Felix Lee über Roten Kapitalismus und chinesische Online-Phänomene

Droht ein Handelskrieg mit China?

Von 10. Mai 2013 um 13:38 Uhr

Die Reaktion kam prompt. Nur zwei Tage nachdem die EU-Kommission den Strafzoll von bis zu 68 Prozent auf chinesische Solarprodukte beschlossen hat, scheint China nun zurückzuschlagen. Chinas Handelsministerium kündigte am Freitag an, es werde die Preise von Rohren ohne Schweißnähte aus den USA, der EU und Japan überprüfen. Die Teile werden vor allem in Heißwasserspeichern und Dampfleitungen von Kraftwerken verwendet. Dem chinesischen Handelsministerium liegt nach eigenem Bekunden eine Beschwerde eines chinesischen Unternehmens vor, das sich über Preisdumping beklagt.

Offiziell bestreitet das Handelsministerium einen unmittelbaren Zusammenhang zur jüngsten Strafaktion der EU-Kommission. Und doch ist der Zeitpunkt alles andere als ein Zufall – zumal der Sprecher des chinesischen Handelsministeriums erst am Donnerstag vor einem Handelskrieg warnte. “Wir hoffen, dass die EU noch zu einer umsichtigen Entscheidung findet”, sagt er. Und auch Chinas Botschafter bei der Welthandelsorganisation, Yi Xiaozhun, der momentan bei der WTO-Jahrestagung in Genf weilt, bedauerte das Vorgehen der EU-Kommission. Es sende ein “Signal für wachsenden Protektionismus” aus. Droht nun zwischen Europa und China wegen der Solarmodule ein regelrechter Handelskrieg?

Davon ist nicht auszugehen. Die Strafzölle auf chinesische Solarmodule sind zwar für die Hersteller ärgerlich. Auch empfindet man das Vorgehen in China als ungerecht. Schließlich hat auch die europäische Solarindustrie jahrelang von Subventionen profitiert. Chinas Führung will Solarmodule für jeden erschwinglich machen – vor allem im eigenen Land. Angesichts des von Kohlekraftwerken verursachten Smogs sehnen sich auch die Chinesen nach der Energiewende.

Auf einen umfassenden Handelskrieg aber wird es die größte Export- und Handelsnation der Welt nicht ankommen lassen. Dafür ist Chinas Wirtschaft zu sehr auf den Welthandel angewiesen. Die Ankündigung einer Anti-Dumping-Untersuchung gegen Rohre ohne Schweißnähte ist auch keine unmittelbare Antwort auf den Solarstreit. Es geht dabei um einen Streit, der seit geraumer Zeit geführt wird. Die USA, Japan, Australien und Mexiko werfen ihrerseits China vor, Rohre unter dem Marktpreis zu verkaufen.

Handelsstreitigkeiten im Rahmen der Welthandelsorganisation sind ebenfalls ein völlig normaler Vorgang unter den Mitgliedsstaaten. China steht dabei keineswegs allein am Pranger. So sieht sich die Volksrepublik nach Angaben der Welthandelsorganisation derzeit 30 Klagen ausgesetzt, sie selbst klagt in 12 Fällen. Die EU wiederum klagt in 87 Fällen und hat 73 Klagen gegen sich. Spitzenreiter sowohl als Kläger als auch als Angeklagter: die USA. Sie treten derzeit in 105 Fällen als Kläger auf, müssen sich jedoch in 119 Fällen Klagen anhören.

Kategorien: Allgemein
Leser-Kommentare
  1. 1.

    Es mutet wirklich wie ein schlechter Witz an, zur Rettung dieser Subventionsvernichter a la Asbeck und Konsorten nun mit China einen Handelskonflikt zu beginnen.

    • 10. Mai 2013 um 16:14 Uhr
    • bierus
  2. 2.

    Ich komme aus der Logistikbranche und Anti-Dumping-Zölle auf Erzeugnisse mit asiatischem Ursprung sind nichts Außergewöhnliches. Eher im Gegenteil. Der Zeitpunkt der Erhebung ist zwar… sagen wir mal “ungewöhnlich” aber im Grunde auch kein Grund gleich von einem “Wirtschafts- oder Handelskrieg” zu sprechen.

