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Wie China Hollywood die Drehbücher diktiert

 
Schauspielerin Li Bingbing © Andreas Rentz/Getty Images for Paramount Pictures
Schauspielerin Li Bingbing © Andreas Rentz/Getty Images for Paramount Pictures

Transformer 4 – Ära des Untergangs ist der bislang erfolgreichste Hollywoodfilm in China: Allein am Startwochenende spielte er 90 Millionen Dollar ein. Nun, drei Wochen später, sind es sogar fast 300 Millionen Dollar. Die Strategie der Paramount Studios, in dem Film gezielt das chinesische Publikum anzusprechen, ist aufgegangen. Und die der chinesischen Führung ebenfalls.

Wie schon in den drei ersten Teilen geht es auch in Transformer 4 um Kampfroboter, die sich in Autos und LKWs verwandeln können. Dieses Mal erweckt ein Mechaniker, gespielt von Mark Wahlberg, einen dieser Kampfroboter. Paramount hat diesen Film in China mit großem Aufwand beworben. Das Marketing hat mit gezieltem product placement chinesischer Produkte das chinesische Publikum im Visier. Zudem spielt die gesamte zweite Hälfte des Films in China.

Zwar beteuert Paramount, der Ortswechsel von Texas und Chicago nach Peking, Guangzhou und Hongkong habe bereits im Drehbuch gestanden, bevor feststand, dass der chinesische Kinomarkt im Fokus stehen würde. Doch eine Szene legt den Verdacht nahe, dass Chinas Propaganda-Abteilung auch Einfluss genommen hat. „Die Zentralregierung wird Hongkong um jeden Preis retten“, heißt es völlig unvermittelt in einer Einblendung, die für den Handlungsverlauf in keiner Weise relevant ist.

China ist nach den USA weltweit der zweitgrößte Kinomarkt. Doch Hollywood sind enge Grenzen gesetzt. Nicht mehr als 34 ausländische Filme im Jahr sind in chinesischen Kinos zugelassen. Zudem dürfen ausländische Filmunternehmen maximal ein Viertel der Erlöse aus Eintrittspreisen behalten. Im anderen Ländern ist es etwa die Hälfte. Zudem werden die Filme fürs Kino erheblich zensiert. Häufig sind die 120 Minuten im Original auf mickrige 80 oder 90 Minuten zusammengestutzt. Das schränkt den Kinogenuss ganz erheblich ein.

Film- und Imageförderung

Die Einflussnahme hat zwei Gründe. Sicher, es geht auch um die Zensur politisch unliebsamer Inhalte. Aber China will vor allem auch die heimische Filmwirtschaft stärken und beschränkt daher den Zugang für ausländische Produzenten. Allerdings sind original chinesische Filme ohnehin im Kommen. Schließlich werden sie technisch immer raffinierter. Im ersten Quartal 2014 spielten sie nach Angaben der staatlichen Medienbehörde bereits 56 Prozent der Kinoerlöse ein, ein Plus von sieben Prozentpunkten im Vergleich zu 2012.

Der zweite Grund: Peking ist bemüht, Chinas mieses Image in der Welt zu verbessern. Ein Land wie die Volksrepublik brauche nicht nur politische und wirtschaftliche Macht, sondern auch kulturelle Anerkennung, so der Gedanke der chinesischen Führung. Von „Soft Power“ ist die Rede.

Allerdings geht die Strategie bislang kaum auf. Obwohl Pekings Kulturbehörden seit Jahren Milliarden in fremdsprachige Fernsehsender, Publikationen, Veranstaltungen und Konfuzius-Instituten investieren, gibt es kaum Dinge, die Chinas Ansehen im Ausland gesteigert haben – einmal abgesehen von der chinesischen Küche und Kung-Fu. Im Gegenteil: Obwohl sich die Konfuzius-Institute nach dem Vorbild der Goethe-Institute mit Sprachkursen und Kulturveranstaltungen – allein in Deutschland gibt es 14 – sehr intensiv um ein positiveres China-Bild bemühen, wird ihnen immer wieder Propaganda für die Kommunistische Partei vorgeworfen.

