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Tempo 30 für Pedelecs

 

Elektrofahrräder rollen hinterher. Fünf km/h trennen sie laut Gesetz von den Tempolimits, die für Autos gelten. 25 km/h dürfen Elektrofahrräder höchstens fahren, maximal 45 km/h gelten für die S-Pedelecs. Dabei sind Tempo 30 und Tempo 50 die gängigen Geschwindigkeitsbegrenzungen in der Stadt.

So können Elektrofahrräder im innerstädtischen Verkehr nie mitschwimmen. Warum müssen Fahrer von Elektrorädern den Pkw hinterher zockeln, und wird sich das ändern?

Im Bundesverkehrsministerium verweist ein Sprecher auf die EU-Richtlinie 92/61/EWG. Auf ihr basiert die so genannte bauartbedingte Höchstgeschwindigkeit (bbH) von 45 km/h. 1992 wurde die Regelung von der EU verabschiedet. Damals gab es zig verschiedene Begriffsbestimmungen für Krafträder, Kleinkrafträder und drei- oder vierrädrige Fahrzeuge – allein fürs Kleinkraftrad etwa 15 verschiedene.

Wegen des Regelungswirrwarrs konnten Mofas, Mopeds und Co. nur schwer über Ländergrenzen hinweg verkauft werden. Die EU-Mitgliedsstaaten wollten dieses Handelshemmnis abschaffen. Deutschland stimmte dem Kompromiss zu, die Höchstgeschwindigkeit für Kleinkrafträder von 50 auf 45 km/h zu drosseln.

Für langsamere Elektrofahrräder wurde als Höchstgeschwindigkeit 25 km/h festgelegt, und zugleich wurden sie rechtlich Fahrrädern gleichgestellt. Erhöhen die Hersteller die Maximalgeschwindigkeit auf 30 km/h, wird das Rad automatisch zum Kleinkraftrad. Dann braucht man zum Fahren einen Führerschein der EU-Klasse AM (ab 16 Jahre).

Ein unkompliziertes leichtes Anheben der Geschwindigkeiten ist also erst mal nicht absehbar.

Das ist bedauerlich, denn die Regelung erschwert ein gleichberechtigtes Miteinander auf der Straße. Seitdem die Regel 2002 in Kraft getreten ist, hat sich die Technik der Elektrofahrräder enorm verbessert. Gerade in den vergangenen drei Jahren gab es in der Branche einen immensen Entwicklungsschub. Elektrofahrräder haben sich zu ernstzunehmenden Pendlerfahrzeugen gemausert. Um die umweltfreundliche Alternative zum Kleinwagen zu fördern, ist es vielleicht an der Zeit, über eine Anhebung der Höchstgeschwindigkeit zu sprechen – also über eine Reform der EU-Rechtlinie.

10 Kommentare

  1.   Nur_mit_Muskelkraft

    Mit einer Anhebung der Höchstgeschwindigkeit könnten Elektrofahrräder sich endlich zu einer ernstzunehmenden Alternative zum rein muskelbetriebenen Rad auch jenseits von Berg & Tal, als Rentner oder Schlipsträgermobil mausern..

  2.   Stephan Klöckner

    Das mit der Höchstgeschwindigkeit stimmt so jahr nicht ganz. Bei Elektrofahrrädern wird nur ab 25km/h die Motorunterstützung abgeschaltet. Wer genug Pedalkraft aufbringt kann auch schneller fahren. Die Beschränkungen haben aber nicht nur einen Hintergrund bei der Zulassung, sondern auch im Versicherungsrecht. Je schneller ein Fahrzeug Bewegt werden kann, umso größer ist der potenzielle Schaden den es anrichten kann. Auch von dieer Seite wird es daher keine Anhebung geben. Und was das mitschwimmen im verkehr angeht sind die 30 bzw. 50 km/h auch nur Papierwerte. Wer hält sich denn in unseren Städten daran? Auf der Straße muss man immer noch mal 5-10km/h dauz zählen.

  3.   Quirinus

    Ich habe bereits jetzt ernsthafte Bedenken, ob jeder Fahrer eines solchen Fahrzeugs sein/ihr Gefährt beherrscht. Das würde noch schlimmer werden. Sinnvoller wäre eine legale Höchstgeschwindigkeit von 50 oder 55 km/h für Mopeds, damit sie mit dem Verkehr besser mitschwimmen können.