    Ich denke das die Staaten rund um den Globus ihre eigenen Produzenten vor billiger Konkurrenz aus dem Ausland schützen wollen ist auch in einem gewissen Umfang vollkommen richtig.

    Warum sollte man China nicht das zugestehen was allen anderen auch zusteht? Als würden die EU oder die USA nicht genauso ihre Zollbehörden dafür einsetzen ihre nationalen Märkte zu schützen oder dem Handelspartner einen auszuwischen.

    Solange sich das alles in einem gesunden Rahmen bewegt sehe ich da keinen Grund zur Besorgnis. Inzwischen haben sich (fast) alle Staaten in einen gegenseitige Abhängigkeit begeben und so schnell tanzt da keiner aus der Reihe. Willkommen in der globalisierten Welt :-)

    • 10. Mai 2013 um 16:22 Uhr
    • deDude
  3. 3.

    wenn China seine eigene Industrie regelwidrig gegenüber der ausländischen Konkurrenz bevorteilt, natürlich kommen dann irgendwann Strafzölle…

    wenn sich China nun aber als “beleidigte Leberwurst” aufführt, dann muss man das aushalten… – im Zweifel zusammen mit den USA

    gerade in der Solarindustrie ist doch der Verweis “Schließlich hat auch die europäische Solarindustrie jahrelang von Subventionen profitiert.” lächerlich

  4. 4.

    Da es in der jüngeren Vergangenheit einige Kampagnen gegen westliche Automobilfirmen gegeben hat, wird China vielleicht die Einfuhrzölle auf unsere Mercedes und BMWs erhöhen. Damit haben unsere Grünen wieder zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen: ihre eigenen Lobbisten werden weiterhin staatlich gemästet und es werden weniger deutsche Autos produziert.

    Industriepolitik wieder einmal von Ahnungslose für Ahnungslose.

    • 10. Mai 2013 um 17:22 Uhr
    • FrankyX
  5. 5.

    @ Spasmagnet

    Chinesischer markt 1300 miliionen.

    Europaeischer Markt und US Markt 750 million.

    Wenn es um Geschaefte machen geht da merkt man schon 550 millionen mehr

    im anderen Markt.

    Chinas Wirtschaft waechst , Die Europaesche Wirtschaft stagniert und die Wirtschaft der US geht es nicht viel besser.

    Es ist bloede in so einer Zeit eien Handelskonflikt anfangen.

  6. 6.

    Öhemm, dadurch, dass China seine Währung künstlich niedrig hält, haben wir schon seit Jahren einen “Handelskrieg”.

    In Deutschland machen wir zwar ähnliches, indem wir uns marode Wirtschaften wie Griechenland in den Euro holen, im Gegenzug zu den Asiaten parken wir die Überschüsse aber in Target2-Salden und gehen davon nicht auf globale Einkaufstour.

    Wenn wir in ein paar Dekaden die Werkbank Chinas sind, können wir den Spieß aber umdrehen…

  7. 7.

    @caledonia – wenn sie das nach Einwohnern betrachten natürlich
    & die Dynamik ist in China natürlich unvergleichlich – ergo sehr viel attraktiver

    jedoch a) absolut ist die Wirtschaftskraft (noch) nicht verlgeichbar mit Europa
    b) hat es China in diesem Punkt nicht nur mit Europa zu tun sondern auch mit den USA
    (& letztlich mit der WTO)

    China wird imemr stärker – sich wegzuducken hilft niemandem

    ansonsten findet sowas ja aber auch immer wieder statt – immer mal wieder auch zwischen den SUA & Europa… letztlich nichts besonderes, am Ende findet man eine Lösung.

  8. 8.

    EIN BEISSPIEL WORAUF DIE EUROPÄISCHEN LÄNDER NACHDENKEN MÜSSEN .
    Denn wenn sie die Länder einzeln nach ihren Zahlen bewerten , aber gleichtzeitig ihnen die Regionalen Industrie und Kaufkraft wegnehmen , dann müssen sie sich nicht wundern dass auch mit den Zahlen nicht mehr klappt .
    Deshalb , entweder werden Zölle und Währung reseptiert , oder muss man eine Transferunion akzeptieren , die Maastrichter Kriterien können dann in die Tonne geworfen werden .

  9. Kommentar zum Thema

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