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Ein Faltrad, so groß wie die Aktentasche

 
© Tecnologie Urbane
© Tecnologie Urbane

Falträder sollen klein und leicht sein. Das europäische Forschungsprojekt Bike Intermodal hat einen Winzling entwickelt: ein Faltrad in Aktentaschenformat mit einem Gewicht von 7,5 Kilogramm. Damit macht es Rennrädern Konkurrenz. Auch beim Design und den verwendeten Werkstoffen schlagen die Forscher aus Italien, Schweden, der Schweiz und Deutschland neue Wege ein.

Das Packmaß des Prototypen ist beeindruckend. Gerade mal 50 x 40 x 15 Zentimeter haben die Forscher für das Rad angegeben. Der aktuelle König des kleinen Faltens, das Brompton, ist mit 57 x 58 x 27 Zentimetern eindeutig eine Nummer größer. Außerdem bringt es 1,5 Kilo mehr auf die Waage als das Bike Intermodal.

Auffällig sind die kleinen Laufräder des Prototypen. Sie erinnern an die Räder von Rollern oder Kinderwagen. Ob es sich damit gut über Unebenheiten, schlecht abgesenkte Bordsteinkanten oder Kopfsteinpflaster rollt, muss sich zeigen.

Interessant ist jedoch die Bauweise. Das Kernstück des Fahrrads ist ein vorgespannter Rahmen, der sich laut Forscher wie das Fahrgestell eines Flugzeugs öffnen und schließen lässt. Er soll aus Aluminiumguss oder Magnesium sowie Stahlkabeln aus dem Segelsport hergestellt werden. Jedes Bauteil des Fahrrads soll vollständig wiederverwertbar sein, außerdem besonders robust, leicht und widerstandsfähig.

Tecnologie Urbane, ein Design-Unternehmen aus Italien, ist einer der wichtigsten an dem Projekt beteiligten Partner und Gründer des von Bike Intermodal ausgegliederten Start-ups. Derzeit führt das Unternehmen Gespräche mit einer Reihe von Venture-Kapitalgebern sowie der Automobilindustrie, um den Prototyp auf den Markt zu bringen.

Langfristig soll es das Fahrrad auch mit Motor geben. Nach Angaben der Entwickler könnte das Rad als konventionelles Fahrrad oder auch als Pedelec gebaut werden. Der Projektpartner Maxon Motor hat anscheinend bereits einen eigenen Antrieb entwickelt. Er soll den Fahrer unterstützen – in welchem Umfang, ist nicht klar. Bisher ist dazu nur zu hören, der Motor solle kein „übermäßiges Gewicht“ hinzufügen. Sonst wird dazu nur gesagt: „Sogar mit Motor wiegt das Fahrrad nahezu die Hälfte eines vergleichbaren Faltrads ohne Elektroantrieb und nimmt dabei nur etwa ein Fünftel des Platzes in Anspruch.“

1,58 Millionen Euro Fördergeld erhielt das Forschungsprojekt Bike Intermodal  von der Europäischen Union. Ohne E-Motor soll das Faltrad etwa 1.000 Euro kosten, mit 1.500 Euro. In den Videos hier und hier bekommt man einen kurzen Eindruck von dem Rad.

3 Kommentare

  1.   Captain Kirk

    Leider sieht man auf der Faltanimation nicht was mit den unzähligen Kabeln im gefalteten Zustand passiert. Ebenso interessant wäre es zu wissen wie die Vorspannung auf das System aufgebracht werden soll, die für einen verwindungssteifen Rahmen unabdingbar ist. Die Erfahrung zeigt, das ein Faltrad mit der Anzahl der Faltgelenke beim Faltmaß gewinnt, aber auch an Gewicht und Komplexität (Kosten) zulegt. Man sieht den Renderings unschwer an, daß die Konzeption von Designern und nicht von Technikern stammt. Auf dem Weg zur Serienproduktion wird sich zeigen das die vollmundigen Versprechungen bezüglich Gewicht, Faltmaß und Kosten nicht zu halten sein werden. Aber klar, klappern gehört zum Geschäft, und für 1,5 mio muss man auch mal etwas lauter klappern.

  2.   Dominik

    Gibt es zu dem Faltrad schon ein update? Mich würde interessieren, ob das schon auf dem Markt angekommen ist. Wäre ein interessantes Thema für meinen Klapprad Blog
    Grüße, Dominik

  3.   Andrea Reidl

    © Dominik
    Ich habe keine weiteren Infos. Auf der Webseite ist auch schon lange nichts mehr passiert. Nachfragen können Sie aber hier: http://www.bike-intermodal.eu/