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Dem Dynamo wird unrecht getan

 
Ein Nabendynamo
Ein Nabendynamo, Foto: www.pd-f.de, Mathias Kutt

Während sich Radfahrer über den Fall der Dynamopflicht freuen, sind einige Hersteller und Verbände eher skeptisch. Sie plädieren für eine eingeschränkte Freigabe der Akkulampen für bestimmte Fahrradarten: Sie befürchten, dass sich die Ausstattung von City- und Trekkingrädern durch den Beschluss langfristig verschlechtert.

Zurzeit besitzen rund 80 Prozent der verkauften Alltagsräder Nabendynamos. Selbst bei einem Aldi-Rad für 250 Euro sei in Deutschland der Nabendynamo selbstverständlich, sagte vor einiger Zeit Roland Huhn vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) hier im Blog. Für ihn ist das ein Verdienst der Dynamopflicht. In Österreich liege stattdessen im Karton ein Batterielicht dabei.

Die Schweizer können bereits seit 2005 wählen, wie sie ihr Rad beleuchten. Auch dort sind laut Roland Fuchs, Sprecher der Fahrradlieferanten in der Schweiz (Velo Suisse), weiterhin der Großteil der verkauften Alltagsräder mit Nabendynamos ausgestattet. Fuchs schätzt, dass ihr Anteil wie in Deutschland bei etwa 80 Prozent liegt.

Die Dynamo-Kritiker, die sich nun über die am Freitag vom deutschen Bundesrat beschlossene Erlaubnis von Akkuleuchten freuen, aber auch die skeptischen Hersteller unterschätzen vielleicht die bewährte Technik oder die Ansprüche der Kunden. Die Zeit der Fahrradfunzel ist glücklicherweise vorbei, heute strahlen die LED-Leuchten hell und zuverlässig. Mehr noch. Die leistungsfähigsten Lampen leuchten Wald und Landstraße mit 70 bis 90 Lux aus. Da wird die Nacht zum Tag.

Außerdem macht das Rundum-Sorglos-Paket, das ein Nabendynamo mitbringt, Radfahren unkompliziert. Der Dynamo ist wartungsfrei und selbst bei Regen zuverlässig. Manche Modelle besitzen einen USB-Anschluss, mit dem man per Steuerungselektronik das Handy oder Navi mit Strom versorgen kann. Das ist sexy, passt in die Zeit und ist weitaus bequemer als jede Steckleuchte.

Nabendynamos sind Teil eines stimmigen, nachhaltigen Fahrradkonzepts. Akkuleuchten hingegen machen Arbeit. Sie müssen aufgeladen und immer eingepackt werden. Sie sind eher interessant für Sportler, für Velos mit Seitenläuferdynamos oder wenn der Nabendynamo nicht zum Fahrraddesign passt.

Allerdings zeigt die Kritik an dem Bundesratsbeschluss aus der Branche und von den Interessenverbänden deutlich, was der Gesetzgeber verpasst hat: den Austausch mit den Experten. Wer vom Fach ist, wurde nicht gefragt. Jetzt hat der Zweirad Industrie Verband angeboten, das Bundesverkehrsministerium beim Erarbeiten einer Verordnung zu unterstützen, die den aktuellen Stand der Technik widerspiegelt. Denn darin sind sich alle einig: Der Paragraf 67 der Straßenverkehrszulassungsordnung (StVZO), der die Beleuchtung am Fahrrad regelt, muss gründlich überarbeitet werden.

72 Kommentare

  1.   Micha

    „Allerdings zeigt die Kritik an dem Bundesratsbeschluss aus der Branche und von den Interessenverbänden deutlich, was der Gesetzgeber verpasst hat: den Austausch mit den Experten.“

    Bedeutet im Klartext: man hat ausnahmsweise mal nicht auf die Lobby gehört, sondern auf die Gewerkschaft der Polizei, die aus dem Alltag weiß, daß Akkulicht schon seit Jahren gang und gäbe ist und auch toleriert wird.
    Meine Vermutung: Die Fa. Busch und Müller, die jetzt am lautesten schreit, verdient mit der Dynamopflicht halt gutes Geld. Das ist alles.

    Muß man den Menschen denn alles per Gesetz vorschreiben? Ich kann selber denken und mir überlegen, was für mich die bessere Lösung ist !!!

  2.   Stefan

    Meine Meinung. Ich würde mein Nabendynamo nicht für alle Akkufunzeln der Welt eintauschen. Immer dabei, immer aufgeladen.

  3.   Lothar

    Bei der Abwägung zwischen Batteriebeleuchtung und Dynamo ist für mich ein nicht zu vernachlässigender Aspekt die (relative) Wartungsfreiheit der Batterieleuchten. Der Nabendynamo ist wirklich ein großer Fortschritt. Schwachpunkte bleiben dennoch: Die Steckverbindung von Dynamo zu Verkabelung, die Verkabelung selbst, Kontakt- und Erdungsprobleme. Trotz Nabendynamo hatte ich die letzten Jahre kein wirklich zuverlässig funktionierendes Licht …


  4. Dem Dynamo wird unrecht getan.
    Na sowas auch, dann soll er doch klagen.
    Na, Scherz beiseite.
    Eine gute Entscheidung, beide Systeme zu erlauben, so entscheidet am Ende der Radfahrer und die Verbände können gern hoch und runter springen.

