Bilder, die Geschichten erzählen

Reise nach Nordkorea

Von 13. April 2010 um 11:04 Uhr

Unterwegs in Nordkorea: Autobahnen ohne Verkehr. Fotografieren ist nur an Raststätten erlaubt. Unterwegs einmal anzuhalten, ist nicht möglich. „Aus Sicherheitsgründen“, wie es die staatlichen Reisebegleiter formulieren. © Malte E. Kollenberg

„Bitte fotografieren Sie immer die gesamte Statue und schneiden Sie nichts ab“: Wenn es um Herrscherkult geht, überlässt das nordkoreanische Regime ungern etwas dem Zufall. Die Kim Il Sung-Statue gehört zum Standardprogramm, wenn westliche Besucher durch die Hauptstadt Pjöngjang geführt werden. Rechts im Bild Herr Myong – der offizielle Aufpasser an der Seite unseres Fotografen. © Malte E. Kollenberg

Selbst in der U-Bahn sind der „Ewige Präsident“ und der „Geliebte Führer“ stets präsent: Bilder von Kim Il-sung und Kim Jong-il hängen in jedem Abteil. © Malte E. Kollenberg

Blick auf den Bahnhof in Pjöngjang – eine Aufnahme, die streng genommen schon nicht gestattet war. Militärisch wichtige Anlagen, dazu zählen für Nordkoreas Führung selbst Bahnhöfe, dürfen von Reisenden nicht fotografiert werden. © Malte E. Kollenberg

Englisch-Unterricht in der „Großen Studienhalle des Volkes“ in Pjöngjang: Eine Professorin ruft englische Sätze in ein Mikrofon, die von den Studenten wiederholt werden – wieder und wieder. © Malte E. Kollenberg

Der „Juche“-Tower steht auf der Ostseite des Taedong-Flusses in Pjöngjang. „Juche“ löste Ende der 70er Jahre den Marxismus-Leninismus als Nordkoreas zentrale Ideologie ab. © Malte E. Kollenberg

Seltene Momente ohne Beaufsichtigung: Während der Fahrt zwischen Pjöngjang und Peking aus dem Zugfenster fotografiert – ein Uniformierter, der einen Ochsenkarren führt. Dass es in Nordkorea Armut gibt, wird zwar von offizieller Seite bestritten. Mehrfach wurde in den vergangenen Jahren jedoch über gravierende Versorgungsengpässe und auch Hungersnöte berichtet. © Malte E. Kollenberg

Ein nordkoreanisches Hochzeitspaar in der Lobby des Hyangsan-Hotels, im Myohyang-Gebirge. © Malte E. Kollenberg

Die schmale Betonstufe am Boden markiert die Grenze zwischen Nord- und Südkorea. Soldaten beider Staaten stehen sich hier direkt gegenüber – im Vordergrund die nordkoreanische Seite. Formal gesehen befinden sich die beiden Länder noch im Kriegszustand. Nach dem Korea-Krieg wurde 1953 lediglich ein Waffenstillstand geschlossen. © Malte E. Kollenberg

Nordkoreanisches Visum: Das Einlegeblatt im Reisepass unseres Fotografen, ausgestellt durch die Botschaft der Demokratischen Volksrepublik Korea in Peking. Bemerkenswert ist die links unten eingetragene Jahreszahl 98. In Nordkorea wird nach dem „Juche“-Kalender gezählt – dieser beginnt 1912, im Geburtsjahr von Kim Il Sung. © Malte E. Kollenberg

Der Bamberger Journalist und Videoreporter Malte E. Kollenberg hatte 2009 Gelegenheit, eines der ungewöhnlichsten Reiseziele überhaupt zu besuchen: Nordkorea. Zusammen mit seinem Vater fuhr Kollenberg im Rahmen einer von den nordkoreanischen Behörden organisierten Reise in das sonst hermetisch abgeschottete kommunistische Land. Offiziell als “Student” gemeldet, fotografierte Kollenberg trotz massiver Einschränkungen und stets präsenter Aufpasser mit zwei seiner Kameras.

