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Kluge Uhren, gebogene Displays

 

Auf dem Mobile World Congress in Barcelona haben Technologiekonzerne in dieser Woche zahlreiche Neuerungen gezeigt. Nicht alle sind spektakulär. Welche der vielen Neuerungen werden also Konzeption, Design und Programmierung von Webanwendungen und Apps nachhaltig beeinflussen? Fünf Erkenntnisse aus Barcelona:

1. Es gibt einen Smart-Watch Hype

Ja, es gibt ihn, den Hype um Wearables und Smart-Watches. Im Moment aber nur auf Herstellerseite. Alle großen Smartphone-Hersteller haben sich dem Thema noch ein Mal gewidmet und die nächste Generation von Modellen in Barcelona vorgestellt. Die Palette reicht dabei vom einfachen Fitnessband, über ein Smartband mit E-Ink Display hin zur Android-Wear-Uhr mit Amoled-Display. Viele der neuen Modelle orientieren sich an der runden Moto 360. Anders die Samsung Gear S, die durch ihr verhältnismäßig großes, gebogenes Hochkant-Display deutlich mehr Bedienelemente und Inhalte darstellen kann. Wer sich also mit der Entwicklung einer Android-Wear-App beschäftigt hat, beschäftigt oder beschäftigen will, wird seinen Geräte-Zoo erweitern müssen.

Der Grund für die neuerliche Geräteflut ist klar: Alle warten auf Apple. Falls es Apple gelingt, seine Uhr erfolgreich und in hohen Stückzahlen am Markt zu platzieren, wollen viele Hersteller dabei sein.

2. Mehr gebogene Displays bei Handys

LG hat für sein G Flex – wohl als Antwort auf das Apple “Bendgate” – eher Gesäßtaschenträger als Zielgruppe ausgemacht. Samsung biegt kurzerhand den Display-Rand seines neuen Galaxy S6 Edge. Für Webdesign und Entwicklung hat das Auswirkungen, falls sich diese Variante des Galaxy S6 gut verkauft. Man müsste generell mehr Weißraum am Rand der Inhalte einplanen oder diesen Geräten per Device-Erkennung eine andere Layoutvariante spendieren.

Sowohl das Samsung Edge als auch die vielen runden Smart-Watches verdeutlichen noch einmal das Problem des Bildercroppings. Wie bestimmt man die wesentlichen Informationen in einem Bild und schneidet es über verschiedene Plattformen und Technologien zu, ohne wichtige Informationen zu verlieren? Für responsives Webdesign gibt es Ansätze wie focal-point oder jquery-focuspoint – cross-platform ist dies aber noch eine Herausforderung.

3. Microsoft sollte man nicht unterschätzen

Die neue Generation von Lumia Modellen läuft seit Dezember nicht mehr unter Nokia, sondern unter dem Namen Microsoft. Sie sehen gut aus und fühlen sich auch so an. Auch die Betaversion von Windows 10 macht sowohl optisch als auch funktional einen sehr angenehmen Eindruck. Ob Microsoft damit den großen Abstand zu iOS und Android verringern kann, ist jedoch unklar.

4. Ubuntu und FirefoxOS mit neuer Hardware

Ubuntu für Telefone konnte man bisher auf Android-Geräten installieren. Auf dem Mobile World Congress hat Ubuntu nun das erste eigene Telefon vom spanischen Hersteller BQ vorgestellt. Eher im Niedrigpreissegment angesiedelt, richtet es sich zunächst an Linux-Fans und kommt natürlich mit einer Konsole. Ein höherwertiges Gerät von Meizu wird bald in Asien erhältlich sein.

Neue Hardware gab es auch am Messestand von Firefox. Noch vor knapp zwei Jahren floppte die Markteinführung des Firefox-Phones in Europa, weil die Nutzer sich an hochwertige Geräte gewöhnt hatten. Trotzdem setzt Mozilla weiter auf günstige Hardware und Webstandards. Alle Apps in FirefoxOS können einfach mit HTML, CSS und JavaScript entwickelt werden. Bereits im vergangenen Sommer war es Mozilla gelungen, ein Handy für 25 US-Dollar auf den Markt zu bringen. Das ist insofern bemerkenswert als ein niedriger Preis eines Handys mehr Menschen Zugang zum Internet verschafft.

5. Der nächste große Schritt ist die nächste Milliarde Nutzer

Zugang zum Internet für alle Menschen, das war ohnehin eines der dominierenden Themen. Google und Facebook werden sich hier weiter engagieren. Sowohl Sundar Pichai von Google als auch Mark Zuckerberg kündigten an, Project Loon (Internetballons von Google) und internet.org (Kostenloses Basis-Internet von Facebook) weiter zu forcieren. Für Konzept, Design, Web- und App-Entwicklung mit globalem Scope bedeutet das natürlich: Einfacher ist immer besser – besonders auf ökonomischer Hardware und bei geringen Bandbreiten.

Michael Schultheiß ist Leiter der Entwicklungsredaktion bei ZEIT ONLINE.

2 Kommentare

  1.   Alexander Lorenz

    Eine Smartwatch gegen meine jetzige Uhr zu tauschen, dass kann ich mir im Moment nur schwer vorstellen. Aber vielleicht können mich die kommenden Uhren Generationen von sich überzeugen.

  2.   Peter

    erst wenn dann der content auf anzeigegrößeniveau eingedampft und trotzdem bezahlt wird sind alle happy
    die richtung bei den onlineausgaben der presse jedenfalls stimmt schon mal