Das Kunstblog
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Performance

Spontandemonstration, noch jemand?

Von 3. Mai 2011 um 09:00 Uhr

Der Bürgerinitiativengenerator in Aktion © NH/Filter

In einer halben Stunde von der politischen Idee zur funktionierenden Bewegung – der Bürgerinitiativengenerator machts möglich.

Wer den 1. Mai warum in Kreuzberg verbrachte, war nicht immer ersichtlich. Um das Kottbusser Tor ging es jedenfalls voll, laut und alkoholschwanger zu. Einzig beim Bürgerinitiativengenerator (BIG) herrschte konzentrierte Ruhe: Denn hier produzierte die Theorie- und Praxisgemeinschaft Dr. Fahimi Demonstrationen am laufenden Band. Weiter…

Auf Tauchgang

Von 22. April 2011 um 09:00 Uhr

Der Projektraum LEAP verwandelt sich in einen Klangkörper.

Das Label Ergodos kuratiert von nun an viermal im Jahr Klangkunst-Wochenenden im Projektraum LEAP. Ob aus Irland oder Berlin, der Fokus der vorgestellten Komponisten, Klang- und Performancekünstler liegt dabei auf musiktheoretischen Aspekten. Aber keine Angst, das liest sich verkopfter als es in der Praxis klingt.

Den Anfang macht die Komponistin Linda Buckley mit ihrer Komposition Immersia. Die ist das Leitmotiv des Wochenendes, auf das sich sowohl die heutige Performance als auch eine Soundinstallation beziehen. Letztere erstreckt sich über zwei Räume und beinhaltet eine Blackbox, wo sich das Publikum von einem Loop aus Video- und Audiobeiträgen einlullen lassen kann. Und zur Eröffnung trägt Michelle O’Rourk Stücke für Gesang und Elektronik vor.

Österlich ist das nicht gerade, aber Bach kommt trotzdem vor…

20 Uhr | 22. April 2011 | LEAP | Karl Liebknecht Straße 13 | Berlin Mitte

Lecture in der Performance

Von 19. April 2011 um 16:00 Uhr

Egill Sæbjörnsson übernimmt mit Recreating the world at the speech desk spontan #4 der performancelectureseries bei Johann König.

Der isländische Künstler und Musiker macht herrlich verrückte Arbeiten; seine absurden Szenerien collagiert Sæbjörnsson aus Performance, Video, Grafik und Musik. Dabei funktionieren seine Installationen wie Kulissen, Alltagsgegenstände nutzt er für Spezialeffekte und die Protagonisten mimt er gerne persönlich.

Sæbjörnsson hat ein besonderes Faible für das Spiel mit Realitätsebenen und performt auch heute zum Thema Künstler und Welt – in seiner eigenen Arbeit.

19.30 Uhr | 19. April 2011 | Galerie Johann König | Dessauer Straße 6-7 | Berlin Mitte

Kategorien: Berlin Mitte, Performance

Aus Liebe zu Japan

Von 15. April 2011 um 10:01 Uhr

Geld sammeln kann jeder. Aber das Radialsystem V zeigt mit der Benefiz-Nacht für Japan kulturelle Verbundenheit.

Selbst wenn Japan ein reiches Land sei, bei einem Unglück diesen Ausmaßes müsse man einfach helfen, schreibt der Klangkünstler und Komponist Hans Peter Kuhn. Er arbeitet sowohl in Berlin als auch in Japan und moderiert die lange Japan-Nacht am Radialsystem V. Für alle teilnehmenden japanischen und Japan liebenden Künstler, war die Organisation der Benefizveranstaltung eine Herzensangelegenheit.

In gerade einmal zwei Wochen hat das Radialsystem V gemeinsam mit Sasha Waltz & Guests eine Nacht von beachtlich strammem Programm auf die Beine gestellt. Die Kombination aus Musik, Tanz und Performances klingt zwar nach tragischem Varieté, aber das Format sollte auch zur Langen Nacht der Opern und Theater passen. Entsprechend können die Besucher den ganzen Abend bleiben oder Tickets für einzelne Programmblöcke erwerben.

Die Entscheidung dürfte ihnen allerdings nicht leicht fallen, denn die Veranstaltung ist durchweg hochkarätig besetzt: Für den Schwerpunkt Japanische Kompositionen sprechen beispielsweise der Komponist Toshio Hosokawa sowie die Künstlerin und Tänzerin Junko Wada. Im Programmblock Neuere Musik treten die Sopranistin Barbara Hannigan, der Stimmkünstler David Moss sowie Sasha Waltz persönlich auf.

