Wir können's besser: Das Blog für eine Wirtschaft, die Ressourcen und Klima schont

Auf dem Holzweg

Von 2. Februar 2011 um 16:28 Uhr

Der Ticker am Berliner Hauptbahnhof erinnert rein äußerlich betrachtet an den Countdown bei einem Raketenstart. Nur, dass beim Waldticker des WWF nicht rückwärts gezählt wird, sondern vorwärts. Die digitale Uhr zeigt, wie Minute für Minute Wälder weltweit verschwinden.

Unter dem Zähler prangt in großen Lettern der Satz: „Innerhalb der nächsten 60 Stunden verlieren wir Wald von der Größe Berlins“. Der WWF enthüllte seinen Ticker passgenau zum heutigen Start des UN-Jahres der Wälder. Trotz zahlreicher Initiativen gegen den Kahlschlag, blieben Erfolge bislang aus: Allein Südamerika verliert jährlich vier Millionen Hektar Wald pro Jahr. Afrika knapp über drei Millionen Hektar.

Ein Quäntchen mehr Aufmerksamkeit und symbolträchtige Aktionen kann das Thema Waldschutz also vertragen. Klugerweise belässt es der WWF nicht dabei. Denn der Wald verschwindet nicht einfach so, sondern auch durch unseren Konsum. Und so rechnen die Naturschützer vor, dass die Deutschen in den letzten Jahren im Schnitt 235 Kilo Papier jährlich verbrauchten. Damit liegt Deutschland EU-weit an der Spitze. Laut UN-Experten liegt der Grundbedarf an Toilettenpapier, Zeitungen oder Schulheften lediglich bei spartanischen 40 Kilogramm.

Der Wald bleibt natürlich nicht nur für Papier auf der Strecke, sondern auch um den wachsenden Bedarf an Fleisch, Futtermitteln, Holz oder Bioenergie zu decken. Aber immerhin gewichtige 40 Prozent des industriell geschlagenen Holzes werden zu Papier verarbeitet. Soll heißen: Aus fast jedem zweiten Baum wird heute Papier.

Allein 30 Kilogramm Werbeprospekte landen jährlich in deutschen Briefkästen. Das sind 1,3 Millionen Tonnen Papier. Ein Aufkleber: „Bitte keine Werbung“ würde diese Flut verringern. Sieben Milliarden Papier-Küchenrollen helfen beim Putzen. Schwammtücher wären ein Ersatz . Und vielleicht am beeindruckensten: Für den Kaffee unterwegs dienen sechs Milliarden Pappbecher. Ein Thermobecher täte es auch. Nur durch diese letzte Mini-Aktion müssten rund eine halbe Million Bäume weniger gefällt werden.

Eigentlich wissen wir doch, dass in allen diesen Wegwerfprodukten Wald steckt, oder? Fragt sich, warum uns simple Aktionen im Alltag so schwerfallen? Unterm Strich – das zeigen die neuen WWF-Statistiken – reden wir gerne über Umweltschutz, konsumieren aber ständig mehr. Etwa Papier. Als sei der ganze grüne Lebensstil nur eine Art Zuschauersport und nicht essentiell für ein modernes und aktives Bürgertum, das den sorgsamen Umgang mit begrenzten Ressourcen im Sinn hat.

Kategorien: Abfall, Aktionen
Leser-Kommentare
  1. 1.

    99% der werbung in den zeitschriften landen in mülleimer,ohne gelesen und angesehen zu werden.Es wäre ein anfang innerhalb der zeitung/zeitschriften die werbung zu plazieren und nicht als gesonderte beilage einzulegen .Am besten wäre es solche beilagen gleich wegzulassen.

    • 2. Februar 2011 um 20:58 Uhr
    • zeitungsfrau
  2. 2.

    Vor über einem Jahr habe ich WWF, Greenpeace, Nabu, BUND und der Klima Allianz den Vorschlag gemacht, zusammen an alle deutschen Haushalte den Aufkleber “Bitte keine Werbung” zu senden. Alle haben den Vorschlag abgelehnt, aus finaziellen Gründen.
    Der Wald ist nicht mal unseren Umweltverbänden Geld wert,was wollen wir den dann vom normalen Bürger verlangen?

    • 2. Februar 2011 um 21:19 Uhr
    • Werner
  3. 3.

    All die genannten Beispiele sind schön und gut, sie kranken nur an einem einzigen schnöden Punkt: Das Holz für diese Waren stammt aus nachhaltiger Forstwirtschaft. Es wird dafür unter dem Strich kein Wald abgeholzt.
    Wesentlich schlimer sind dagegen die üblichen verdächtigen: Möbel, Funiere, bestimmte Bau-Hölzer. Dass keines von diesen Beispielen, die Regenwald verschlingen, genannt wird, zeigt wie wenig sinnvoll die Aktion und dieser Artikel sind.

    Ein weiteres Glied für die Kette der irrelevanten Beispiele sind Wegwerfwindeln. Wenn man sich das Gewicht von Windeln vor Augen führt wird schnell klar, dass Junior und Oma mehr Kiefernwald verschlingen als dieser fehlende “Keine Werbung”-Aufkleber. Spielt aber keine Rolle, weil das direkt wieder aufgeforstet wird.

  4. 4.

    Ich frage mich warum wir nicht auf den Nachwachsenden Rohstoff Hanf zur Papierherstellung nutzen….

    Die Wälder würden es uns Danken.

    Ohhhh ich vergaß ;( Damit kann nicht genügend Geld verdient werden…

    Schade eigentlich..

    • 2. Februar 2011 um 21:34 Uhr
    • chris
  5. 5.

    Ein Aufkleber “Bitte keine Zeitungen” verringert vll. die Werbung im eigenen Muell, gedruckt wird das Zeug trotzdem. Die Verteiler rechnen naemlich pro Haushalt und nicht pro Haushalt, der Zeitung will.
    Da muesste sich grundsaetzlich etwas aendern, der Aufkleber hilft wenig.

    • 2. Februar 2011 um 21:41 Uhr
    • Jo
  6. 6.

    Mein Gott, daß muß man doch stoppen, aber wie?!?!

    • 2. Februar 2011 um 21:43 Uhr
    • sartre
  7. 7.

    Ehrlich gesagt sind manche dieser Umweltthemen wirklich Banane. Der Zusammenhang, der zwischen Werbeprospekten und Waldvernichtung besteht ist nämlich wahrscheinlich nur marginal. Zellulose wird nämlich aus Wald-Plantagen hergestellt, die zwar kurzzeitig verschwinden wenn sie abgeholzt werden, anschliessend werden sie aber wieder aufgeforstet. Alles ganz maschinell und industrialisiert, das ist nämlich wesentlich billiger, als Urwald abzuholzen und die verwertbaren Teile von dem ganzen Unkraut zu trennen.
    Ich will damit nicht sagen, dass Zellulose nicht eventuell auch aus Urwaldbäumen hergestellt wird, mag es auch geben, aber weniger Werbeprospekte werden mit Sicherheit nicht dazu führen, dass weniger Wald verschwindet.

  8. 8.

    [...] mit einer digitalen Uhr am Berliner Hauptbahnhof die Abholzung, bloggt K. Originalartikel: Waldschutz: Aus jedem zweiten Baum wird Papier Hier [...]

  9. Kommentar zum Thema

    (erforderlich)

    (wird nicht veröffentlicht) (erforderlich)

    (erforderlich)