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Pedersen: Hingucker mit Sofaeigenschaften

 
© Reidl
© Reidl

Pedersen-Fährräder sind anders. Ihr Aussehen erinnert ein wenig an die Anfänge des Radfahrens, als die Räder noch riesig waren, das Fahren eine echte Kunst und unbequem noch dazu. Das sind die Pedersens zum Glück nicht. Im Gegenteil. So ein Rad ist extrem komfortabel. Ausprobieren kann man das am kommenden Wochenende. Dann treffen sich Pedersenfahrer in Bad Zwischenahn zu ihrer jährlichen Ausfahrt. Noch gibt es freie Plätze und auch Testräder.

Das Herzstück des Fahrrads ist der Sattel. Er ist mit drei Zügen abgespannt wie eine Hängematte. Um ihn herum hat sein Erfinder, Mikael Pedersen, Ende des 19. Jahrhunderts eine filigrane Gitterkonstruktion als Rahmen gebaut. Dessen Streben sind so angeordnet, dass sie 21 Dreiecke bilden. Das Fahrrad war für damalige Verhältnisse unglaublich leicht: Das leichteste Modell wog inklusive Reifen knapp fünf Kilogramm.

Vor einigen Jahren konnte ich das beim Pedersen-Treffen in Bad Zwischenahn testen. Etwa 70 Kilometer sind wir an diesem Tag gemütlich pedaliert. Keine Frage: Für eine Radreise wäre es nicht das Gefährt meiner Wahl – obwohl eingeschworene Pedersenfreunde auf ihren Tourenrädern damit häufig Hunderte von Kilometern zurücklegen. Für mich ist es aber eher ein Schönwetterfahrrad. Auf ihm sitzt man nicht, man thront. Die aufrechte Haltung entspannt Rücken und Handgelenke und lädt eher zum Plaudern als zum Rasen ein. Man flaniert damit durch die Landschaft und hat stets den perfekten Überblick. Es ist eine gemütliche Art Radzufahren und im Kreis der Pedersenfreunde ein großes Vergnügen. Denn jeder Teilnehmer weiß viele Details und Geschichten über sein Gefährt und erzählt sie gern.

Neben den klassischen Pedersens baut Michael Kemper übrigens Modelle in verschiedenen Varianten mit denen man auch sehr sportlich unterwegs sein kann.

Näheres zu dem Treffen erfährt man hier. Die Anmeldefrist ist zwar offiziell abgelaufen, aber es gibt noch freie Plätze. Wer ein Rad mieten möchte, muss das bei der Anmeldung erledigen, da die Anzahl der Räder begrenzt ist.

32 Kommentare

  1.   porph

    Liebe Frau Reidl, wie ist denn die Quelle für das 5 kg Pedersen-Rad? Das klingt für mich phänomenal leicht. Ich ging bisher nicht davon aus, dass die Pedersen-Rahmenbauweise zu besonders leichten Rädern führt.

    Das Stahlrahmen-Rad, auf dem Merckx ’72 den Studenweltrekord aufstellte, wog mehr als 5 kg, und das war eine ziemliche Spezialanfertigung. Heutige moderne Carbon-Rennräder wiegen im Normalfall auch über 6 kg. Das Ganze Ende des 19. Jahrhunderts (?) hinzubekommen wäre schon ziemlich krass, auch wenn man bedenkt, dass es Schaltung und Ähnliches damals noch nicht gab.


  2. @1
    Genau mein Gedanke.

  3.   oranier

    Werbung für eine Veranstaltung hier? Ausnahmsweise, da es sich um Fahrräder und nicht um Motorfahrzeuge handelt. Zum 5 Kg-Gewicht möchte ich gerne eine Antwort auf porph lesen. Aufgrund der verwirrenden Abbildung oben ist mir auch unklar, wie ein aufrechter Sitz darauf aussehen soll. Abbildung mit Person drauf wäre aufschlussreicher.

    Entspannte aufrechte Haltung? Hier irrt Frau Reidl. Das ist nur scheinbar und kurzfristig so. Über kurz oder lang gibt es da Rücken-Schäden, da die Wirbelsäule bei jeder Erschütterung gestaucht wird. Gesünder ist nach orthopädischen Erkenntnissen eine gebeugte Haltung, da hierdurch die Erschütterungen abgefedert werden und zudem ein Teil des Körpergewichts durch die Handgelenke abgefangen wird, die Frau Reidl gerne entspannt haben möchte.

  4.   Hubertus

    Hallo,
    Bin seit 5 Jahren Besitzer eines Peddersenrades.Das Gewicht des Rades
    Beträgt gut 15 kg.Durch die Länge
    Hat es einen großen Wendekreis und die lange Längsachse ruft zum flattérn bei etwas Geschwindigkeit.ansonsten ein bequemes Genuss radeln, ohne Nackenschmerzen.

  5.   Spinne

    Quelle (Wikipedia): Schon Anfang des 20. Jahrhunderts baute Mikael Pedersen ein Pedersen mit einem Gewicht von 5,1 kg.

    5,1kg klingt trotzdem unglaubwürdig

  6.   ppeters

    Na, die Rennräder dürfen laut UCI nicht weniger als 6.8kg wiegen, da ist wohl eh nicht Fortschritt zu erwarten…

    Pedersens sind durch die dreieckkonstruktion sehr stabil, man kann dadurch extrem filigrane Rohre nutzen. Ich war überrascht wie leicht die Räder sind, wobei 5kg klingt sehr leicht, muss extrem minimalistisch gewesen sein…


  7. 5 kg Rahmengewicht könnte hinkommen. Als Gesamtgewicht ganz sicher nicht!


  8. „… auch wenn man bedenkt, dass es Schaltung und Ähnliches damals noch nicht gab.“

    Nun, was es nicht gibt, das wiegt auch nix! ;-)
    5kg Gesamtgewicht halt ich dennoch für ausgeschlossen.

  9.   Radlwadl

    Auf der Site von Michael Kemper steht: „Mikael Pedersens leichteste Räder wogen vor 100 Jahren inklusive Bereifung knapp 5000 Gramm. (…) Moderne Kemper-Pedersens sind bei gewichtssparender Ausstattung schon unter 8000 Gramm zu haben.“


  10. Na ja, vielleicht gab es ein Kindermodell mit 5 Kilo Gewicht. Dem aufmerksamen Betrachter wird nicht entgehen, dass der Pedersen- Rahmen die auftretenden Kräfte in Zug- und Druckbelastungen umwandelt, wo der Diamantrahmen durch Biegefestigkeit gegenhält. Damit man ein Rohr nicht biegen kann, muss es stabil sein- damit man es nicht durchreißen kann, genügt wesentlich weniger.

    Ich bin noch nie ein Pedersen gefahren, aber ich könnte mir vorstellen, dass die Verwindungssteifheit nicht so dolle ist. Aber für einen Ohrensessel braucht man die ja auch nicht.