Das Fahrrad-Blog

Den Fahrraddieben mit GPS auf der Spur

Von 15. Februar 2013 um 17:42 Uhr
© Abus / pd-f

© Abus / pd-f

Mit Fahrraddiebstählen habe ich selbst schon Erfahrung gemacht: Innerhalb von fünf Jahren wurden mir gleich drei Velos und sogar ein Hollandrad gestohlen. Der Diebstahl des Hollandrads war besonders perfide: Ich war gerade dabei, Mäntel und Schläuche zu wechseln, als mich ein Platzregen ins Haus trieb. Als er vorbei war und ich weiterarbeiten wollte, war das Rad weg – zumindest das Gestell.

Es war ein Ärgernis, das ich mit Hunderttausenden teile. Allein im Jahr 2011 haben 330.000 Radfahrer ein gestohlenes Rad bei der Polizei gemeldet. Die ist allerdings bei der Suche wenig erfolgreich, die Erfolgsquote liegt bei gerade 15 Prozent. Die Radfahrer-Gemeinschaft reagiert daher inzwischen selbst und organisiert sich im Netz, um gestohlene Räder wiederzufinden.

Fahrradjäger.de ist etwa eine solche Internetplattform. Hier können Radfahrer ihr gestohlenes Rad melden, Fotos posten und in der Rubrik “Jagdrevier” den genauen Diebstahlort auf einer Deutschlandkarte markieren. Viele Besitzer bieten einen Finderlohn an, der Fahrradjäger motivieren soll, sich auf die Suche zu machen. Mit einer kostenlosen Smartphone-App können Fahrradjäger Rahmennummer oder Kodierung überprüfen und so feststellen, ob das Fahrrad auf der Internetseite bereits als gestohlen registriert wurde.

Allerdings ist unklar, wie erfolgreich Fahrradjäger.de tatsächlich ist. Ob überhaupt oder wie viele gestohlene Velos über Fahrradjäger zurück zu ihrem Besitzer kamen, weiß Mitorganisatorin Steffi Wulf nicht. Nur soviel: Im vergangenen Jahr seien 50 Suchaktionen wieder von der Webseite entfernt worden.

Alexander Strübing ist da schon einen Schritt weiter. Wer sein Rad klaut, der hat schlechte Karten. Der Software-Entwickler im Ruhestand hat einen Sensor und eine Smartphone-App entwickelt. Der Sensor schlägt per SMS Alarm, wenn das Rad etwas tut, was es nicht soll: Wenn es ungewünscht berührt oder geschüttelt wird oder es einen virtuellen Kreis von etwa 120 Meter verlässt.

Der Sensor informiert den Radbesitzer permanent über den Velo-Standort. So lotst er im Zweifelsfall die Polizei mit Hilfe von GPS direkt zum Dieb. Der Sensor ist etwa so groß wie eine Streichholzschachtel und lässt sich problemlos anbringen. Komfortabler geht Diebstahlschutz eigentlich nicht – wenn er denn wirklich so reibungslos funktioniert, wie Strübing es verspricht. Noch gibt es nur Prototypen. Ab Ende März verkauft Strübing seine “Search and Rescue”- Sensoren als SaR-Mini. Ein Praxistest könnte sich lohnen.

© SaR-mini

© SaR-mini

Doch trotz GPS-Schutz und Smartphone-App: Gute Schlösser bleiben unerlässlich. Beim ADFC findet man hier eine nützliche Zusammenstellung geeigneter Exemplare. Fahrradbesitzer sollten bereit sein, einige Euro zu investieren: Als Richtwert für ein angemessenes Schloss kalkuliert man etwa ein Zehntel des Radkaufpreises. Wichtig ist es vor allem, das Rad nicht nur abzuschließen, sondern auch an Laternenpfählen der ähnlichem anzuschließen. Wegtragen geht schließlich immer. ADFC und die Polizei raten außerdem dazu, das Velo zu kodieren. Das schreckt Kriminelle ab und erhöht  die Chancen, es wiederzufinden.

Kategorien: Forschung, Räder
Leser-Kommentare
  1. 9.

    Der Akku ist wohl eher kein Problem. Das Gerät muss ja nur aktiv sein, sobald sich das Fahrzeug bewegt. Sensoren könnten z.B. einen Mikrocontroller aus dem Sleep Mode wecken, sobald sich das Fahrrad bewegt.
    http://www.mikrocontroller.net/articles/Sleep_Mode
    Erst dann muss der GPS empfänger aktiv werden, der selbst aber auch nicht viel verbraucht.
    (z.B. 22mA http://www.msc-ge.com/uk/home/news/1241-www/7934-www.html )
    Erst wenn die Koordinaten des GPS-Empfängers ausserhalb des gewünschten Bereichs sind und eine SMS versand werden soll, muss das GSM Modul aktiv werden. Da Sie das Gerät abschalten würden, wenn Sie selbst fahren, wäre es also nur aktiv, wenn es von einem Unbefugten bewegt wird. Das Gerät könnte also, wenn es gut gebaut ist Jahre mit einer einzigen Batterie auskommen.

    • 16. Februar 2013 um 14:57 Uhr
    • A
  2. 10.

