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Greenpeace fordert Deutschlands größten Stromverbraucher heraus – die Bahn

 

Glaubt man einer Studie des Hamburger Arrhenius-Instituts für Energie- und Klimapolitik im Auftrag von Greenpeace, dann kann die Deutsche Bahn in den kommenden 20 Jahren komplett auf Ökostrom umsteigen. Dafür müsste sie unter anderem Windräder mit einer Leistung von zehn Gigawatt in Deutschland installieren.

Das würde in den ersten Jahren jährlich neu aufgestellte Windenergieanlagen mit einer Leistung von 500 Megawatt bedeuten (das entspricht ungefähr der Kapazität eines kleinen Braunkohlekraftwerks). In einem zweiten Schritt solle das Unternehmen in Kapazitäten für Windgas investieren. Dabei wird Windstrom genutzt, um Methan herzustellen und dieses ins Gasnetz einzuspeisen – eine Möglichkeit, schwankenden Windstrom zu speichern.

Man man man, denken Sie vielleicht: zehn Gigawatt Windenergie-Leistung. Zurzeit sind in Deutschland Windräder mit einer Leistung von 27 Gigawatt installiert. Mehr als ein Drittel würde also dazukommen – nur für den Bahnstrom. Nicht zu vergessen der nötige Netzausbau. Einem Bahnsprecher fällt dazu nur „unrealistisch“ ein.

Er verweist auf den bekannten Teufelskreis bei den Bahntickets: Wenn diese nämlich wegen der Energiewende teurer werden, springen die Bahnkunden ab und setzen sich lieber ins Auto. „Dann ginge der Umweltvorteil durch den Ausbau des Ökostrom verloren.“

Aber wäre das tatsächlich so? Greenpeace verweist darauf, dass die Energiekosten gerade einmal zehn Prozent der Ticketpreise ausmachen würden. Und so oder so gebe es Ersatzbedarf im Kraftwerkspark der Bahn. Die Kosten für eine Kilowattstunde  Windkraft seien schon heute vergleichbar mit denen von Kohlestrom.

Natürlich kommen aber die Investitionskosten in die Windparks dazu. Greenpeace bleibt aber dabei: Die Kostensteigerungen seien durchaus stemmbar.

Mal schauen, was aus der Studie wird, ob die Bahn sie sich genauer zu Gemüte führen wird. Sinnvoll wäre es sicherlich. Schließlich ist sie der größte Stromverbraucher Deutschlands. Eine vom BMU geförderte Studie des IWES kommt übrigens zu ähnlichen Einschätzungen wie Greenpeace: Der Umstieg auf Erneuerbare sei machbar. Im Jahr 2020 könne die Bahn ihren Ökostromanteil je nach Szenario auf 27 bis 43 Prozent erhöhen (Studie Seite 118). Und würde langfristig von niedrigeren Kosten der Erneuerbaren profitieren.

Update 2.12.11, 11:15 Uhr. Die Bahn sieht sich übrigens auf dem besten Weg, sogar die Ziele der letztgenannten IWES-Studie zu toppen. Im Jahr 2014 kommt sie, unter anderem durch einen Liefervertrag mit RWE über Wasserkraft-Kapazitäten, auf einen Ökostrom-Anteil von 28 Prozent. Bis 2020 werde man das selbst gesteckte Ziel von 35 Prozent Ökostrom  erreichen. Hier gibt es übrigens eine aktuelle Pressemitteilung der Bahn: „Deutsche Bahn: Greenpeace-Studie strategisch und wirtschaftlich unrealistisch“.

4 Kommentare

  1.   wolfi-bärli

    Auftragsstudien sind so eine Sache: Wenn ein Tabak-Konzern eine Studie zur Schädlichkeit des Rauchens beauftragt, klingeln – zu Recht – sämtliche Alarmglocken. Wenn greenpeace eine Öko-Strom-Studie beauftragt darf man aus ähnlichen Gründen zumindest skeptisch sein.

    Zwei Anmerkungen zur Sache:

    1. Was nützt eine Öko-Bahn, wenn andere Großbetriebe, etwa Metallschmelzen, Stahlwerke usw., dann vermehrt auf Kohle + Gas zurückgreifen?

    2. „Windlkraft in Methan umwandeln“ – klingt gut, ist aber aus Klima-Sicht purer Schwachsinn: Auch aus Windkraft gewonnenes Methan ist beim Verbrennen klimaschädlich. Wenn greenpeace so einen Unfug empfehlen sollte, müsste man sich fragen, ob der Name dieser Gruppierung noch angebracht ist.


  2. Hallo „wolfi-bärli“
    herzlichen Dank für Ihre Anmerkungen. In der Tat haben Sie Recht, die Klimabilanz von Windgas ist noch völlig unklar. Hier gibt´s mehr dazu:
    http://www.zeit.de/wirtschaft/2011-09/power-to-gas
    Viele Grüße
    Marlies Uken

  3.   JaHei

    Mit den Auftragsstudien haben Sie natürlich vollkommen recht. Gerade die Fraunhofer Gesellschaften werden daher auch nicht mehr richtig ernst genommen. Das ist sehr bedauerlich, aber die Institute leben nun mal halt von diesen Forschungsaufträgen, was will man da erwarten.
    Liebe Frau Uken,
    die Bahn wird ja in Zukunft nicht mit Gas fahren. Daher benötigt die Bahn in diesem Konzept nicht nur 5000! 2-MW-WKA sondern gleichzeitig noch ein paar Gaskraftwerke zur Rückverstromung. Die Produktionskapazitäten von ein paar GW sind doppelt aufzubauen. Wir hatten ja bereits mehrfach die Wirkungsgradproblematik von Power to gas an dieser Stelle diskutiert ( ca 25%!). Daher ist es mir auch schleierhaft, wie man aus 10 GW Windleistung, 12 TWh Strom erzeugen möchte. Und wenn auch immer wieder etwas anderes behauptet wird, unser Gasnetz ist dafür nicht gedacht. Warum haben wir denn wohl heute schon Speicherkapazitätsengpässe bei gewissen Liefersituationen. Wir bräuchten bei den Gasmengen unweigerlich neue Kavernen.

    Gut, es ist ja aber auch bekannt, das es gerade Greenpeace oft um den Effekt, nicht um Realisierbarkeit geht, daher ist die angestossene Diskussion ja sinnvoll.

  4.   Wolfgang Martin

    Der Pressemitteilung der Bahn:
    “Deutsche Bahn: Greenpeace-Studie strategisch und wirtschaftlich unrealistisch”.
    kann ich mich nur anschließen, Grund es könnte sehr viel schneller gehen als Greenpeace vorschlägt!
    Was natürlich helfen könnte wären keine Prozentangaben der Verbräuche,
    sonder reale Zahlen, wann und im Welche Zeiten welche Strommengen gebrauscht werden! Die „Organisation proTree“ rechnet mit der „Zukunftsforschung“ zusammen realitätsbezigener!