  4.   Tunichtgut

    Seltsam, dass noch keiner auf die einfachste Lösung dieses Problems gekommen ist.

    Man (der Bundesminister für Verkehr) könnte Tempo 30 Zonen in Tempo 25 Zonen umwandeln.
    Die Höchstgeschwindigkeit in Ortschaften könnte sogar noch einfacher per Gesetzesnovelle auf 45 km/h gesenkt werden. Dazu bedarf es noch nicht einmal neuer Schilder.

    Nebenbei:
    In diesem Zusammenhang könnte man auch endlich ein generelles Tempolimit für alle Fahrzeuge in Ortschaften einführen. Zurzeit gilt das “allgemeine Tempo 50″ nur für Kraftfahrzeuge. Fahrräder dürfen, sofern der darauf sitzende Radfahrer dazu in der Lage ist, derzeit auch schneller als 50 km/h fahren (solange die Geschwindigkeit nicht durch eine andere Regelung bzw. Zeichen beschränkt ist). Der aktuelle Geschwindigkeitsrekord für Fahrräder liegt derzeit bei ca. 270 km/h (mit Windschatten) bzw. ca. 130 km/h (ohne Windschatten).


  5. Laut Kreuzotter braucht man für 30km/h auf dem MTB (mit Slicks) etwa 3W/kg => das ist Hobbysportlerleistung. Sieht man das Pedelec als Fahrrad, sollte sich die Geschwindigkeit an einem Normalradler orientieren und da sind 25km/h schon durchaus großzügig. meiner Schätzung nach fahren die meisten Radfahrer in den Städten rund 20km/h. 25 ist schon eher selten, 30 und drüber gibt es natürlich auch,

    Interessant ist die Geschwindigkeitsdifferenz aus diversen Gründen. Als schnellerer Radfahrer (ca 35km/h mit der Liege) werde ich schon von Bekannten auf die Störung hingewiesen (nicht durch mich persönlich natürlich, man ist ja höflich ;-) viele empfinden, zB enges Überholen als unangenehm. Allerdings habe ich einen Vorteil, wenn ich hinter einem langsameren Radler hinterherzockel. Ich brauche mich weniger anzustrengen und das entspannt. Der Pedelecer hingegen hat durch langsam fahren keinen Vorteil. Er entspannt also nicht. Es steht zu befürchten an, dass durch eine höhere Pedelec-Geschwindigkeit mehr Stress auf den Radwegen entsteht.

    Anstatt einer Anhebung der Geschwindigkeit sollte man lieber daran denken, dass die EU-Richtlinie eine Abnahme der Unterstützung bei höheren Geschwindigkeiten vorsieht. Dann wären die 25km/h keine so harte Grenze und der Pedelecer würde sich nicht so gemaßregelt fühlen.

    Im übrigen sollten die meisten Pendler einen Füherschein haben. Was hindert die daran ein S-Pedelec zu kaufen?

  6.   Dietmar Clever

    Ich meine, dass die Grenze: “bis 25km/h Unterstützung”, schon ein sehr ordentliches Vorwärtskommen im Stadtverkehr ermöglicht. Besonders bei den Beschleunigungsphasen an den Ampeln kann ein Pedelec wunderbar mithalten. Geschwindigkeiten von 30 km/h und drüber müssen auch ersteinmal vom Radfahrer beherrscht werden. Da habe ich höchste Zweifel! Vorrangig sollte m.E die Verbesserung von Fahrdynamik und Reichweite von Pedelecs sein. Und wer es dann noch schneller haben möchte, kann sich doch ein Pedelec S zulegen.

    Wo ist also das Problem???

    Ich fahre pro Jahr fast 15000 km mit verschiedenen Rädern und werde bei 25 km/h in der Stadt durchaus ernst genommen.

  7.   Jaheira

    Mir würde Tempo 30 vor allem außerhalb der Stadt gefallen, z. B. auf Rad/Fußgängerwegen entlang der Bundesstraßen. Die sind übersichtlich und oft ziemlich leer.

    In der Stadt habe ich manchmal schon Angst, wenn ich 20 Kmh fahre. Die Infrastruktur hält nicht mit der Technik mit. Sie hält nicht mit den U70-jährigen mit.

