Felix Lee über Roten Kapitalismus und chinesische Online-Phänomene

China überholt die Euro-Zone

Von 22. März 2013 um 15:33 Uhr

Schon 2011 wagte der Internationale Währungsfonds die Prognose, China könne bereits 2016 die USA als größte Wirtschaftsnation der Welt ablösen. Damals waren es vor allem chinesische Volkswirte, die die IWF-Berechnungen in Zweifel zogen. “Gegenüber dieser ‘Schmeichelei’ der internationalen Gemeinschaft muss China kühlen Kopf bewahren”, sagte etwa Chen Fengying von der Tsinghua Universität.

Der Wissenschaftler lehnte den Spitzentitel für sein Land mit der Begründung ab, die internationalen Ökonomen hätten bei dem Vergleich die Kaufkraftparität zu Grunde gelegt und nicht den tatsächlichen Wechselkurs. Die Kaufkraftparität versucht, unabhängig vom täglichen Wechselkurs den Wert des Geldes beim Kauf von Waren zu vergleichen. In der Tat wird sie von Ökonomen zuweilen etwas willkürlich festgelegt. Dennoch ergibt die preisbereinigte Berechnung beim Vergleich von Ländern mit unterschiedlichen Währungssystemen sehr viel mehr Sinn.

Die Industrieländerorganisation OECD kommt nun erneut zu dieser Einschätzung, dass China 2016 die Vereinigten Staaten als größte Volkswirtschaft der Welt überholt haben werde. Die Euro-Zone habe man sogar bereits hinter sich gelassen, sagte OECD-Generalsekretär Angel Gurría am Freitag in Peking.

Während Europa und Japan auch in den nächsten Jahren weitgehend stagnieren würden und die US-Wirtschaft vielleicht um zwei bis drei Prozent wachsen werde, entwickele sich China “unaufhaltsam weiter”, urteilt Gurría. “Es sieht halt derzeit einfach nicht gut aus für die alten Industrieländer.” Auch die OECD bezieht sich bei ihrem Ländervergleich auf die Wirtschaftsleistung nach Kaufkraftparität.

Tatsächlich nimmt es sich gar nicht mehr viel, welche Berechnungsgrundlage angewandt wird.

Die chinesische Wirtschaftsleistung, das Bruttoinlandsprodukt (BIP), lag im vergangenen Jahr bei 52 Billionen Yuan. Das sind umgerechnet derzeit 6,5 Billionen Euro. Das BIP der Euro-Zone betrug 12,8 Billionen Euro. Da der Kaufkraftparität zufolge zum Beispiel ein Apfel in China derzeit etwa die Hälfte von dem eines Apfels in der Euro-Zone kostet, liegt das chinesische BIP preisbereinigt bei 13 Billionen Euro. Nach dieser Berechnung hat China den Euro-Raum überholt, und in vier Jahren werden dann die USA an der Reihe sein.

Doch selbst wenn man den aktuellen Wechselkurs für den Vergleich zugrunde legt, ist China auf dem besten Weg zum Spitzenreiter. Nach dem derzeitigen Wert dürfte sich Chinas BIP im Jahr 2016 auf rund 12 Billionen US-Dollar belaufen, gegenüber den prognostizierten 17 Billionen des US-amerikanischen BIP. Spätestens 2020 wird China auch nach laufenden Wechselkursen die USA überholt haben.

Dieses Mal greift der OECD-Generalsekretär die chinesische Kritik von damals auch gleich auf. Ob die Berechnung der Wirtschaftsleistung nach Kaufkraftparität oder nach aktuellen Wechselkursen erfolge, spiele “für die historische Bedeutung des Ereignisses keine große Rolle”, sagte Gurría. So oder so werde China bis zum Ende des Jahrzehnts an der Spitze des Rankings stehen. Auf ein oder zwei Jahre komme es dann auch nicht mehr an.

Kategorien: Allgemein
Leser-Kommentare
  1. 1.

    … ist ja auch kein Wunder, wenn augenscheinlich alle Konsumgüter dort für billig Geld produziert werden. Es wird endlich Zeit, dass die EU saftige Einfuhrzölle, -pardon CO2-Ausgleichszoelle, für Produkte “Made in China” erhebt.

  2. 2.

    Das mag vielleich Aufgrund der Fakten so sein, aber innerlich, also was das Gleichgewicht zwischen Arm und Reich sowie viele andere verschiedene Faktoren ( Umweltschutz, Nachhaltigkeit etc) angeht, ist China noch sehr sehr weit hinten und ich persöhnlich sehe da ein riesiges problem für die Zukunft, denn die Chinesen sind nicht nur ein paar Millionen ;)

    • 22. März 2013 um 20:53 Uhr
    • BadLuck
  3. 3.

    Die Eurozone ist eine Zone der Fußkranken, die es sich bis zum Beginn der Krise und teils darüber hinaus unter dem Euro recht bequem eingerichtet haben und nun den wenigen Wettbewerbsstarken Euromitgliedern die Kraft aussaugen. Daran wird sich wohl leider nichts mehr ändern. Die Starken werden weiter geschwächt werden, ohne dass die Schwachen gegenüber den Wettbewerbern von außerhalb der Eurozone, wie insbesondere China, unter dem Euro jemals stärker werden könnten. Dafür werden womöglich alle unter dem Euro gleicher werden. Das allein ist es nämlich, worum es politisch geht.

    • 22. März 2013 um 21:02 Uhr
    • alterego
  4. 4.

    War ich erschrocken!

    habe doch glatt gelesen: China verlässt die Eurozone!

    Gottseidank ist das nicht der Fall! China ist bestimmt systemrelevant und im Ernstfall nicht zu retten.

  5. 5.

    Ich muss immer lachen, wenn ich solche Zahlen lese. Ich habe noch in den Ohren, was vor ca. 25 Jahren über Japan gesagt wurde, Spanien und Irland sind ja bekanntermaßen auch europäische Tigerstaaten. Eines muss man wissen, Chinas Wachstum ist export- und nicht binnenkonsumgetrieben. Wenn die EU, Japan und die USA stagnieren und der Rest der Welt nicht das Geld hat, chinesische Produkte zu kaufen, was sollen sie dann damit machen? Ins Meer kippen, verschenken oder verbrennen? Das zweite Problem dürfte die Alterung der Bevölkerung sein, verschärft durch die Ein-Kind-Politik. Die Produktivität pro Kopf müsste radikal zulegen, wenn man das Tempo durchalten will.

    • 22. März 2013 um 21:40 Uhr
    • Thomas
  6. 6.

    Wie sagt mein Freund seit Jahren? Die Chinesen werden üernehmen. “Spätrömische Dekadenz” richtig bezogen, Herr Westerwelle.

    • 22. März 2013 um 22:36 Uhr
    • drohne
  7. 7.

    In Anbetracht der Tatsache, daß in China ~1,3 Milliarden Menschen leben und arbeiten während selbst die EU nur auf ‘ne knappe halbe Milliarde kommt, nicht weiter beunruhigend oder überraschend.

    • 23. März 2013 um 00:06 Uhr
    • astrogator
  8. 8.

    Oh je, wenn das man gut geht. China überholt die Euro-Zone und die ist gerade auf dem Weg zum Abgrund!

    • 23. März 2013 um 00:29 Uhr
    • kayvee
  9. Kommentar zum Thema

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