‹ Alle Einträge

Fahrräder fallen unters Dienstwagenprivileg

 
© Leaserad

Die Finanzminister der Länder haben entschieden: Das Dienstwagenprivileg gilt ab sofort auch für Fahrräder, Pedelecs und E-Bikes. Für Anbieter von Fahrradflotten ist das ein Durchbruch.

Seit Jahrzehnten subventioniert der Staat Dienstwagen. Für jedes Fahrzeug im Fuhrpark kann der Arbeitgeber den Kredit oder die Leasingrate steuerlich absetzen. Nutzen Mitarbeiter den Dienstwagen regelmäßig für private Zwecke, müssen sie lediglich ein Prozent des Listenpreises monatlich versteuern. Das ist ein großer Markt. Laut Kraftfahrtbundesamt waren fast 60 Prozent der in 2011 neu zugelassenen Pkws gewerblich.

Ulrich Prediger und Holger Tumat wollten dieses Modell auch auf ihre Fahrzeugflotte übertragen. Die Geschäftsführer von Leaserad vermieten Fahrradflotten mit und ohne Motor an Unternehmen – ZEIT ONLINE berichtete. Aber bislang stießen Prediger und Tumat stets auf Hindernisse. Das Wirtschafts- und das Finanzministerium lehnten ab, und im Sommer scheiterte eine Gesetzesinitiative im Bundesrat.

Jetzt haben die Finanzminister der Länder beschlossen, Fahrräder und Elektrofahrräder wie Dienstwagen zu behandeln. Stellt der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer ein Dienstrad zur Verfügung, muss dieser ein Prozent des Listenpreises monatlich versteuern. Der genaue Wortlaut des Beschlusses steht hier. Der Erlass gilt rückwirkend für das Jahr 2012.

14 Kommentare

  1.   rt

    Ein interessanter Hinweis, danke!
    Ich bin bei einem kommunalen Unternehmen in der Dienstleistungssparte beschäftigt.
    Viele Außendiensttermine lassen sich dort ohne weiteres mit dem Rad abdecken.
    Vielleicht ist die Anschaffung von personengebundenen Dienstfahrrädern für den entsprechenden Mitarbeiterkreis für den Arbeitgeber interessant.
    Ich werde es ihm vorschlagen.

  2.   Gert

    In Holland schon seit Jahren geübte Praxis. Da wird das Firmenfahrrad sogar deutlich mehr gefördert als das Firmenauto. Darauf werden wir in Auto-Lobby-Deutschland noch etwas warten müssen…

  3.   Ecky

    Hey! Der erste April ist erst in knapp vier Monaten!

    Und es findet sich bestimmt irgendjemand, der den Finanzministern steckt, was sie da beschlossen haben…

    E.

  4.   Snorrt

    Das muss aufhören! Wir dürfen auf keinen Fall umweltfreundliche, leise Fortbewegungsmittel fördern, die wenig Platz brauchen und dem Fahrer auch noch täglichen Sport ermöglichen, quasi als Nebeneffekt …

    Wo bleibt die schwer gebeutelte Autoindustrie? Was machen halb verhungerte Pharmaunternehmen? Spielen in Zukunft womöglich unsere Kinder wieder auf der Straße?

    Was für eine grauenvolle Vorstellung. Ich lasse jetzt aus Protest meinen 800 PS Schlitten für morgen schonmal warmlaufen. Ich muss nämlich den Spross in die Schule fahren. Die ist schliesslich 500 m entfernt und die Straße dahin erfordert nunmal einen 4×4, immerhin könnten bei dem massiven Schneefall die Straßen unbefahrbar werden.

    Dann lache ich, Klima schön aufgedreht, über die ganzen Idioten, die auf so einem Gefährt sitzen und vermutlich alle in diesem Wetter umkommen. Sowas von verantwortungslos!

  5.   kfvk

    Ich trage gerne handgearbeitete Maßschuhe und gehe zu Fuß. Die sind ungefähr ähnlich teuer wie ein Bike. Der Schuster ist auch nicht billig, aber unerlässlich — der feine Mensch hat keine krummen Absätze. Und poliert werden wollen sie auch täglich — angestaubte Schuhe sind unfein. Ich stelle also den Antrag auf Ausweitung der steuerlichen Förderung auch auf Fußgänger und deren Schuhe.


  6. Oh je, nun schwappt die Neidwelle womöglich auch über die (Dienst)Fahrradfahrer hinweg. Droht nun die Zweiklassengesellschaft aus privaten Billigfahrradfahrern und steuersubventionierten Hightec-Bikern, die ohne Rücksicht auf Material und Kosten durch die Cities heizen? Was ist mit Dienstschuhen ?

  7.   Calzone

    Sankt Bürokratius läßt grüßen.
    Wie steht es denn, gmäß meinem Vorposter, mit Dienstschuhen und Segways? Ich glaube, in keinem Land dieser Erde werden Firmen derart mit Verordnungen zugemüllt, und kein Steuerdschungel ist dichter als der deutsche. Schließlich braucht unser Beamtenheer ja auch eine Existenzberechtigung.
    Und wieviele Angestellte verzichten denn auf Ihren Firmenwagen zugunsten des Dienstfahrrades?

  8.   Plupps

    Ein bisschen Sachkenntnis sollte man schon mitbringen. In kleineren Betrieben ist es zurzeit durchaus nicht unüblich ein Fahrrad anzuschaffen und dem Angestellten zu überlassen – nicht ganz legal aber einfach so. Für diese Angestellten verschlechtert sich die Situation, weil das hier so genannte “Dienstwagenprivileg” zunächst mal eine steuerliche Mehrbelastung bedeutet.
    Nur bei Leasingflotten und Großfirmen ändert sich defacto etwas.

    Irgendwelche Traum-Sporträder jenseits von 6000 Euro wird man bei der Steuer nicht durchbekommen, genauso wie beim normalen Angestellten auch kein Porsche durchgeht.
    Nebenbei funktioniert das Dienstwagenprivileg nur bei beruflicher Nutzung des Wagens. Der normale Schreibtischangestellte hat hier ein Problem.

    Ich persönlich meine aber, dass der organisatorische Mehraufwand für Leasing und Eigenanteilversteuerung sich in der Regel nicht lohnen wird. Auch ein E-Bike liegt nur bei etwa 3000 Euro – das ist der Vorteil zu gering, weil das Handling genauso aufwändig ist wie beim ungleich teureren Auto.

    Einfacher ist für einen Kleinbetrieb, die Räder einfach zu kaufen und stillschweigend nutzen zu lassen – für einen Großbetrieb ist es leichter beim Fahrradkauf einen Zuschuss zu gewähren und den als gesundheitliche Massnahme zu deklarieren.

    also formal ist das eine tolle Sache – aber praktisch?


  9. Freunde es geht hier um Fahrräder. Was muss man denn da groß subventionieren? Ich fahr ein gebrauchtes Hercules Hobby. Hat mich vor 4 Jahren 120 Euro gekostet und fährt wie eine verdammte 1! Kommt mir alles hier bisschen übertrieben vor…

  10.   dymphna

    Nicht, dass ich das schlecht fände, aber die Niederlande sind ja auch weniger für ihre Automobilindustrie, als für ihre Fahrradhersteller bekannt.