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USA und China werben für ihre Freihandelszonen

 

Wie gerne wäre Barack Obama wohl gerade auf Bali, dem Urlaubsparadies im Indischen Ozean. Dort geht heute der APEC-Gipfel zu Ende, das Treffen der 21 Pazifikanrainerstaaten. Doch wegen der Haushaltskrise in den USA hat Obama seine Teilnahme an dem Treffen abgesagt.

Das hat vor allem den Chinesen Freude bereitet. Denn ein wichtiges Thema ist die Transpazifische Partnerschaftsvereinbarung (TPP). Die TPP ist ein Projekt für eine riesige Freihandelszone in der Region, die vor allem von den USA vorangetrieben wird. Laut bislang geheimen Dokumenten könnten gleich zwölf Staaten eine wirtschaftliche Zusammenarbeit vereinbaren und Handelsschranken abbauen, darunter Japan, Malaysia, Südkorea, Vietnam, aber auch Mexiko und Australien. Gemeinsam erwirtschaften sie 23 Billionen US-Dollar im Jahr, machen 40 Prozent des Welthandels aus und zählen knapp 800 Millionen Einwohner. Nur ein wichtiger Akteur dieser Region soll dem TPP außen vorbleiben: China.

Zwar diskutiert auch Peking mit den möglichen TPP-Staaten derzeit über eine Aufnahme. Doch das ist Augenwischerei. Denn tatsächlich wendet sich die TPP gegen die Volksrepublik. China selbst hat das längst erkannt. Die amtliche Nachrichtenagentur wettert regelmäßig gegen das Projekt. Als Gegenveranstaltung bewirbt China die „Regionale Umfassende Partnerschaftsvereinbarung“ (RCEP). Sie umfasst ebenfalls die meisten Länder Asiens plus die Pazifikstaaten Australien und Neuseeland, insgesamt könnten 16 Länder mitmachen. Und: Die USA sind natürlich nicht dabei.

Auf Seiten Chinas oder der USA?

Die Pazifikstaaten müssen sich nun entscheiden. Einigen ist Pekings wachsende Dominanz in der Region zunehmend unheimlich. Sie befürchten, von China wirtschaftlich und auch politisch erdrückt zu werden. Lieber retten sie sich in die Arme der USA, Chinas größtem Rivalen. Der Inselstaat Japan tut sich etwa generell schwer mit Freihandel. Doch die Angst vor China ist größer. Japan unterstützt die TPP.

Indonesien dagegen schlägt sich auf die Seite Chinas – und wurde prompt dafür auf dem APEC-Gipfel belohnt. Chinas Präsident Xi Jinping gewährte Indonesien eine spezielle Partnerschaft.

Südkorea mit seinen Hyundais, Samsungs und anderen Exportschlagern wäre einer der größten Profiteure der TPP. Aber auch ärmeren Ländern würde das Abkommen nützen. Das Peterson Institute for International Economics hat errechnet, dass die TPP die Wirtschaftsleistung in Malaysia bis 2025 um 6,1 Prozent anheben würde. Für Vietnam läge der Wert sogar bei über 13 Prozent. Das ist durchaus realistisch. Der Beitritt zur Welthandelsorganisation im Jahr 2001 hatte auch China zu einem enormen Schub verholfen und Millionen von Menschen aus der Armut geholt.

Auf den ersten Blick mag es überraschen, dass die USA sich auf die Verhandlungen überhaupt einlassen. Die USA sind ein Nettoimporteur und werden vor allem aus Asien mit Produkten überschwemmt. In Zeiten eines enormen Handelsdefizits könnte man auch erwarten, dass Amerika sich abschottet und eine protektionistische Handelspolitik verfolgt. Auch wenn Unternehmer und Investoren Freihandel lieben, weil sie vom Wegfall von Zöllen profitieren: Der US-Bürger hat in der Regel nur wenig davon. Im Gegenteil: Noch mehr Arbeitsplätze könnten in billigere Schwellenländer verlagert werden.

Doch die geopolitischen Interessen der US-Regierung überwiegen. Und sie lauten: China in Schach zu halten.

