Das Fahrrad-Blog

Höhere Bußgelder für Radler – aber auch mehr Rechte

Von 29. März 2013 um 07:32 Uhr
Radfahrerin in Frankfurt, © Johannes Eisele/Reuters

Radfahrerin in Frankfurt, © Johannes Eisele/Reuters

Ab Montag ist es soweit. Die Bußgelder für Radfahrer steigen, und die neue Straßenverkehrsordnung (StVO) tritt in Kraft. Diese hat für Radfahrer auch Vorteile.

Die schlechte Nachricht zuerst: Vergehen werden teurer. Fahren auf dem Fußweg kostet nun 10 bis 20 Euro statt wie bisher 5 bis 10 Euro. Wer einen benutzungspflichtigen Radweg missachtet oder auf dem Radweg entgegen der Fahrtrichtung unterwegs ist, muss künftig 20 statt 15 Euro zahlen. Falsches Einbiegen in eine Einbahnstraße kostet 20 bis 35 Euro anstatt 15 bis 30 Euro, und wer ohne Licht unterwegs ist, muss 20 Euro zahlen, das sind 5 Euro mehr als zuvor.

Der Aufschlag ist zwar nicht hoch, dennoch fragt man sich nach dem Sinn. Ohne Frage ist es wichtig, dass sich alle Verkehrsteilnehmer an die Regeln halten. Aber viele Vergehen sind die Folge schlechter Infrastruktur.

Jedoch bringt die Neufassung der StVO Radfahrern auch ein paar Verbesserungen. Autofahrer müssen sich darauf einstellen, dass Radfahrer zukünftig selbstbewusster auf den Straßen unterwegs sind. Zum Abbiegen müssen sie sich nicht mehr wie bislang vorgeschrieben rechts auf ihrer Spur aufstellen, sondern können sich in der Fahrbahnmitte platzieren. So werden sie bedeutend besser gesehen und laufen beim Anfahren nicht Gefahr, vom Auto mit zu geringem Abstand überholt zu werden.

Auch an Ampeln gelten neue Regeln: Auf der Fahrbahn gilt für Radfahrer die Verkehrsampel und auf dem Radweg die Fahrradampel. Fehlt ein Fahrradsignal, gilt für den Radfahrer auf dem Radweg das Verkehrssignal und nicht mehr die Fußgängerampel. Allerdings gibt es hier eine Übergangsregelung, da noch nicht alle Ampeln ein Fahrradsignal haben: Bis Ende 2016 gelten für Bürgersteig-Radwege, die unmittelbar neben einem Gehweg liegen, weiterhin die Fußgängersignale.

Wer das alles noch genauer wissen will, kann das beim ADFC nachlesen. Den Bußgeldkatalog gibt es hier und die Neuregelung für Radfahrer in der StVO hier.

 

 

Kategorien: Politik, Recht
Leser-Kommentare
  1. 1.

    Und woher weiß man, was unter der “unmittelbaren” Nähe des Radwegs zum Fußgängerweg zu verstehen ist?

    • 29. März 2013 um 12:59 Uhr
    • zeiserl
  2. 2.

    “viele Vergehen sind die Folge schlechter Infrastruktur” … – merkwürdige Rechtsauffassung. Nach meiner Auffassung sind “Vergehen” die Folgen von bewußtem oder unbewußtem Fehlverhalten.

  3. 3.

    “Ohne Frage ist es wichtig, dass sich alle Verkehrsteiln”ehmer an die Regeln halten. Aber viele Vergehen sind die Folge schlechter Infrastruktur.”

    ein lustiges argument. wenn ich mit 200 kn/h auf der landstrasse geblitzt werde, kann ich dann sagen: es lag an der schlechten infrastruktur, denn die landstrasse müßte eigentlich eine autobahn sein! :-))

    • 29. März 2013 um 15:11 Uhr
    • hank
  4. 4.

    Ja, selbstverständlich schlechte Infrastruktur.
    Ich werde auch weiterhin kurze Strecken auf der Gegenradspur fahren, wenn ich regelgerecht gezwungen wäre, eine Rennstrecke ohne Ampel zu kreuzen. Die 25 m Regelverstoß nehme ich dann in Kauf. Überhaupt werden Radfahrern Umwege zugemutet, gerne auch mal über 3 Ampeln um an einer Kreuzung abzubiegen, damit Autofahrer nur ja nicht behindert werden.
    Ich bin einfach nur erbost über einen hetzerischen Verkehrsminister, der gewiss noch nie länger als 2 Minuten für einen Fototermin auf einem Rad gesessen hat und nicht tagtäglich erlebt, wie man als Radfahrer durch zu geringen Abstand und sich öffnende Autotüren gefährdet und selbst bei regelgerechtem Verhalten angehupt wird und die Radwege auf der Fahrbahn als bequeme Parkspur missbraucht werden.
    Und ich werde auch weiterhin die letzten 30 m zu meiner Haustür auf dem Gehweg fahren, denn die Straße, in der ich wohne ist keine Einbahnstraße, aber so eng, dass nur ein Auto durch kann und da es ja immer mehr dieser SUV-Fahrer gibt, die sich dann auch noch beschweren, dass man sich als Radfahrer (!!) so breit (!!) mache, bleibt immer wenig Platz um da durchzukommen.
    Die ganze Verkehrsinfrastruktur ist vorwiegend auf Autos ausgerichtet und die Herrschaften meinen ja auch nicht selten, ihr Blech gebe ihnen ein höheres Recht.