Die Bilder spiegeln die Kontraste Nordkoreas wider – farblose Kargheit des täglichen Lebens ebenso wie überbordenden Herrschaftskult. Nahezu unmöglich war es für die beiden Reisenden aus Deutschland, mit “nichtstaatlichen” Nordkoreanern ins Gespräch zu kommen – jede Kontaktaufnahme war verboten, selbst in Restaurants wurde auf “Sicherheitsabstand” geachtet.

In Zusammenarbeit mit Malte E. Kollenberg, der im Juni als freier Korrespondent nach Seoul/Südkorea geht, zeigen wir im ZEIT ONLINE Fotoblog nun erstmals eine Auswahl seiner Nordkorea-Bilder. Falls Sie mehr erfahren wollen – Malte E. Kollenberg liest mit und beantwortet gerne Ihre Fragen zu Nordkorea und seinen Eindrücken in den Kommentaren.

(Hinweis: In einer früheren Fassung dieses Artikels hatte sich ein kleiner sachlicher Fehler in eine Bildunterschrift eingeschlichen: In Pjönjang werden zwar auch U-Bahnen eingesetzt, die ursprünglich aus Berlin kommen. Für den hier abgebildeten U-Bahn-Wagen gilt dies jedoch nicht. Mehr über die U-Bahn in Pjönjang bei Wikipedia und pyongyang-metro.com)

Kategorien: Foto, Reportage
Leser-Kommentare
  1. 1.

    Beeindruckende Bilder, besonders das der leeren Autobahn. Das Land hat mich schon immer sehr fasziniert, in negativer Weise.

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    • 13. April 2010 um 13:52 Uhr
    • Michael B.
  2. 2.

    Sehr beeindruckende Bilder! Würd mich freuen, wenn mehr veröffentlicht werden!

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    • 13. April 2010 um 14:34 Uhr
    • Steve
  3. 3.

    Einige der Bilder erinnern mich sehr an Bilder aus den 60er/70er Jahren der DDR. Besonders die “Grosse Studienhalle des Volkes” und die Uniformen der Grenzsoldaten. Es ist schon erstaunlich, wie viele moderne Neuerungen, ob technischer Art oder einfach nur Lebensvereinfachungen, den Menschen doch vorenthalten werden. Haben sie ein Vermutung, wieso das so ist? Gesagt haben wird man es Ihnen wahrscheinlich nicht.
    Wie hat sich Ihr Eindruck des Landes und des Staatsorgans veraendert, als sie dort waren?
    Ich hoffe, ich bekomme eines Tages auch die Moeglichkeit, Nordkorea zu besuchen. Ich habe einige Freunde aus Suedkorea, diese wissen allerdings genauso wenig ueber das Land und die Menschen, wie ich vom anderen Ende der Welt.

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    • 13. April 2010 um 14:41 Uhr
    • Réka
  4. 4.

    Erstklassige Fotos. Besonders das der innerkoreanischen Grenze.
    Mich würde interessieren ob die Grenzsoldaten mit einander reden? :)

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    • 13. April 2010 um 15:12 Uhr
    • Basti
  5. 5.

    Ich freue mich über das Feedback hier und selbstverständlich auch, dass die Bilder bei Ihnen so gut ankommen.

    Dass den Menschen dort vieles vorenthalten wird, hat in besonderem Masse mit der Abschottung des Landes und der wirtschaftlichen Situation in Nordkorea zu tun. Kurz gesagt: das Geld fehlt. Es wird zwar unglaublich viel für‘s Militär ausgegeben, nur eben nicht für deren Kleidung, sondern für Nuklearwaffenforschung und Langstreckenraketen, um bei der Kleidung der Soldaten zu bleiben. Und was ebenfalls nicht vergessen werden darf: Durch die Abschottung ist es oftmals gar nicht möglich, dass Lebensvereinfachungen das Land erreichen. Es wird ja jeder Kontakt nach draußen unterbunden.

