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Mit Bikesurfing kostenlos zum Leihrad

 

Als Olga Andreeva nach Berlin kam, hat sie sich ein Fahrrad ausgeliehen – umsonst. Nicht bei einer Freundin oder Bekannten, sondern über BikeSurf Berlin. Alles was die Verleiher für eine Woche Radausleihe von ihr wollten, war ihre E-Mail-Adresse. An diese schickten sie dann den Schlosscode und den Standort des Velos. Nach Ablauf der Leihdauer stellte Olga das Rad an dem vereinbarten Standort wieder ab.

Das Prinzip „Nutzen statt besitzen“ findet immer mehr Liebhaber. Die Menschen teilen bereitwillig: ihre Wohnung mit Reisenden – wie etwa beim Couchsurfing – oder Alltagsgegenstände, die sie selten oder gar nicht brauchen, in Tauschläden wie Leila in Berlin.

Von den genannten unterscheidet sich BikeSurf Berlin allerdings in einem Punkt: Die Fahrradverleiher erwartet keine Gegenleistung. Graham Pope, der Initiator des Non-Profit-Projekts, sieht vielmehr die Chance, „jeden Menschen mit dem besten, ökologischsten und gesündesten Fortbewegungsmittel der Welt zu versorgen – dem Fahrrad“.

In Berlin entwickelt sich sein Vorhaben gut. Das BikeSurf-Team – zehn Männer und Frauen – besorgt die Räder, pflegt sie und stellt sie Unbekannten zur Verfügung. Das erfordert ehrenamtliche Arbeit und Kunden, die sorgsam mit den Velos umgehen.

Bisher funktioniert das. 600 Menschen haben bei BikeSurf Berlin bereits Räder ausgeliehen. Damit hat Pope nicht gerechnet. Angefangen hat er im vergangenen Sommer mit zwei Rädern. Mittlerweile hat das Team 22 Exemplare im Fundus. Mehr geht nicht. Neben der Wartung kümmern sich die Ehrenamtler um Logistik und Werbung. Damit seien sie zurzeit am Limit dessen, was sie leisten könnten, sagt Olga Andreeva, die mittlerweile zum BikeSurf-Team gehört.

Der überwiegende Teil der Nutzer sind Touristen. Wer etwas spenden möchte, kann sich an diesem Richtwert orientieren: Wartung und Unterhalt eines Fahrrads kosten etwa 50 Cent pro Tag. Da sich das Team und die Kunden im echten Leben eigentlich nie treffen, spenden einige über die Website. „Manche BikeSurf-Kunden helfen uns aber auch und reparieren oder warten die Räder“, sagt Andreeva.

Ein Problem für das Team ist der Fahrraddiebstahl. Sechs Räder sind ihnen in den vergangenen Monaten gestohlen worden. Nachschub erhalten sie laut Olga Andreeva bei Versteigerungen der Polizei oder der Bahn. Manchmal bekommen sie auch ein Rad geschenkt.

Initiator Graham Pope hofft, dass seine Idee Nachahmer findet und man irgendwann in jeder Stadt der Welt kostenlos Fahrräder ausleihen kann. Im polnischen Krakau wurde die BikeSurf-Idee gerade kopiert: Dort kann man zurzeit zwei Räder ausborgen.

9 Kommentare


  1. Tolle Iddee, die hoffentlich noch mehr Menschen von den Vorzügen eines Fahrrades als effizientes Fortbewegungsmittel gerade im Großstadtbereich überzeugt.

    Dazu müsste natürlich auch endlich die Infrastruktur für Radfahrer nicht nur in Berlin endlich deutlich verbessert werden.


  2. Die Idee ist toll, nur habe ich Zweifel, ob es mit e-mail als einziger Sicherheit auf die Dauer funktionieren kann. Statt Fahrradklau einfach eine Junk-e-mail kreieren & Fahrrad abholen?


  3. Man muss ein Profil bei couchsurfing oder bewelcome haben um sich bei Bikesurfing anmelden zu können.

  4.   inselführer

    Die Idee ist nicht ganz so neu. Im Herbst 2013 ist mir in Bern aufgefallen, dass man an vielen Stellen in der Stadt ein Bike leihen kann und es dann an einer anderen Stelle wieder abgibt. Bis 4 Stunden ist die Ausleihe kostenfrei.

  5.   Björn Bikesurf

    @deutscherinparis ja das ist eine Möglichkeit. Wir müssen einfach trauen, dass jemand die kostenlose Service nicht nutzt um uns zu beschädigen. Wir fragen auch jetzt eine Kopie von Reisepass oder gültige Ausweis.

  6.   Radlqueen

    Schöne Idee und auch schön, dass es bislang offensichtlich funktioniert. Setzt aber natürlich voraus, dass die Leute mit den geliehenen Rädern sorgsam umgehen.
    Könnte man für viel mehr Sachen machen, die man nur sporadisch braucht.

  7.   vorTrieB

    Ich finde auch: Nix zum Getriebe zu schreiben, geht bei dem Rad nicht. Ich hätte außerdem gern gewusst, ob der Motor das HInterrad direkt antreibt oder da auch noch mal eine Übersetzung drinsteckt. Falls ersteres: Läuft er auch bei geringen Geschwindigkeiten beim Anfahren und für Bergauf wirklich rund & ruckfrei? Und: Was lässt sich zum Wirkungsgrad sagen? Wie gut oder schlecht fährt sich das Rad, wenn der Akku leer ist oder mal wieder nicht funktioniert?

  8.   Andrea Reidl

    © vorTrieB
    Das Pinion-Getriebe ist für Hamburg und das nahe Umland vollkommen überdimensioniert. Ich brauche die niedrigen Gänge nie beziehungsweise mir fehlt die Gelegenheit sie einzusetzen. Das Getriebe schaltet sich absolut ruckfrei.
    Zum Fahren ohne Akku: Es fährt sich wirklich sehr „fahrradig“. Man kann es gut ohne Motorunterstützung fahren ohne den Eindruck zu haben, das Rad bremst.

  9.   St--Pedali

    Nachahmenswert, sollte Hamburg auch haben. Ich würde glatt dabei helfen.
    http://st-pedali.blogspot.de