    Ich habe keinen Führerschein, und ich lese nicht gerne: “Ich habe einen Führerschein, also haben alle einen Führerschein, und die, die keinen haben, sind nichts wert, die zähle ich nicht mit.”


  8. Die Argumentation, eine Geschwindigkeitsbegrenzung fuer Pedelecs mit unterstellten Defiziten von Fahrradfahrern in der Beherrschung ihres Gefaehrts zu begruenden, ist absurd. Genauso koennte man verlangen, dass ein Auto jenseits von 130 Stundenkilometern nur noch von zertifizierten Rennfahrern betrieben werden darf.

    Die Problematik, dass durch Pedelecs mehr ungeuebte Radfahrer auf der Strasse auftauchen, ist eine temporaere Erscheinung und wird durch zunehmende Fahrpraxis gemildert. Spaetere Generationen hoeren durch die Motorisierung mit dem Radfahren erst gar nicht auf und sind dann auch im Alter fitter.

    Ich selber bin Fahrer eines S-Pedelecs und im stadtnahen Bereich mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 30 km/h unterwegs. Viel mehr ist auch nicht drin, Ampeln und die gebotene Vorsicht begrenzen die Geschwindigkeit.

    Dabei ist gerade der Bereich zwischen 25 und 30 km/h wichtiger, als man denken sollte. Dies sind genau die 5 km, die zur Durchschnittsgeschwindigkeit auf innerstaedtischen Strassen fehlen und dem Radfahrer das Mitschwimmen erlauben, ohne dass Autos dauernd ueberholen.

    Es waere schon viel geholfen, wenn die Motor-Unterstuetzung beim normalen Pedelec nicht abrupt bei 25 km/h abbrechen, sondern bis 30 km/h sukzessive abnehmen wuerde. Damit wuerde die gefuehlte und gefuerchtete Gummiwand bei 25 km wegfallen.


  9. @Teil-Zeit: für unterschiedlich schnelle Krafträder gibt es unterschiedliche Anforderungen an die Fahrerlaubnis. Wieso finden sie diese absurd? Die Überlegung für Geschwindigkeiten über 130 eine spezifische Fähigkeit zu fordern, wäre sicher sinnvoll, wenn die Zahlen eine echte Gefährdung hergeben.

    Im übrigen werde ich mit gut 30 fahrend selbst in der Tempo 30 Zone noch überholt- teilweise noch kurz vor der roten Ampel. Da meine Höchstgeschwindigkeit mit meiner Fitness schwankt, finde ich das der Unterschied zwischen 25 und 30 nur klein ist, was die Autofahreragressivität angeht. Für grüne Welle reicht 30max hingegen oft nicht…

    In Holland (und nicht nur da) sind übrigens viele Alte auch unmotorisiert noch sehr fit. Will man Fitness, dann ist der Motor doch kontraproduktiv. Schafft man eine Notwendigkeit für Tempo 30 Fähigkeit, werden viele gezwungen sein ihre Muskelkraft durch eine Elektrokrücke (sorry) zu ersetzen. Da wäre es besser das Max-Tempo für die Unterstützung zu senken.

  10.   Sarah

    Auf der Straße wäre Motor-Unterstützung bis 30 km/h bei den Pedelecs sicher sehr wünschenswert. Allerdings kenne ich auch viele benutzungspflichtigen Radwege in meinem unmittelbaren Umfeld,bei denen bereits jedes Tempo über ca. 15 km/h schon allerhöchste Wachsamkeit und Vorsicht erfordert, weil die Wege gesetzliche Mindeststandards nicht genügen (nicht mal die Verwaltungsvorschriften für den Altbestand, geschweige denn die neuen ERA) und/oder gleichzeitig Radwege und rege benutzten Gehwege sind (Hundeleinen sind gefährlich. Keine Hundeleinen: auch). Ich möchte gar nicht daran denken, was passiert, wenn da noch mehr Leute mit 30 km/h unterwegs sind. Bei den schnellen Sportradlern weiß man wenigstens, dass sie relativ viel Fahrpraxis mitbringen, bei den Pedelec Fahrer ist das zwar wahrscheinlich, aber nicht selbstverständlich.

    Also: Zuerst Fahrbahnradeln als (nicht nur theoretischer) Regelfall, dann 30 km/h.