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Chinas Internethandel bricht alle Rekorde

 

Der Bote sprintet die Treppe sechs Stockwerke hoch. Kein Aufzug? Kein Problem. Hauptsache, das Päckchen ist schnell beim Kunden. Freundlich ist er in den meisten Fällen auch: „Hallo, sind Sie gerade zu Hause?“, ruft er durch den Flur.

Willkommen im Land der schnellen und engagierten Servicekräfte.

267 Paket-Lieferdienste konkurrieren in Peking um Kunden und Warenpakete, die die Chinesen im Netz auf Taobao, Tmall, Dangdang, Amazon und anderen Shoppingseiten bestellen. Der Markt wächst: Immer seltener machen sich die Konsumenten die Mühe, schwere Tüten nach Hause zu schleppen. Sie bestellen lieber online und lassen sich die Ware bringen.

Die Autoren einer Studie der Beratungsfirma Bain & Company kommen zu dem Schluss, dass der Internethandel in China bereits Ende 2013 mehr Umsatz erwirtschaften wird als in den USA. Dort gibt es bisher den größten Markt der Welt. Im vergangenen Jahr wurden in China Waren im Wert von 212 Milliarden Dollar über das Internet bestellt. In den USA waren es zu diesem Zeitpunkt mit 228 Milliarden Dollar nur unwesentlich mehr. Entscheidend ist der Trend: In den USA wächst der Online-Handel um 13 Prozent, in China um 70 Prozent. Mehr als die Hälfte der 1,3 Milliarden Chinesen hat inzwischen Internetzugang. Immerhin 80 Prozent von Ihnen gehen über Smartphones und Tablet-PCs ins Netz.

Diese Entwicklung wirkt sich auch auf das Kaufverhalten der Chinesen aus. Gerade die Generation zwischen 20 und 30 bestellt regelmäßig bei Anbietern wie Taobao oder 360-buy Jindong. Passt der bestellte Rock oder das Hemd nicht, kann die Ware wieder zurückgeschickt werden. Viele bestellen ein Kleidungsstück, ziehen es ein- oder zweimal an und schicken das Produkte dann wieder zurück.

Chinas Einzelhandel leidet unter dieser Entwicklung. An Kundschaft mangelt es in vielen Geschäften zwar nicht. Gekauft wird aber nur noch wenig. Viele probieren die Stücke an, hängen sie zurück und geben die Bestellung über ihr Smartphone online auf.

Die meisten Handelsketten sind deshalb längst ins Online-Geschäft eingestiegen. Haier, der inzwischen größte Hersteller von Kühlschränken und Waschmaschinen in China, hat seinen Online-Umsatz im ersten Halbjahr im Vergleich zum Vorjahr um fast 500 Prozent gesteigert. Auch andere Unternehmen verzeichnen solche Zuwachsraten.

Chinas meist genutzte Online-Einkaufsplattform Taobao zählt bereits zu den zehn am häufigsten aufgerufenen Webseiten der Welt. Und dieser Trend wird weitergehen: Das Mutterunternehmen Alibaba geht davon aus, dass innerhalb der nächsten zehn Jahre die Hälfte des Konsums in China über das Internet abgewickelt wird. Es gibt also noch viele Möglichkeiten für Wachstum. Derzeit beträgt der Anteil gerade einmal sechs Prozent.

4 Kommentare


  1. Haier ist der größte Hersteller von Kühlgeräte und Waschmaschinen – die armen Chinesen :D


  2. Na ja, ist ja auch nicht wirklich verwunderlich.

    Bei ~ 1 Milliarde mehr Einwohner sollte es nicht schwer sein etwas mehr als die anderen zu bestellen.


  3. nicht nur ein Problem in China. Bei uns passiert das genau so. Leute lassen sich im Geschäft um die Ecke beraten und bestellen dann im Netz. Ergebniss,das Geschäft um die Ecke wird es bald in vielen Branchen nicht mehr geben,..,dann ist das Geschrei laut…


  4. Dann muss das Geschäft um die Ecke sich neu erfinden – wenn ein Bedarf danach existiert wird es schon nicht gänzlich verschwinden.
    Das Problem ist leider, dass das Geschäft um die Ecke oft weniger Know-How aufweist als YouTube oder Amazon. Big Data lässt grüßen – viele machen mit.

    Darüber hinaus: wenn man die Preise im Einzelhandel sieht hinterfragt man teilweise schon seine Religion – 379 Euro im Einzelhandel, 227 im Internet (konkret ein Braun-Rasierer). Für 160 Euro müsste mich der Einzelhandel dann aber schon 5-6 Stunden beraten damit es sich für mich lohnt.