Außerdem hat die Jazzpianistin Aki Takase für Aki Takase & Friends ihr Umfeld aktiviert, darunter den Gitarristen Olaf Rupp und den Jazzpianisten Alex von Schlippenbach. Takase selber knüpft nicht nur an die bewährte Zusammenarbeit mit dem Bassklarinettisten Rudi Mahall an, sie tritt außerdem auf mit der Schriftstellerin Yoko Tawada.

“Als mich die Nachricht über das Ausmaß der Katastrophe erreichte, wollte ich unbedingt helfen. Glücklicherweise hatte ich die Gelegenheit mit Joko Tawada, Jochen Sandig, Sasha Waltz und ihren Kollegen darüber zu sprechen. Sie haben erklärt, ein Benefizkonzert im Radialsystem organisieren zu wollen. Und alle angesprochenen Künstler haben sofort versprochen mitzuspielen“, berichtet Takase.

Mit dem Erlös aus der langen Japan-Nacht unterstützt die Care-Nothilfe den Wiederaufbau der vom Erdbeben betroffenen Regionen.

20 Uhr | 16. April 2011 | Radialsystem V | Holzmarktstraße 33 | Berlin Friedrichshain

Im Herzen allen Übels

Von 14. April 2011 um 10:30 Uhr

Die Kompanie Gira Dança tanzt im Alexa für eine bessere Gesellschaft.

Freiwillig das Alexa betreten? Ausnahmsweise lohnt es sich. Denn die Kompanie Gira Dança macht die Passanten zu Protagonisten ihrer Choreografie. Das Stück A Cura beschäftigt sich mit der Rolle des Einzelnen in einer voreingenommen, hektischen, egoistischen und konsumgeilen Gesellschaft. Es fragt, wie sich die vom Menschen gemachten Probleme heilen lassen. Die Kompanie hat A Cura in gerade mal vier Monaten entwickelt, Recherche und Dialoge inklusive. Es gehört, genau wie die heutige Intervention, zum Programm des Festivals move Berlim.

Die im Alexa stattfindende Performance A Cura – Intervention im Stadtraum basiert auf der Choreografie der Bühnenversion – nur dass die Tänzer im Alexa den räumlichen Kontext aufgreifen und auf das vorbei laufende Publikum reagieren. Die Passanten greifen dadurch aktiv in das Stück ein, bestimmen Bewegungen und Motive.

Fragt sich nur, ob die Intervention eine heilsame Erfahrung für die Berliner Konsumenten wird oder doch eher ein traumatisches Erlebnis für die Tänzer aus Brasilien…

16 Uhr | 14. April 2011 | Erdgeschoss des ALEXA | Eingang Dircksenstraße/Voltairestraße | Berlin Mitte

Der Körper als Schauplatz sozialer Ungerechtigkeit

Von 8. April 2011 um 10:01 Uhr

Rotulo © Renata Marques

Das Festival Move Berlim präsentiert neuen brasilianischen Tanz.

Die eingeladenen Choreographen und Tänzer kommen aus den unterschiedlichsten Regionen Brasiliens. Zehn Tage zeigen sie am HAU neue Produktionen – und machen den Körper wahlweise zum Schauplatz sozialer Ungerechtigkeit oder zur Projektionsfläche für Schönheitsideale.

Die Kuratoren Wagner Carvalho und Björn Dirk Schlüter haben sich für  harte Themen entschieden. Die Stücke handeln von Armut und Bürgerkrieg, Sexualität und Behinderung. Nicht um der Sensation willen, sondern weil diese Direktheit den brasilianischen Tanz auszeichnet, erklären die Kuratoren. Aber darüber lässt sich bestimmt noch einmal bei einer der Podiumsdiskussionen streiten, die nach den Auftritten stattfinden. Ansonsten bleiben diverse Workshops und Performances, die andere Facetten der zeitgenössischen Tanzszene betrachten. Hier das Programm.

Erst einmal eröffnet der Choreograf Marcelo Evelin das Festival mit seinem Stück Mataduro (Schlachthof). Es basiert auf dem Roman Krieg im Sertao (1902) von Euclides da Cunha über den blutigen Kampf zwischen der herrschenden Klasse und ehemals versklavten Schwarzen im ausgehenden 19. Jahrhundert. Die Tänzer verkörpern das gewaltsame Kräftemessen zwischen Unterdrückern und Unterdrückten. Nackt.

