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Deutschland importiert jetzt mehr Atomstrom

 

Das Atommoratorium hat ungewünschte Nebenwirkungen. Seitdem sieben Atommeiler vom Netz gegangen sind, importiert Deutschland doppelt so viel Strom aus Frankreich wie bisher. Das hat der Bundesverband der Energie-und Wasserwirtschaft (BDEW) heute bekanntgegeben (pdf-Dokument in der rechten Spalte: “Analyse: Entwicklung von Stromerzeugung, Stromaustausch und Großhandelspreisen im März 2011″):

“Mit dem Herunterfahren der Kernkraftwerke kehrte sich dies um, seit dem 17. März ergibt sich ein Einfuhrüberschuss von rund 50 GWh/Tag. Die Stromflüsse aus Frankreich und Tschechien haben sich verdoppelt, die Stromflüsse in die Niederlande und in die Schweiz haben sich etwa halbiert.”

Das Problem: Frankreich setzt wie kaum ein anderes Land auf Atomstrom, zurzeit macht der Kernenergieanteil am Strommix fast 80 Prozent aus. Wenn Deutschland also – zumindest temporär – aus der Kernkraft aussteigt,  bedeutet das leider nicht, dass der zusätzliche Strombedarf bereits aus heimischer Wind-, Solar- oder Biomasseenergie gedeckt werden kann.

Und selbst wenn wir genügend Ökostrom produzieren würden – es fehlt an Stromleitungen. Gerade Süddeutschland, wo besonders viele Meiler zurzeit abgeschaltet sind, benötigt Strom. Windstrom mag es  jede Menge an der Nordsee geben. Aber es fehlt an Stromleitungen, um ihn gen Süden zu transportieren. Also wird Atomstrom aus Frankreich importiert.

Höchste Zeit also auch, dass die Bundesregierung endlich die Bürger darauf einstimmt, was die Energiewende für sie bedeuten wird: nämlich auf jeden Fall mehr Strommasten am Horizont.

Ergänzung 20:28 Uhr: Greenpeace kritisiert auf SPIEGEL ONLINE die Meldung des BDEW als “rein künstliche Debatte”:

“Andree Böhling, Energieexperte von Greenpeace, wirft dem Lobbyverband vor, eine “rein künstliche Debatte zu führen”. Es sei nämlich nicht so, dass in Deutschland die Kapazitäten ohne den Strom der abgeschalteten Alt-Meiler nicht mehr reichen würden. “Die gestiegenen Importe erklären sich vielmehr mit der Reaktion der Strommärkte, die sich immer mit dem günstigsten Strom versorgen – und der kann zeitweise auch verstärkt von Atomkraftwerken aus Frankreich kommen.”

145 Kommentare

  1.   Steffen

    Also hat die FDP doch Recht, wir können den benötigten Strom nicht zur Verfügung stellen. Woher wollen die Grünen den Strom denn nehmen, wenn sie die Atomkraftwerke abschalten wollen.Man hat keinen
    Plan nur dummes Zeug lavern, das kann ich auch.


  2. […] Der Import aus Frankreich betrage bis zu 3000 Megawatt und aus Tschechien bis zu 2000 MW, …Deutschland importiert jetzt mehr AtomstromZEIT ONLINE (Blog)Deutschland holt Atomstrom aus Frankreich und TschechienBILDDeutschland importiert […]

  3.   karsten

    klappt ja schon ganz gut.

  4.   Silvio

    Diese Rechnung geht so nicht auf. Nicht Deutschland “muss” diese Energie importieren, sondern die Firmen welche die abgeschalteten Atomkraftwerke betreiben, da sie ansonsten die von ihren Kunden geforderte Strommenge nicht anbieten könnten. Und wo kaufen sie diesen Strom? Na da, wo es am billigsten ist. 50GWh in Deutschland von anderen Anbietern zu kaufen wäre gar kein Problem. Diese überschaubare Strommenge ist sogar rein aus Windkraft noch verfügbar, aber eben teurer.

    Und so können die Energieriesen 2 Fliegen mit einer Klappe schlagen. Sie suggerieren eine Knappheit an Strom und können das sogar noch gegen die Erneuerbaren ins Feld führen.

  5.   Infamia

    Was soll uns der Artikel jetzt sagen? Dass man es trotz jahrelang gebetsmühlenartigem Wiederholen, man müsse mehr in erneuerbare Energien investieren, schlicht und einfach verpennt hat, dieses zu tun?

    Kein Versuch scheint peinlich genug zu sein, dem grün bewegten Bürger einzuimpfen, er ist zu blöd zu kapieren, dass Atomstrom überlebensnotwenig ist. Langweilt mich doch bitte mit etwas anderem, also mit diesen Versuchen! Sie sind so leicht zu durchschauen und beleidigen somit meine Intelligenz

  6.   Numbercruncher

    Frau Uken, vielleicht lesen Sie besser mal bei der Konkurrenz: http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,754940,00.html

    Eine Zahl eines Lobbyverbands ungeprüft in den Raum zu werfen, kann wirklich jeder.

  7.   Greg

    Beim Strom-Export-Import ist es zwar interessant sich kurze Zeiträume anzusehen. Aussagekraft für konkrete Entscheidungen liefern diese Zahlen nicht. Dann muss man sich die Entwicklung über das ganze Jahr ansehen. Und diese mit den den vergangenen Jahren vergleichen.
    Als nächstes heißt es noch: Oh Gott! Die Solarzellen produzieren ja NACHTS garkeinen Strom!

    Seit einigen Jahren exportiert Deutschland -für das ganze Jahr zusammengerechnen- mehr Strom als es importiert. Gerade unsere französischen Nachbarn sind dankbar, dass Deutschland nicht nur auf Atomkraftwerke setzt…Immer wenn die Winter sehr kalt sind und mal wieder was mit ihren Meilern nicht geht…Immer wenn die Sommer sehr warm sind und wegen den Wassertemperaturen reihenweise die AKWs vom Netz gehen müssen…Immer wenn Kontrollen, Reparaturen und Störfälle die Meiler gleich gruppenweise betreffen, ist es gut, wenn in Deutschland der Wind weht!

  8.   Bill Morrison

    Wie bereits erwähnt wurde, sind die höheren Importe keineswegs dem Umstand geschuldet, dass die benötigte Menge in Deutschland nicht vorhanden ist. Schuld ist einzig allein die Tatsache, dass die Energiewirtschaft genauso wie die meisten andere Zweige durch den Börsenhandel pervertiert ist. Dies schafft kurzfristige Gewinne für die Unternehmen und verhindert einen nachhaltigen ökologischen Wandel. Hier muss die Politik handeln; auch wenn dies dadurch erstmal ein paar Steuern fehlen und man 3-4 Lobbyistenfreunde weniger hat.


  9. Es ist einfach grotesk mit welcher Polemik hier Stromverbrauchsrechnungen aufgestellt werden.
    “Erneut gab es 2010 mit rund 17 Milliarden Kilowattstunden (Mrd. kWh) einen zweistelligen Überschuss im Stromaustausch mit dem Ausland.”
    http://ag-energiebilanzen.de/viewpage.php?idpage=62

    Dass hier temporär mehr importiert wird, um den Ausfall kurzfristig aufzufangen, ist nicht weiter tragisch. Es ist möglich die Lücke mittelfristig “sinnvoll” zu schliessen.

    mfg