7 Kommentare

  1.   Timo Bremer

    Die USA oder der normale US-Bürger würde bei einem Freihandelsabkommen eher verlieren? Das ist doch Schwachsinn. Die Streben dieses und das mit Europa doch an gerade um ihre Wirtschaft wieder auf Touren zu bringen. Nach Heckscher-Ohlin ist jeder freie Handel für beide Seiten profitabel. Den Nutzen den die amerikanischen Verbraucher daraus ziehen den ganzen Mist den sie aus Asien kaufen jetzt noch günstiger zu bekommen, übersteigt die drei Arbeitsplätze bei weitem. Und langfristig gesehen, da das mit dem Nettoimport ja per Definition eine kurzfristige Sache ist, tut es auch dem amerikanischen Arbeitsmarkt gut.


  2. Na, das mit dem Freihandel würde für den Europäer aber ausschließlich Nachteile bringen und nur den Großkonzernen war bringen, die dann hier in Europa genauso umwelt- und menschenfeindlich agieren könnten wie in den USA. Ich empfehle hierzu mal die Nachdenkseiten.

    Amerika hat nichts zu exportieren. Kleidung, Computer etc. lassen sie alles in Asien herstellen. Da können die Europäer gleich den direkten Weg nehmen.

    Die Nahrungsmittel, die bis zur Unkenntlichkeit verändert haben, würden hier die wenigsten essen wollen.

    Das einzige, was stimmt: wenn es den Freihandel gibt, tut das den Amerikanern gut.


  3. Die USA sind total überdehnt, deshalb werden sie am Ende den kürzeren ziehen. Man ist immer noch im Nahen Osten engagiert und wird dort auch nicht so schnell raus kommen. Die Amis haben wirtschaftlich nicht mehr viel zu bieten und müssen zur Kontrolle der Märkte auf politischen Druck, Gewalt und Spionage setzen, statt Partnerschaft wird Aubeutung betrieben. Das gefällt natürlich niemandem.
    Südamerika und Südostasien sind während der langjährigen Fokussierung auf den War on Terror still und heimlich zu eigenständigen Akteuren geworden, aber die Greuel hat man nicht vergessen, und dass man jahrzehntelang bevormundet und über den Tisch gezogen wurde. Jetzt rennt man dem Versäumten hinterher und lässt sich mit lächerlichen Südseekleidern ablichten, um Zusammengehörigkeit zu suggerieren.


  4. Vielleicht sollte sich der Verfasser mal mit dem Thema Freihandels beschaeftigen bevor er Artikel schreibt (das alle von Freihandel profitieren).
    Auch sind wohl kaum noch Jobs von Verlagerung betroffen. Die meisten die man verlagern kann sind naemlich schon in Asien.


  5. Wenn der Elefant mit dem Tiger kämpft wird viel Gras zertrampelt.

    Darum werden asiatische Kleinstaaten schön darauf achten den USA und China keinen Grund zum Streit zu geben und von beiden Seiten maximales abverlangen.

    Langfristig verlieren kann nur die USA und die Wahrscheinlichkeit ist recht hoch, dass sie im chinesischen Meer baden geht.


  6. „Japan, Malaysia, Südkorea, Vietnam, aber auch Mexiko und Australien. Gemeinsam erwirtschaften sie 23 Billionen US-Dollar im Jahr, machen 40 Prozent des Welthandels aus und zählen knapp 800 Millionen Einwohner.“

    Das ist doch Nonsens. Sowohl dass diese Länder zusammen 800 Millionen Einwohner haben als auch, dass sie 40% des Welthandels ausmachen.


  7. Ich möchte gerne das Verbot der Einfuhr von diversen Samsung-Devices in die USA ansprechen, dass die US-Handelskommission beschlossen hat – zugunsten des Apple-Konzerns erwähnen. Protektionismus ist nicht vereinbar mit Freihandel. Ich persönlich würde den einzelnen Staaten des TPP raten da ganz schnell auszusteigen: NAFTA zeigt das die USA die dominierenden Binnenmärkte von Freihandelstaaten mit ihren Produkten überrennen, vor allem in der Nahrungsmittelindustrie. In Mexico geht die Vielfalt der Planzen immer mehr zurück und Monokulturen mit negativen Folgen dominieren. Die lokale Agrarwirtschaft, welche in Mexico keine staatliche erhält, wurde von US-subventioniertem Mais zerstört. Gleichzeitig erschweren die USA durch Preisdumping den erfolgreichen Zugang für mexikanisches Mais in den US-Markt.

    Freinhandelsimperien sind mir suspekt, da sie die kleinen nicht respektieren und der Große dominiert.