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Mit wenigen Handgriffen zum Lastenrad

 

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Nele Dittmar hat kein Auto. Sie fährt in Halle jede Strecke mit dem Rad und erledigt damit all ihre Einkäufe. Ihre Wasserkästen konnte sie allerdings nie mit dem Fahrrad transportieren. Ihr Nachbar sprang da lange Zeit mit seinem Auto ein – bis Dittmar sich ein eigenes Lastenrad baute.

Im Rahmen ihres Industriedesign-Studiums sollte sie vor einem Jahr ein Lastenrad entwerfen und bauen. Wie es nicht sein sollte, merkte sie während Probefahrten bei einem Leipziger Transporträder-Händler: Die ein- und zweispurigen Fahrzeuge waren ihr alle zu behäbig. Für die Bikepolo-Spielerin war schnell klar: Ihr Lastenrad sollte agil beim Fahren sein, möglichst kompakt und es sollte einen möglichst kleinen Wendekreis besitzen.

Ihr Wunschrad war ein Lastenrad, das sich fährt wie ein ganz normales Fahrrad. Nur eben mit der Zusatzoption Ladefläche. Da diese nur bei Bedarf auftauchen sollte, brauchte sie ein klappbares System. Es sollte so breit sein wie ein normales Rad – also die Pedale nicht überragen – und in etwa so lang wie ihre alte Gazelle.

© Nele Dittmar
© Nele Dittmar

Vier Monate später stand es vor Nele Dittmar: ihr selbst konstruiertes Lastenrad. Zwei U-förmige Bügel, die am Unterrohr befestigt sind, dienen als Halterungen für die Ladefläche, eine Bäckerkiste. Bei Bedarf klappt Dittmar die Bügel aus, die dann auf der Unterseite der Bäckerkiste einrasten. So kann die Box während der Fahrt nicht seitlich ausschlagen. Außerdem wird die Kiste mit vier Riemen am Oberrohr stabilisiert.

In der Bäckerkiste haben zwei Wasserkisten Platz, die Radbastlerin kann darin aber auch sonstige Einkäufe transportieren. Für kleineres Gepäck befestigt sie Packtaschen an den geschlossenen Bügeln.

Eine weitere Besonderheit ist die Lenkung des Lastenrades. „Die Kettenlenkung war nahe liegend“, sagt Dittmar. Diese Art der Steuerung verschafft ihr die gewünschte Wendigkeit beim Fahren, außerdem verursacht sie so gut wie keinen Lenkwiderstand.

© Nele Dittmar
© Nele Dittmar

Mit 19 Kilogramm ist das Lastenrad recht leicht. Nele Dittmar kann es problemlos Treppen hinauf und hinunter tragen und es auch in der Bahn mitnehmen. Ab Frühjahr/Sommer 2015 will sie mit einem Rahmenbauer ihr Lastenrad auch auf Kundenwunsch herstellen. Jedes Rad wird eine Maßanfertigung.

Nele Dittmars Konstruktion zeigt deutlich: Es muss nicht immer ein Modell nach dem Vorbild Long John sein.

© Nele Dittmar
© Nele Dittmar

 

25 Kommentare

  1.   klaus

    @ ede wolf (22)

    „Außerdem schaut mir Nele nicht so aus als ob sie die Kosten für einen Unfall mit Personenschäden privat bezahlen könnte“

    was manche menschen so aus nem foto auslesen können.

    nach ihrem post bin ich mir sicher, dass sie einen schmerbauch haben und über einen realschulabschluss verfügen. von ihnen geht daher eine erhöhte gefährdung für die zukunftsfähigkeit unserer gesellschaft aus, weswegen unbedingt ihr wahlrecht eingeschränkt, ihre krankenkassenabgaben erhöht und ein verpflichtender anti-konfliktkurs durchgeführt werden muss.
    die leute… *kopfschüttel*


  2. „sollte m.E. auf solche Sachen wie die Kettenlenkung verzichtet werden da hier keine starre Verbindung, wie die StVO fordert, vorhanden ist.“

    Früher waren die Menschen da mutiger. Oder leichtsinniger, je nach Standpunkt:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Dampfwalze#Technik
    …Die Lenkung erfolgt mittels eines Schneckengetriebes und einer auf die Vorderwalze wirkenden Kette…

  3.   leihing

    Naja, die Kette um den Lenker zu „verlängern“ scheint nir ned so das „Ei des Kolunbus“. Wenn die absringt möchte ich ned mal mit 3Km/h unterwegs sein.

    Ansonsten eine Idee, nett, aber unter den Lastenrädern ned die einzige.

