Das Fahrrad-Blog

Und, was gibt’s Neues auf der Eurobike?

Von 30. August 2013 um 12:32 Uhr
© Reidl

© Reidl

Nach drei Messetagen zeigen sich auf der Eurobike allmählich die ersten Ermüdungserscheinungen. Die Mitarbeiter an den Ständen werden heiser, Kollegen sprechen gegen Abend nicht mehr miteinander, sondern nicken einander nur noch zu. Die Wangen sind rot, die Blicke leicht glasig, der Notizblock ist zwar voller, aber die To-do-Liste leert sich kaum.

In just diesem Moment erwischte mich dann gestern Abend die Frage: “Was sind Ihre Eindrücke, was gibt es interessantes Neues auf der Messe?” O weia, wo anfangen? Doch dann fallen mir die Riemenantriebe ein. Es ist auffällig: Fast jeder größere Hersteller hat mittlerweile Räder mit Gates-Riemen im Programm.

Der Vorteil ist offensichtlich: Der Wartungsaufwand entfällt, keine Schmiererei mehr mit der Kette. Vor allem im Winter ist der Riemen extrem komfortabel. Aber ist er nicht sehr empfindlich? Anke Namendorf von Koga winkt ab: Das niederländische Unternehmen verbaue ihn seit Jahren ohne nennenswerte Reklamationen. Zudem ist die Lebensdauer eines Riemens bedeutend länger als die einer Kette.

Ein Nachteil ist auf den ersten Blick mit Sicherheit das Wechseln eines Reifens. Aber mit etwas Übung kann man den Riemen laut Aussage verschiedener Hersteller auch gut alleine wieder einspannen.

Natürlich werden auf der Weltleitmesse unglaublich viele High-End-Räder und Neuheiten gezeigt. Die Liste der Eurobike-Award-Gewinner zeigt einige davon gebündelt hier. Als Stadtrad hat mir das Coboc eCycles besonders gut gefallen. Das Pedelec ist mit 13,7 Kilogramm ein absolutes Leichtgewicht und fährt sich sehr agil und wendig. Die Antriebskomponenten haben die Entwickler in den Rahmen integriert. Per Knopfdruck schaltet man den Motor ein, anschließend übernimmt die Software. Über den Pedaldruck wird dann die Unterstützung automatisch geregelt.

Coboc © eCycles

Coboc © eCycles

Es ist ein schönes Gefährt, das bestimmt noch weiterentwickelt werden kann. Seine Erfinder, zwei Hochschulabsolventen in Heidelberg, wollen im Frühjahr erst mal eine Kleinserie mit 50 Rädern auf den Markt bringen. Es wird spannend sein zu sehen, was die beiden noch aus dem Coboc machen.

Nach meinen Erfahrungen mit dem Lastenrad von Riese und Müller im vergangenen Herbst bin ich sehr begeistert von Lastenrädern mit verlängertem Heck. Deshalb ist mir das Boda Boda von Yuba direkt aufgefallen. Ich habe mich kurz auf den Gepäckträger gesetzt und fand es bequemer, als es aussieht. Für ein aussagekräftiges Urteil brauche ich aber jemanden, der mich eine Weile kutschiert. Vielleicht findet sich morgen noch ein netter Kollege.

Boda Boda von Yuba © Reidl

Boda Boda von Yuba © Reidl

Der generelle Trend zur Farbe findet sich an den Rädern wieder. Auch kommendes Jahr bekommt man Velos in recht poppigem Anstrich, sofern man das möchte. Interessant ist das Kaufverhalten der Kunden. Verschiedene Hersteller beobachten, dass die Menschen im Norden Deutschlands eher das klassische Design und die Farbe Schwarz bevorzugen, wogegen die Süddeutschen es deutlich farbenfroher mögen.

Vielleicht liegt es daran, dass in Süddeutschland mehr Mountainbike gefahren wird und diese traditionsgemäß etwas bunter und auffälliger daherkommen. Apropos Mountainbike: Sofern man Zeit findet, kann man auf der Eurobike im Freigelände auf dem Bikeparcours Mountainbike- und BMX-Fahrern zusehen. Diddie Schneider, mehrfacher Landesmeister im BMX-Radfahren und führender Parcours-Designer, baut seit vielen Jahren die Strecke.