  5. 5.

    “viele Vergehen sind die Folge schlechter Infrastruktur” – Mit dieser merkwürdigen Rechtsauffassung ist die Autorin leider nicht alleine. Vergehen bleiben Vergehen.

    Ich bin in Hamburg viel mit Auto und Rad unterwegs. Meine Erfahrungen dabei: Viele Radfahrer halten sich nicht an rote Ampeln, radeln auf der falschen Seite, Straße benutzen trotz weißem Rad auf blauem Schild.

    Viele Menschen machen als Radfahrer Dinge, die sie als Autofahrer nie machen würden. Aber man tut ja für sich und ökologisch etwas Gutes, dann ist es anscheinend schon okay, dass man sich nicht so ganz an die Regeln hält…

    • 29. März 2013 um 15:52 Uhr
    • tomhh
  6. 6.

    Die Beträge sind eigentlich doch echt vertretbar, oder?
    Zumal meiner Erfahrung nach die Herren von der Polizei bei “Verkehrsvergehen” recht kulant sind, weil sie verstehen, dass man es als Fahrradfahrer in manchen Situationen lieber in Kauf nimmt, gegen die Regeln zu verstoßen, als von unachtsamen Autofahrern überfahren zu werden.
    Ich habe schon lange aufgehört zu zählen, wie oft ich nur durch mein vorsichtiges Fahrradfahren mein Leben gerettet habe. So viele Autofahrer vergessen ganz einfach, dass es im Straßenverkehr neben Autos auch noch Fahrräder gibt. Es ist einfach so krass gefährlich und subjektiv habe ich einfach das Gefühl, dass es schlimmer wird.

    Dieser “Krieg” Auto vs. Fahrrad muss endlich mal aufhören! Rücksicht, guys, Rücksicht von allen beteiligten Seiten ist die einzige Lösung!

    • 29. März 2013 um 16:01 Uhr
    • ManuS
  7. 7.

    Typische Ramsauer-Reform!
    Hauptziel scheint nur zu sein, mehr Geld in die Staatskassen zu spülen und glaubhaft zu machen “man habe etwas getan”. Das ist bei der Punktereform für den motorisierten Verkehr nicht anders. Verstöße bringen mehr Geld ein, gleichzeitig werden aber erzieherische nichtpekuniäre Strafen abgemildert. Es wird dringend Zeit für einen anderen Verkehrsminister.

    • 29. März 2013 um 16:11 Uhr
    • SeppD
  8. 8.

    @tomhh: nein, der grund ist, dass man oftmals keine wahl hat. wissen sie was? für mich persönlich ist autofahren stress, vor allem, wenn ich mich in engen verstopften straßen oder auf inoffziellen rennstrecken befinde, auf denen ich ständig davon ausgehen muss (und auch leider meisten darin bestätigt werde), dass die anderen autofahrer überhaupt nicht mitdenken. blinken, abstand halten, geschwindigkeit beachten, kein hindernis darstellen usw usw. nun sagen sie mir mal, was ich als radfahrer, der sich quasi in der selben situation befindet fühlen bzw. machen soll, wenn ich (ohne halbwegs sicheren käfig um mich herum) dieser situation ausgesetzt bin? wenn sie selbst oft fahren, müssten sie es kennen und verstehen. ich MUSS regel verletzten, wenn ich nicht von anderen über den haufen gefahren werden will, aber auch, um andere zu schützen (falschparker, fußgänger, fahrrad-nicht-sehen-woller). daran ändert auch eine neues regelung nichts. von daher kann man schon von infrastrukturellen ursachen sprechen. wäre dieses land nicht in den händen der fucking autolobby, hätten wir andere straßen, mit breitern rad- und gehwegen, günstige öffentliche verkehrsmittel usw usw. als infrastruktur verstehe ich auch die planung von verkehrswegen und die ist, bei aller liebe, eine zumutung. fahren sie mal nach kopenhagen, interessant wie einfach es gehen kann, ohne, dass sich jemand benachteiligt fühlen muss.

  9. Kommentar zum Thema

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