Einen weniger rabiaten Einstieg bietet am Wochenende die Doppelperformance von Paula Carneira Dias und Charlene Sadd: In Para o Herói: Experimentos sem Nenhum Caráter – Corpo sobre Papel (Für den Helden: Experimente ohne jeglichen Charakter – Körper auf Papier) absorbiert die Performerin die Charaktere des Textes, über den ihr Körper gleitet. Dabei handelt es sich um den Roman Macunaíma (1928) mit dem Mário de Andrade gegen die Kolonialära anschrieb.

Und in der Performance Rotulo – As Impressoes do Corpo ( Etikett – die Eindrücke des Körpers) setzt sich Sadd mit dem Körper als Ware auf dem Markt des sozialen Zusammenlebens auseinander, dem Wert des Erscheinungsbildes sowie den Mechanismen der Vermarktung. Dabei stehen die ästhetischen Anforderungen an den weiblichen Körper im Vordergrund.

18 Uhr | 09. & 10. April 2011 | HAU 3 | Tempelhofer Ufer 10 | Berlin Kreuzberg

Tschüss und Hallo in der Deutschen Oper

Von um 10:00 Uhr

© Julia Winter

Mit der Performance Kosmoschaoskosmos erobert die Deutsche Oper profanen Raum und nimmt Abschied vom kulturellen Harms-Erbe.

Mit Kosmoschaoskosmos endet die Kosmos-Veranstaltungsreihe, bei der Sänger, Musiker und Mitarbeiter im Haus experimentelle Opern-Halbwelten gestaltetet haben. Das Team um den Bühnenbildner Bernd Damovsky tobt sich nun ein letztes Mal in der ehemaligen Tischlerei aus. In einer Art Langzeitbelichtung inszeniert es die Werkstatt als Zwischenraum, in dem Charaktere, Bilder und Musik vergangener Aufführungen herumgeistern. Zu sehen gibt es Kulissen, Requisiten und musikalische Zitate aller szenischen Premieren unter der scheidenden Intendantin Kirsten Harms.

Die Performance symbolisiert sowohl Abschied und Austreibung als auch Neuanfang, heißt es in der Ankündigung. Während die Tischlerwerkstatt ab sofort als Theaterraum dient, kommt Neu-Intendant Dietmar Schwarz erst 2012.

Egal, klingt jedenfalls nach einer spannenden Austreibung!

21 Uhr | 08. April 2011 | Tischlerei der Deutschen Oper Berlin | Bismarckstraße 35 | Berlin Charlottenburg

Auf zum Characterwalk!

Von 7. April 2011 um 10:01 Uhr

Seit 2004 zieht das Festival Pictoplasma jährlich Künstler und Illustratoren nach Berlin, die sogenannte ”Characters“ erschaffen.

Drei Tage lang präsentieren die Konferenzteilnehmer einander ihre neusten Kreationen, diskutieren und feiern gemeinsam. Auf dem Programm stehen neben Fachvorträgen und Screenings diverse Parties und Konzerte, die – Achtung – die dramaturgischen, musikalischen und räumlichen Dimensionen der zeitgenössischen Character-Kultur ausloten. Achja, Character-Kunst gibt’s natürlich auch. Ein Characterwalk verbindet die 25 ausstellenden Galerien und Kunsträume in Mitte.

Am Samstag findet an der Volksbühne eine wilde Abschlussveranstaltung statt mit Animationen des japanischen Grafik-Künstlers Motomichi Nakamura, einem Piano-Konzert von Maximilian Hecker, einer Performance des amerikanischen Elektro-Entertainers Dan Deacon und mit Yeti’s als Hosts. Denn der Abend unter dem Motto The Missing Link enthüllt ENDLICH die yeti’sche Vergangenheit, die Sehnsüchte der scheuen Wesen – und vor allem, wie es sich mit ihnen feiert.

20 Uhr | 09. April 2011 | Volksbühne | Linienstraße 227 | Berlin Mitte

Für Ohren und Augen: eine Woche MärzMusik

Von 18. März 2011 um 10:00 Uhr

Intonarumori, Transart, 2010 © Gregor Kuehn

Das Festival für aktuelle Musik feiert sein 10-jähriges Jubiläum. Das Leitmotiv 2011 lautet “Klang Bild Bewegung”.