  5.   Nele Abels

    Weil es gute Dynamos gibt, sollen ebenso gute Beleuchtungen auf Akkubasis untersagt bleiben?

    Seltsamer Gedanke…

  6.   Interozetor

    Ich verstehe die ganze Diskussion nicht …

    Fahre seit über 40 Jahren Fahrräder mit Dynamo-Beleuchtung. Teilweise hab ich dann Akkulampen montiert und lasse die fest installierten Lichtquellen ruhen, kein Problem.

    Aber mir sind eben diese Akkus während der Fahrt auch des öfteren ausgefallen – und da war ich froh, auf ein Back-up-System zurückgreifen zu können.

    Ich kann also durchaus verstehen, dass der Gesetzgeber eine Beleuchtung fordert, die auch ohne Batterien funktioniert. Wo ist also das Problem?


  7. Wichtig ist doch, dass die Beleuchtung funktioniert, nicht wie sie funktioniert. Allerdings war die Dynamo-Pflicht als sie entstand durchaus sinnvoll. Schließlich ist so ein Dynamo um einiges handhabungssicherer als eine Karbidlampe. Aber ab und an müssen Vorschriften an sich ändernde Gegebenheiten angepasst werden. Schön, dass es Beispiele gibt, in denen es funktioniert. Wenn man bedenkt, dass noch für jedes Glas Sekt eine Steuer bezahlt wird, die ursprünglich zweckgebunden für den Ausbau der kaiserlichen Marine eingeführt wurde, kommen einem leicht Zweifel an der Reformfähigkeit unseres Landes…

  8.   DieterG

    Immer wieder vergessen bzw. nicht erwähnt: Sehr viele Akkuleuchten dimmen nur noch vor sich her (Aufladen vergessen? Batterie fast leer?) Hier müsste der Gesetzgeber auch einmal sicherstellen, dass die Akkuleuchten nur noch bzw. zu eine bestimmten Lichtstärke „betriebsbereit“ sind und bei einer „Minderhelligkeit“ nicht mehr in Betrieb genommen werden können.
    Im Gegensatz zu Lothar habe ich seit Einbau eines Nabendynamos bei Wind und Wetter zuverlässig funktionierendes Licht. Und muss auch nicht an das Nachladen von Akkus oder den Austausch von Batterien denken. Und die Lampen können – im Gegensatz zu Akkuleuchten – fest am Fahrrad montiert sein und dort auch bleiben, ohne die Gefahr, dass die am Fahrrad vergessene Akkuleuchte gestohlen wird …

  9.   Herby

    Bei Dynamo denkt man als nicht aktiver Radfahrer noch an den alten Klapp-Dynamo, der am Reifen angetrieben wurde.
    Und der war großer Mist und – als Kind hat man es besonders bemerkt – auch nur durch reichlich mehr Kraftanwendung und durch Fahrgeschwindigkeit ausreichend und meist nur um gesehen zu werden geeignet. Dass ein Radfahrer auch selbst genügend sehen sollte, hat sich doch eben erst durch modernere Lampen (LED etc.) ermöglicht und gezeigt.
    Das einzig gute am Artikel finde ich die Möglichkeit mit USB Handy oder Navi aufzuladen, wenngleich ich selbst das nicht so sexy finde (nur weil es da etwas zum reinstecken gibt?).
    Ich selbst bin für die absolute Freiheit der Fahradlampe, dazu zählt auch ein moderner Dynamo, nicht zuletzt als 2. Sicherheit, wenn denn die Batterie alle ist und man doch länger unterwegs ist als geplant.

  10.   Sikasuu

    Akkus/Battrien sind Pflege- und Wartungsintensiv!
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    Weg, kaputt, leer, liegen zu Hause….. wenn man sie braucht.
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    Am Altagsrad ist ein Nabendynamo mit LED vorn/hinten und vernünftig verlegten Kabeln immer noch 1. Wahl.
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    Diese neue Verordnung wird dazu führen, das der Austatungsstandard von Rädern hier schlechter wird. Ein „Billig Akkulicht“ spart ja Geld.
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    In einer Zeit in der man ein eingespeichtes Rad mit Nabendynamo, Felge, Mantel für 10Jahren SON früher noch mit „Birnenwechsel, aber seit LED-Umrüstung ist Licht wirklich kein Thema mehr.
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    Wenn ich das Rad zum Verkehrsmittel aufwerten will, ist diese „Schnapsidee“ kurz vor der Wahl kontraproduktiv.
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    Freigabe von höheren Spannungen/Leitungen beim Licht, von zusätzlichen Beleuchtungen um zB. das schwarze Loch bei Gegenverkehr, hohem Tempo und einseitigen Radwegen zu umgehen, Kurvenlicht, Bremslicht……. wäre wohl ok, aber wieder auf den Standard ans Rad gehängter „Karbit-, Petroleumlampe“ zurück zu gehen, kann auch nur ein Autofahrer hin bekommen.
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    Da wäre etwas „Fachwissen einkaufen“ wohl besser gewesen.
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    Meint
    Sikasuu