    Auf der einen Seite spürt man eine unglaubliche Beklemmung im Land. Auf Schritt und Tritt hatte ich das Gefühl, dieser Apparat verfolgt mich. Und genauso ist es auch. Du stehst unter ununterbrochener Beobachtung. Man liest zwar viel und oft über solcherlei Überwachung, aber wer sowas nicht selbst erlebt hat, der wird es sich nur schwer vorstellen können.
    Auf der anderen Seite kann man als Besucher dem System schnell wieder entfliehen. Das verleitet sicher auch dazu, sich anzugewöhnen, viele der Merkwürdigkeiten im Land mit Humor zu nehme. Leider kann die Bevölkerung das nicht. Es ist schwer zu begreifen, dass sich die Menschen nicht gegen dieses System zur Wehr setzen.

    Dabei darf man aber nicht den Fehler machen, den eigenen Erfahrungshorizont und das eigene Weltbild als Maßstab anzulegen. Man muss die Bevölkerung in Nordkorea im Zusammenhang sehen. Die beiden Führer sind dort eine Art Religion. Sie werden verehrt und nicht in Frage gestellt. Wer dies doch tut, landet im Arbeitslager. Kritik an den Umständen im Land existiert zwar, richtet sich aber gegen das äußere System, vor allem die Amerikaner. Gäbe es die nicht und wären die USA vor allem nicht in Suedkorea, dann gäbe es in Nordkorea auch keine Hungersnot und auch sonst keine Probleme. So wird dort argumentiert, auch im Gespräch mit den „Reiseleitern“.

    Hinzu kommt, dass die Menschen mit denen ich dort direkt Kontakt hatte keinerlei Zweifel am System zu hegen brauchen. Denen geht es vergleichsweise sehr gut. Sie leben in Pjöngjang und gehören zur Elite. Sowohl gemessen am Lebensstandard, als auch gemessen an ihrer ideologischen Durchdringung.

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  6. 6.

    Eine große Auswahl von Fotos aus Nordkorea gibt es übrigens auch unter http://www.flickr.com/photos/kernbeisser/sets/

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  7. 7.

    Danke, die Fotos finde ich auch sehr faszinierend.
    Was mich interessieren würde, haben Sie etwas von den ganz Armen gesehen? Von Hungersnöten und ähnlichem? Gibt es das? Ich nehme an, dass man Sie davor abgeschottet hat, aber vielleicht kriegt man das ja am Rande mit.

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    • 13. April 2010 um 16:10 Uhr
    • tartaros
  8. 8.

    Ich war 2mal beruflich in Pyongyang, 2002 und 2006. Gelegentlich ergaben sich vorsichtige Gespräche mit “nicht privilegierten” Nordkoreanern. Die Menschen dort sind in ihren Aussagen über die eigene Situation naturgemäss seeehr zurückhaltend. Amerika ist wohl immer der böse Feind, der an allem Negativen schuld ist; man ist sicher: die Amerikaner werden Nordkorea angreifen, Genauso schlimm stuft man die Japaner ein (historischer Hintergrund). Es gibt eine intensive, stets präsente Propaganda und den sehr ausgeprägten Versuch, vor Besuchern gut dazustehen (Arirang Massengymnastik; Stadtrundfahrt Pyongyang; Besuch beim Weltkulturerbe usw.). Informationen für das Volk sind offensichtlich gefiltert – z.B. wusste man, dass Deutschland bei der Fussball-WM Japan/Südkorea Vizeweltmeister wurde, dass Nordkorea von Bush zur “Achse des Bösen” gerechnet wird; aber: “Gibt es Autos in Deutschland”? und ähnliche Fragen.
    Resümee: Sehr nette freundliche Menschen. Für Europäer schwer zu verstehendes System.

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    • 13. April 2010 um 17:27 Uhr
    • Helmut Filtz
  9. Kommentar zum Thema

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