    Das 15 % aller Fahrraddiebstähle aufgeklärt werden, glaube ich nicht. Mir wurden bisher drei Fahrräder in Innenstädten gestohlen und in keinem Falle war zu erkenen, daß die Polizei tätig wusrde (außer Fragebogen auszufüllen).
    Ich würde keinen Fahrraddiebstahl melden, wenn ich nicht durch die Versicherung dazu gezwungen wäre. So werden auch viele andere reagieren. Deshalb werden wohl lange nicht alle Fahrraddiebstähle geldet.

  3. 11.

    Zu Kommentar 9, damit sie ein Fahrrad gefunden bekommen, müssten sie etwas weniger als sieben gestohlene Fahrräder gemeldet haben.
    Trotzdem würde uns beiden bei dieser Denkweise das Thema Statistik die Note Sechs bescheren (das ist eine drei für jeden von uns, suuper), vielleicht hat ja wer anders sein erstes gestohlenes Fahrrad wieder gefunden bekommen. Die Polizei leistet in der Hinsicht Arbeit auf den Fahrradmärkten.

    Die meisten Diebstähle kann man durch ein vernünftiges Schloss und durch AN(!)schließen vermeiden. Eine Hausratversicherung die Fahrräder mit einschließt ist wohl auch sinnvoll. Spezielle Fahrradversicherungen bieten meist weniger Leistung zum höheren Preis.

    • 16. Februar 2013 um 16:11 Uhr
    • oregano4
  4. 12.

    GPS-Tracker gibt es ja schon länger. und hier kommt offenbar ein recht kleiner zum Einsatz. Das Energieproblem existiert jedoch nach wie vor.

    Bei dieser Gehäusegröße kann darin nur ein Mini-Akku enthalten sein. Also ist man besser sehr schnell beim Auffinden des Rades, sonst wird da nämlich gar nichts mehr gemeldet. Außerdem erfordert dies ein ständiges, nervendes Aufladen des Trackers.

    Praxisfähig wären solche Lösungen meiner Ansicht nach ab einer Laufzeit von 2 Wochen oder mehr ohne Nachladen, was in jedem Fall ein externes Akkupack erfordert.

    • 16. Februar 2013 um 16:16 Uhr
    • vyras
  5. 13.

    Wunderbar, dass Frau Reidl mit Ihrem Bericht auch zu der Großsstadtseuche Fahrraddiebstahl eine Diskussion angestoßen hat.

    Zu den Kommentaren / Einlassungen möchte ich als Verantwortlicher für die Entwicklung folgende Bemerkungen anfügen:
    1) Batterie: mit 800 mAh entspricht die Batterie in etwa dem Standard im mobilen Telematikbereich. Aber – unser spezielles Batteriemanagement versetzt die Stromverbraucher in einen Schlafzustand, wenn der Sensor innerhalb von 5 Minuten keinerlei Bewegung festgestellt hat.Deshalb erzielen wir Standby-Zeiten von 3 – 4 Tagen
    2) Rad im Keller: auch wenn das Rad / der Gegenstand sich im Keller oder in Bereichen ohne GPS-Empfang befindet, wird Alarm ausgelöst und automatisch oder per App auf GSM-Ortung umgeschaltet.
    3) Halterungen: alle hier geäußerten Überlegungen sind auch von uns erörtert worden. Tatsächlich wird einer der nächsten Schritte in Richtung Rahmenintegration gehen oder zu vergleichbaren Möglichkeiten (wir werden berichten) Allerdings ist und bleibt unsere Philisophie “Alberich”, der Zwerg mit der Tarnkappe im Nibelungenlied. Was nicht gesehen wird, wird nicht zerstört.
    4) Strom vom Nabendynamo ist eine Möglichkeit. Allerdings ist ein Techniker gefragt.
    5) …. und neben der Schutzfunktion hat SaR-mini wunderbare andere Möglichkeiten, z. B. LIVE-Teilhabe

    • 16. Februar 2013 um 16:53 Uhr
    • Strübing
  6. 14.

    die Fahrradjäger.de-Geschichte ist ja bedenklich,
    jedermann/frau prüft ständig Fahrräder an denen er/sie vorbeikommt, schickt die Rahmennummer (evtl. zusammen mit aktueller Handy-Position) an einen zentralen Server?

    tolle elektronische Massenüberwachung der Bevölkerung,
    das gibts ja noch nichtmal bei Autos mit Autokennzeichen.., von Blitzern und Alibi-Maut abgesehen

    hoffentlich werden wenigstens nur die Aufkleber genommen und nicht beliebige (meins) Fahrräder gescannt..,
    Diebe werden diese Aufkleber entfernen oder überkleben und sind komplett sicher..

    • 16. Februar 2013 um 16:56 Uhr
    • Demo4
  7. 15.

    Gibt es schon länger:
    http://www.integratedtrackers.com

    Wird Zeit, dass solche Geräte auch in Deutschland vertrieben werden.

    • 16. Februar 2013 um 20:23 Uhr
    • Horst
  8. 16.

    Ich würde gerne mal wissen, warum Fahrräder gestohlen werden. Werden hauptsächlich teure Markenräder gestohlen oder mehr billige Baumarkträder? Was weiß man über die Diebe? Sind das arme Leute, die sich weder Auto noch Fahrrad kaufen können? Sollte es für jeden Harz4-Empfänger einen Gutschein zum Kauf eines Fahrrades geben?

    • 16. Februar 2013 um 21:42 Uhr
    • gn42
  9. Kommentar zum Thema

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