Das Kunstblog

Schonungslos und direkt

Von 22. April 2011 um 09:01 Uhr

Wozzeck (Roman Trekel), Doktor (Pavlo Hunka) © Foto Bernd Uhlig

Daniel Barenboim und Andrea Breth bringen ein letztes Mal Wozzeck auf die Bühne.

Barenboim hat Alban Bergs (1885-1935) atonale Oper bereits 1994 mit der Staatskapelle Berlin aufgeführt. Diesmal hat die Regisseurin Andrea Breth das Kriegsdrama inszeniert – und schafft beklemmende Bilder für das Elend auf der Bühne. Die letzte Aufführung in dieser Spielzeit ist unbedingt sehenswert.

An der Produktion fasziniert, dass sie in jeder Hinsicht ein Konzentrat ist: die Handlung bedrückend, die Musik fordernd, die Bilder grausam. Wozzeck rackert sich für den Unterhalt des uneheliches Kindes ab. Vom Umfeld schikaniert und von der Freundin mit einem Tier von Mann betrogen, sieht er keinen anderen Ausweg als Marie zu erstechen. Seine Misere spielt sich vor minimalistischer Kulisse ab. Ob klaustrophobische Kammer, gespenstisches Karussell oder angedeuteter Waldsee – immer zeichnen sich die Figuren gestochen scharf vor der Dunkelheit ab. Die Kontraste sind so hart wie die Handlung und vor allem stürzt dazu diese ungewohnt komplexe Komposition von Alban Berg auf einen ein. Und so verlässt man das Schillertheater nach nicht einmal zwei Stunden sichtlich mitgenommen – und um eine wichtige Erfahrung bereichert.

P.S.: Der ZEIT fehlt bei der Premiere trotz aller Abgründe der Schwindel: Breth habe sich bei der Inszenierung zu wenig eingemischt, Barenboim müsse noch an den Details feilen. Die Sueddeutsche Zeitung (N° 90) spricht hingegen “von voluminöser musikaler Intensität” und einer Inszenierung, die “Mitfühlen szenisch glaubhaft” macht. In jedem Fall lohnt sich der Besuch.

18 Uhr | 24. April 2011 | Staatsoper im Schillertheater | Bismarkstraße 110 | Berlin Charlottenburg

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