Witziger und spektakulärer ist noch der Lake Jump, der traditionsgemäß am Donnerstagabend stattfindet. Die Fahrer rollen eine Rampe hinunter und springen unter dem Jubel der Zuschauer direkt in den Messesee. Besonders viel Beifall erhielt gestern ein Fahrer, der mit einem Cityrad nebst Weidenkörbchen die Rampe hinabdonnerte. Für Sekunden hing er kopfüber in der Luft, die Hände am Lenker. Dann platschte er ins Wasser. Es lohnt sich immer, bei einem Lake Jump zuzuschauen. Die akrobatischen Fähigkeiten der Teilnehmer sind oftmals unglaublich. Und viel sprechen muss man dort auch nicht mehr.

Lakejump - gerne auch mit Citybike © Reidl

Lake Jump – gerne auch mit Citybike © Reidl

Kategorien: Allgemein
Leser-Kommentare
  1. 1.

    “Die Liste der Eurobike-Award-Gewinner zeigt einige davon gebündelt hier.”
    Schade, der link ist tot.

  2. 2.

    Danke für den Hinweis. Wir haben den Link “repariert”. Die Red.

    • 30. August 2013 um 13:54 Uhr
    • Matthias Breitinger
  3. 3.

    Der Sinn von Singlespeed / Fixies liegt ja eigentlich ihrem absoluten Minimum an Technik und Verschleißteilen. Radkuriere griffen auf Bahnräder zurück, um ein billiges und wartungsarmes Verkehrsmittel zu haben. Jetzt ein Singelspeed zum Pedelec auszustatten, zumal noch mit so üblen Schweißnähten, wie sie auf dem Bild am Steuerrohr zu sehen sind, erschließt sich mir nicht so richtig…

    • 30. August 2013 um 15:01 Uhr
    • El_Elelel
  4. 4.

    Ein Grund warum ich mich bis jetzt gegen Pedelecs gesperrt habe ist sicherlich deren grauenhafte Optik mit ihren klobigen Akkus die irgendwo am Rad drangepappt wurden…
    Weiß nicht, ich finde es voll schniecke!
    Müsste man mal probefahren, warum man zur Messe nen Prototyp mit “grauenhaften” Schweißnähten mitnimmt ist wohl Anfängerpech wo kurz vor der Deadline so alles nichtfunktioniert…

    • 31. August 2013 um 11:36 Uhr
    • onefuckinggear
  5. 5.

    @El_Elelel:
    Der Antrieb kann genau da unterstützen, wo der eine Gang nicht optimal ist, beim Anfahren und an Steigungen. Singlespeed ist ein Stück weit auch eine Einstellung (und Mode), da muß eh jeder selbst entscheiden, ob ein Elektroantrieb ins eigene Weltbild paßt.

    Die Schweißnähte könnten auch Designelement sein, bei Centurion beispielsweise sind die auch deutlich sichtbar.

  6. 6.

    Das Boda Boda ist sicherlich sehr schön, aber meiner Meinung nach etwas überteuert.
    Aktuell gibt es sicherlich sehr viele sehr bunte Räder. Auch die Hollandräder hat der Trend ja mittlerweile ergriffen. Bunte Mäntel sind auch der letzte Schrei… solange mehr Leute auf das Fahrrad umsteigen und dieses auch zeigen, ist das doch ein sehr begrüßenswerter Trend.

    • 31. August 2013 um 22:58 Uhr
    • Jens Schwoon
  7. 7.

    @Der_Olli: “Singlespeed ist ein Stück weit auch eine Einstellung”
    So kann eigentlich nur ein Flachländer reden.

    Wir haben hier in Benztown keine Probleme, innerhalb einer halben Stunde 300 HM überwinden zu müssen. Mit nem Singlespeed macht das schlicht keinen Spaß.

    Steigung heißt hier bis über 15% und nicht nur ein bisserl nach oben.

    • 1. September 2013 um 17:39 Uhr
    • blue0711
  8. 8.

    Die Eurobike
    Schön wars gewesen…

    Das Boda Boda von Yuba ist an ganz angenehm hier noch ein Link für dasselbe Konzept aus Deutschland, denn Prana von Velonom http://www.velonom.com

    • 2. September 2013 um 01:52 Uhr
    • Unbekannter
  9. Kommentar zum Thema

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