Das Fahrrad-Blog

Wie ein Radsportfan zum Verleger wurde

Von 25. Februar 2013 um 12:33 Uhr
Rainer Sprehe (Mitte) mit dem Covadonga Team © Covadonga Verlag

Rainer Sprehe (Mitte) mit dem Covadonga Team © Covadonga Verlag

Ursprünglich sollte sein Buchverlag nur ein Nebenjob sein. Die Nische schien dafür klein genug. Schließlich wollte Rainer Sprehe nur Radsportbücher verlegen. Jahrelang hat er viele seiner Lieblingsbücher mangels Übersetzung auf Englisch oder Niederländisch lesen müssen. Das wollte er ändern.

Sprehe ist Quereinsteiger. Vor der Verlagsgründung hatte er ein Redaktionsbüro und schrieb für die IT-Branche. Das lief gut. So gut, dass er Zeit abzweigen konnte, um sich etwas Luxus zu gönnen. Die einen gehen auf Reisen, fahren mehr Rad oder beginnen das Golfspielen. Sprehe gründete den Covadonga Verlag. Covadonga ist ein Ort in Spanien. Dort streckt sich einer der berühmtesten Anstiege der Vuelta a España, der Spanienrundfahrt, gen Himmel.

Sprehes größtes Kapital als Neuverleger war sein Faible für alles, was mit Radsport zu tun hatte. Er lebt in Bielefeld. Per Rennrad oder Mountainbike kurbelte er sich durch den Teutoburger Wald und das Ravensberger Land. Im Sommer saß er mit Vorliebe vor dem Bildschirm und sah dem Peloton der Tour de France beim Kämpfen zu. Das macht er heute noch gern. Nur gehört es im Gegensatz zu früher nun zu seinem Job. Denn ein Schwerpunktthema seines Verlags ist die Literatur zur Tour – mit all ihren Protagonisten, ihren Kämpfen, Schwächen und Erlebnissen.

Es ist die Mischung, die sein überschaubares Sortiment besonders macht: Ratgeber, interessante wie intelligente Literatur für und über den Profi- und Hobbyradsport und dazu noch kurzweilige, ironische und oft urkomische Geschichten über Radsportler und ihre Marotten. Vor zehn Jahren waren derlei Bücher ungewöhnlich. Heute erscheinen ähnliche Erzählungen vereinzelt auch im Fischer Verlag oder der Deutschen Verlags-Anstalt (DVA).

Außenstehende würden sagen, Sprehe habe ein gutes Gespür für den richtigen Zeitpunkt. Er selbst nennt es Glück. In seinem ersten Jahr hatte er einen Klassiker verlegt: Raubeine rasiert von Paul Kimmage. Das war einige Jahre zuvor Englands Sportbuch des Jahres. Kimmage war seinerzeit einer der ersten Tour-Teilnehmer überhaupt gewesen, die über Dopingpraktiken im Peloton ausgepackt hatten. Das passte gut. Pünktlich zum 100-jährigen Bestehen der Frankreichrundfahrt gab Sprehe sein Debüt als Verleger und brachte das Buch auf den deutschen Markt.

Seitdem läuft es gut. Viele Klassiker, aber auch abseitige Bücher folgten. Sie haben Titel wie Treffpunkt Tresen, in dem das Treiben in berühmte Radsportcafés in Flandern beschrieben wird. Es sind Übersetzungen wie Albina und das Fahrrad, eine Liebeserklärung ans Radfahren, schöne Bildbände wie Die Räder der Sieger, aber auch schmale Büchlein wie Kette rechts – Im großen Gang durch das unnütze Radsportwissen.

Inzwischen kennt man ihn in der Branche als Verleger und als Autor. Zum 60. Jahrestag der ersten internationalen Friedensfahrt – der Tour de France des Ostens –  ist er die Originalroute von 1952 nachgefahren. Seine Erlebnisse hat er in Alles Rower?  Ein Wessi auf Friedensfahrt aufgeschrieben. Auszüge gibt es hier in seinem Blog.

Etwa 60 Bücher hat Sprehe in den vergangenen zehn Jahren verlegt. Aus dem Nebenjob ist längst ein Vollzeitjob geworden. In diesem Frühjahr hat er zur 100. Tour einige interessante Titel angekündigt. Als begeisterte Leserin von Graphic Novels freue ich mich besonders auf Unmöglich ist kein französisches Wort: Die Geschichte der Tour de France als Graphic Novel. Es erscheint leider erst im Mai. Eine Liste der weiteren neuen Titel gibt es hier.

Kategorien: Allgemein, Buch, Leute
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