  4.   Ede Wolf

    das Rad schaut schon schick aus ….
    Aber wenn solche Eigenkonstruktionen schwer beladen im Straßenverkehr unterwegs sind sollte m.E. auf solche Sachen wie die Kettenlenkung verzichtet werden da hier keine starre Verbindung, wie die StVO fordert, vorhanden ist.
    Die gleiche Frage stellt sich für die Bremsen, die Stabilität des Rahmens und der scheinbar nicht vorhandenen beleuchtungsanlage.
    Lastenfahrräder sollten über eine Zulasung, eine Haftpflichtversicherung und eine regelmäßige TÜV Abnahme verfügen da von Ihnen ein ungleich höheres Gefährdungspotential ausgeht.
    Außerdem schaut mir Nele nicht so aus als ob sie die Kosten für einen Unfall mit Personenschäden privat bezahlen könnte

  5.   Antiautor

    „Ich schliesse mich den restlichen Kritikern jedoch bzgl. der Lenkung an, da eine Kettenkonstruktion über kurz oder lang ausleiert und dann unpräzise wird.“

    Mit Verlaub, das ist Unsinn. Die auftretenden Kräfte sind so klein, da wird in 100 Jahren nix unpräzise. Auch das schon befürchtete Abspringen der Kette wäre erst dann zu erwarten, wenn das Rahmenrohr knickt.

  6.   Bastian

    Idee und Ausführung finde ich ganz hervorragend. Ich schliesse mich den restlichen Kritikern jedoch bzgl. der Lenkung an, da eine Kettenkonstruktion über kurz oder lang ausleiert und dann unpräzise wird. Ich finde ein Lenkgestänge um Längen attraktiver, da es auch nur auf einer Seite erforderlich wäre, filigraner ausfällt als die beiden Ritzel und vermutlich auch leichter sein wird.
    Eine Fertigung in fillet brazed ist sehr hübsch und puristisch, ich würde mir aber im Sinn einer stärkeren Verbreitung dieser Lösung aber auch eher eine Mig/Mag-geschweisste Lösung wünschen. Wie auch immer: Weiter viel Erfolg damit, Nele!

  7.   R. Rat

    Was genau soll denn jetzt mit einem solchen Lastenrad transportiert werden?

    Für viele gewerbliche Nutzer wird eine Bäckerkiste nicht ausreichend Platz bieten. Und im Privatbereich lässt sich die große Sporttasche oder der Supermarkteinkauf auch mit dem normalen Fahrrad transportieren; für ein Billy-Regal ist auch das Lastenrad zu klein. Bleiben also eigentlich nur noch die oft genannten Getränkekisten. Aber wer kauft sich deshalb gleich ein Lastenrad? Diese Räder sind schwer, unhandlich und teuer; gleichzeitig ist das zusätzliche Transportvolumen gegenüber dem normalen Fahrrad zu gering und im Alltag kaum nutzbar, zumindest nicht regelmäßig, und für seltene Fahrten reicht ein Anhänger.


  8. Genial! Da können alle männlichen Konstrukteure der letzten 100 Jahre den Hut ziehen, ihn hinwerfen und drauf rumtrampeln. Weiberpower at its best.

    Das Ding noch mit E- Unterstützung und als Reiserad… ich bin begeistert.

    Hoffentlich hat die junge Frau das Muster patentieren lassen.

  9.   Jens Siegfried

    Ich mag es auch. Bis 2.500 € wäre es mir wert, wenn es noch vorne wie hinten gefedert ist.
    Jaja, das Leben ist kein Wunschkonzert, ich weiß.

  10.   willE28

    Hhmm, ein interessantes Konzept. Aber auch hier bleibt der große Nachteil, den imho alle Lastenräder/Anhängerlösungen haben:
    Ich will morgens (wie im Text beschrieben) nur zur Arbeit – und auf dem Weg nach Hause dann noch den Einkauf mitnehmen. Blos wo nehme ich dann die Bäckerkiste her? Nehme ich sie morgens mit, verliert das Konzept seinen Vorteil. Jedes mal extra eine kaufen, dann wird es irgendwann sehr teuer.
    Fahre ich von zu Hause extra zum Getränkeeinkauf brauche ich keine extrateure Individuallösung. Dann geht eben auch der Anhänger oder das alte Postrad.

    Konzepte dieser Art halte ich trotzdem für sinnvoll – vielleicht führt das ja auch mal zu einer Änderung in anderen Bereichen (Logistik) – z.B., wenn man sich eine Bäckerkiste leihen könnte.