Die digitalen Medien haben die technische Umsetzung des Gesamtkunstwerkes vereinfacht. Nur macht das intermediale Arbeiten noch lange nicht zu Kunstwerken. Mit dem Festival MärzMusik präsentieren die Berliner Festspiele sowie diverse Kooperationspartner gelungene oder zumindest erfolgsversprechende Projekte. Bei den Beiträgen handelt es sich nämlich oft um Auftragsarbeiten, erklärt der Festivalleiter Matthias Osterwold im Interview mit dem Tagesspiegel.

Für dieses Jahr haben sich die Musiker und Künstler mit dem Verhältnis von Musik und bewegten Bildern auseinandergesetzt. Und so reicht das einwöchige Programm von neuer Musik zu alten Filmen über musikalische Videokunst bis hin zu Performance-Installationen.

Weil das Festpielhaus wegen Renovierung derzeit geschlossen hat, befinden sich die Spielstätten über die Stadt verteilt. Rebecca Sander eröffnet das Festival heute Abend im Café Moskau. Musiker und Zuhörer erlaufen sich dort ihre Komposition Chroma. Außerdem gedenkt Michael Vorfeld der Glühlampe mit seiner Klanginstallation Light Bulb Music.

Am Samstag begleitet dann das Ensemble Modern in der Volksbühne die restaurierte Fassung von Metropolis (1927) mit Musik von Martin Matalon. Und im Babylon Mitte vertont die Komponistin Misato Mochizuki das proto-feministische Drama Taki no shirato (1933) von Kenji Mizoguchi. (Im Babylon finden während des Festivals übrigens auch die Mitternachtscreenings von Filme hören statt. Dort werden Filme gezeigt, die nicht zuletzt aufgrund ihrer außergewöhnlichen Tonspur Bedeutung erlangt haben.)

Im Radialsystem V lärmt am Sonntag Das Orchester der Futuristischen Geräuscherzeuger oder kurz: der Intonarumori. Die Intonarumori gehen zurück auf einen Entwurf von Luigi Russolo (1885–1947). Der futuristische Maler und Komponist präsentierte 1913 Instrumente für die Musik eines von Großstädten und Maschinen geprägten 20. Jahrhunderts. Zwar gingen die Originale verloren. Aber die italienische Komponistin Luciano Chessa hat für das Performa Festival in New York 16 der Geräuscherzeuger rekonstruiert und zeitgenössische Komponisten wie Blixa Bargeld und Mike Patton um neue Werke gebeten - und das sind nur einige der vielen Optionen für dieses Wochenende.

Falls das ohnehin schon verplant sein sollte: In der Philharmonie tritt Montag das New Yorker Ensemble Alarm Will Sound auf. Die 20-köpfige Truppe hat sich auf die Bearbeitung elektronischer Musik für akustische Instrumente spezialisiert. Und im Hamburger Bahnhof findet What Got You Here, Won’t Get You There statt, eine Performance-Installation des isländischen Künstlers und Musikers Egill Sæbjörnsson und der brasilianischen Regisseurin und Schauspielerin Marcia Moraes.

Nein, kein Aufatmen. Der Rest der Woche wird ähnlich turbulent; der Download des Festivalprogramms lohnt sich also.

18.-24 März 2011 | siehe Programm

Screen Off (Sound of Cinema)

Von 16. Februar 2011 um 11:00 Uhr

Tony Conrad, Yellow Movie 3/31-4/2/73, 1973 © Courtesy Galerie Daniel Buchholz, Köln/Berlin

Mit Action for Cinema on Air (Ursendung) versuchen sich Deutschlandradio Kultur und Forum Expanded an einer experimentellen Klangprojektion.

Für 50 Minuten verwandeln die Künstler Tony Conrad, Keren Cytter, Dani Gal/Achim Lengerer und Natascha Sadr Haghighian das Arsenal in den Resonanzraum eines Radioexperimentes zum Thema Klangkunst im Film. Zeigen dürfen sie zwar nichts. Dafür können sich die fünf Künstler aus den Bereichen Audio-, Video- und Medienkunst aber akustisch austoben. Deutschlandradio Kultur überträgt seine Klangprojektion ins Radio.

Wer’s verpasst: Am 28. Februar läuft die Wiederholung.

17.30 Uhr | 16. Februar 2011 | Arsenal 1 | Potsdamer Straße 2 | Berlin Mitte