Wer kooperiert, macht mehr Gewinn

Hollywood hat daher in China nur eine Möglichkeit: Will es in China durchstarten, muss es kooperieren. Hollywood Studios wie Paramount gehen etwa Koproduktionen ein. Denn sobald sie mit chinesischen Filmfirmen zusammenarbeiten, unterliegen sie nicht mehr der Quote von 34 ausländischen Produktionen. Auch die Gewinnquote aus den Eintrittserlösen ist höher. Eine Koproduktion wird allerdings erst dann als solche anerkannt, wenn die chinesischen Behörden ihre Zustimmung zum Drehbuch erteilt haben, chinesische Darsteller gecastet werden und mindestens ein Hauptdarsteller Chinese ist.

Transformer 4 erfüllt all diese Kriterien. Mit Li Bingbing hat Paramount sogar eine sehr prominente Schauspielerin aus der Volksrepublik engagiert.

14 Kommentare

  1.   pomerius

    Und wo ist der Neuigkeitswert? Wenn US-Firmen Filme drehen, in denen das US-Militär vorkommt (also nicht nur thematisch, sondern all die schönen Flugzeuge, Schiffe und Raketen), dann wird das Drehbuch auch vorher vom Pentagon gelesen und zurechtgerückt.

  2.   andreas.a

    diktiert….. uuuuuuuhh… … „China diktiert“….. eeeeeecht? reaaaallly? oder Hollyshit will einfach mehr Geld machen? mehr mehr mehr. Und dafür reichen die hillybillies und rednecks „made in USA“ nicht aus…. die Chinesen müssen her…. und die Japaner usw und so forth

    再见!


  3. Dass Hollywood „Kommerz-Kacke“ geworden ist, ist seit mindestens 10 Jahren kein Geheimnis mehr. Produkte an den Markt anzupassen ist daher üblich. Trotzdem danke ich für den Artikel, denn er spricht es zeitgemäß nochmals aus.

  4.   mhpr262

    So läuft das also hinter den Kulissen ab? Kein Wunder, dass es seit Jahren keinen Film mehr gegeben hat, der mich wirlich beeindruckt hätte.

    Armselig.


  5. Es wird Hollywood kaum schaden, wenn sie sich zusätzlich anderen Interessen unterwerfen. Das ist man ja gewohnt. Die künstlerische Freiheit ist ohnehin stark begrenzt. Vielleicht gibt es mit chinesischer Propaganda sogar etwas mehr Abwechslung. Als Blaupause kann man direkt die US-Propaganda samt Selbstzensur nutzen.


  6. „Transformer 4 – Ära des Untergangs“ – nothing more to say


  7. „sehr intensiv um ein positiveres China-Bild bemühen, wird ihnen immer wieder Propaganda für die Kommunistische Partei vorgeworfen.“

    Naja vielleicht weil das ja irgendwie auch das Ziel ist und man von denen keinerlei kritische Auseinandersetzung mit der KP hört. ;P


  8. Eh, wer schaut einen Actionknaller um sich „kritisch mit der KP auseinanderzusetzen“. Das ist so wie die pikierten Restaurantkritiker die sich einen Cheeseburger holen und auf dem Porzellanteller mit Messer und Gabel mit hochgezogenen Augenbrauen sezieren und „verkosten“. You get what you paid for.


  9. Ehrlich? Hollywood passt seine Produkte dem Markt an? Wer hätte das gedacht! Davon hat man ja noch nie gehört.

  10.   Christian Tschümperlin

    In der Einleitung steht, der Film würde gezielt das chinesische Publikum ansprechen. Mit chinesischem Product Placement, chinesischen Drehorten und einer prominenten chinesischen Darstellerin? Eins verrate ich euch: Ein guter Marketingplan kann mehr als das! Bei einer solchen Einleitung erwarte ich mehr Substanz im Artikel: Wurde das Thema angepasst, die Botschaft, das Leitmotiv, die Bildersprache, die Soundeffekte, die Dramaturgie?