnen vor dem Frühlingsfest komplett ihre Arbeit, um ein paar Wochen länger mit ihrem Nachwuchs verbringen zu können. Mehr als ein Drittel aller Chinesen verfuhren so. Bauherren und Unternehmer planten die lange Abwesenheit ihrer Arbeiter zu dieser Jahreszeit fest ein. Allen war klar: Das Frühlingsfest gilt der Familie.

Doch das ändert sich nun. Immer mehr Wanderarbeiter können ihre Kinder inzwischen das ganze Jahr über zu sich in die Städte holen. Und im Zuge der Urbanisierung wächst die städtische Mittelschicht. Damit verändert sich auch das Reiseverhalten. Mit steigendem Wohlstand, aber auch aufgrund der kleineren Familien im Zuge der Ein-Kind-Politik, steht für immer mehr Chinesen zum Frühlingsfest nicht mehr die Großfamilie im Mittelpunkt, sondern das Reisen in die Welt.

Schon sehen Experten das Ende der innerchinesischen Reisewelle während der chinesischen Neujahrsfeiertage. Das hätte durchaus seine guten Seiten: Die Ausweitung des Reisens auf die gesamte Welt würde den alljährlichen Wahn auf den chinesischen Bahnhöfen etwas abmildern. Touristenorte in aller Welt wiederum können sich nicht mehr nur über Weihnachten, den Osterfeiertagen und im Sommer über sprudelnde Einnahmen freuen, sondern erleben mit den reise- und konsumfreudigen Chinesen eine weitere Hauptreisezeit schon Anfang Februar.

Kategorien: Allgemein
Leser-Kommentare
  1. 1.

    “Milliarden Chinesen”,

    das war ein Schreck! Aber Sie meinten dann doch nur die Zahl der verkauften Fahrscheine.

    • 31. Januar 2013 um 19:28 Uhr
    • Varech
  2. 2.

    China ist die neue Monster des Konsums.
    Nun ist, wenn ein zentrales Planungssystem sollte gesunde Gewohnheiten zu generieren. Zumindest, zu erziehen, was ist der Stromverbrauch, bei der Definition einer Notwendigkeit.Der Bedarf ist Relativbewegung. Wir haben das Vergnügen des Reisens auferlegt, wenn nur sinnliche Erfahrungen. Wissen über andere Kulturen ist durch die elektronische Kommunikation möglich. In diesem Sinne ist das Internet verwendet wird, um das System Haushalt zu verringern. Es gibt Gründe, zu fliegen? Im Allgemeinen ist es just for fun. Man braucht ein Auto?Sie transportieren kann automatische hohe Effizienz, die sehr günstige Bedingungen für den Planeten hat. Die Akzeptanz der westlichen Standards des Tierschutzes zog rasch auf die finale Krise von Energie und Umweltverschmutzung.
    http://viviendoenlarealidadconcreta.blogspot.com/2012/03/razones-validas-para-usar-vuelos.html

    http://viviendoenlarealidadconcreta.blogspot.com.ar/2012/11/la-necesidad-de-movimientothe-movement.html

    http://viviendoenlarealidadconcreta.blogspot.com/2011/12/transporte-terrestre-futuristatransport.html

  3. 3.

    Un balticsea94 ist das neue Monster der Forumsdiskussion…

    Sie wissen nicht so richtig viel über China und die Chinesen, oder?

    Chinese New Year hat dort einen ähnlichen Status wie Weihnachten im christichen Abendlande – ähnlich, aber viel, viel stärker!

    Zu Chinese New Year muss der Chinese nach Hause.

    Und wenn man, wie viele Menschen in diesem Land, räumlich getrennt von seiner Familie lebt, weil man woanders arbeitet oder zur Schule geht, dann muss man sich in die Warteschlangen an den Bahnhöfen und Flughäfen einreihen.

  4. Kommentar zum Thema

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