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Statt Solarkollektoren: Die Hauswand, die Energie produziert

Von 19. Dezember 2011 um 13:04 Uhr

Die Hochschule Wismar hat vergangene Woche ein spannendes Experiment begonnen. Sie testet zurzeit draußen – im echten Leben sozusagen – verschiedene Häuserfassaden, mit denen sich Energie produzieren lässt. Dazu haben Wissenschaftler in einer Putzschicht eine feine Kapillarrohrmatte eingebracht, in der eine Flüssigkeit mit Frostschutzmittel zirkuliert. Dieses wird mit einer Wärmepumpe heruntergekühlt. Mit Hilfe  der Temperaturdifferenz zwischen der Umgebung und der Putzschicht lässt sich nun Energie gewinnen, mit der ein Wärmespeicher betrieben werden kann, etwa für die Heizung.

Versuchsfläche zur Energiegewinnung aus einer Fassade, Copyright: Hochschule Wismar

Versuchsfläche zur Energiegewinnung aus einer Fassade Copyright: Hochschule Wismar

Die Kraftwerk-Hauswand könnte eine Alternative zum Solarkollektor sein, da sie unabhängiger vom Sonnenschein funktioniert. Der Testlauf über zwei Jahre soll jetzt eine Energiebilanz ergeben: Wie viel Energie muss ich einspeisen (mit der Wärmepumpe zur Abkühlung des Frostschutzmittels) und wie viel erhalte ich am Ende für die Warmwasserproduktion – und steht das in einem sinnvollen Verhältnis?

Das Energiewand-Projekt, das unter anderem vom Bundesforschungsministerium unterstützt wird, könnte eine sinnvolle Ergänzung sein, verstärkt auf erneuerbare Energien bei der Häusersanierung zu setzen. Wenn ein Haus gedämmt und neu verputzt wird, ließe sich das Netzsystem gleich in den Putz einarbeiten. Es wäre ein Beitrag, wie gerade auch der Altbaubestand zur Energiewende etwas beitragen kann – und nicht nur die Neubauten, die ja schon jetzt hohe Energieeffizienzstandards erfüllen müssen.

Ach ja: Die Profis unter Ihnen werden vielleicht einwenden: Oh nein, wenn die Wandoberfläche kälter als die Luft ist, kann sich in manchen Fällen Tauwasser oder Eis bilden. Und dann Algen. Und dann sieht die Wand nicht nur usselig aus, sondern ist auch anfälliger für Wind und Wettereinflüsse. Die Wissenschaftler kommen diesem Einwand zuvor und haben ein ausgeklügeltes Messsystem installiert, um dies zu vermeiden. Mal schauen, ob’s klappt.

 

Leser-Kommentare
  1. 1.

    [...] Energiewende: Die Hauswand als Kraftwerk Das konnte Sie auch [...]

  2. 2.

    [...] Energiewende: Die Hauswand als Kraftwerk [...]

  3. 3.

    Ja, wird interessant.

    Wird vermutlich aber nur in Ausnahmefällen Anwendung finden, oder? Optimal wäre, von innen nach außen: Steinwand-Dämmung-Kollektor.
    Das entspräche aber mehr herkömmlichen Solarkollektoren, da faktisch keine Wärme in der Wand gepuffert wird und damit nur direkte Einstrahlung genutzt werden kann.

    Der einzige wirkliche Unterschied ist das Aussehen, denn Kollektorwände sind an sich nichts neues, nur dass hier eben außen verputzt wird (was wie erwähnt neue Probleme aufwirft). Von Interesse ist auf jeden Fall ein Vergleich mit herkömmlichen Kollektoren und ein Vergleich der Kosten.

    Obige Anwendung wäre nützlich bei Häusern, die man nicht mit 10cm Styropor dämmen kann, die aber trotzdem verputzt werden, denn mit dem Kollektor könnte man dann einen Teil der Abwärme wieder rückführen.

  4. 4.

    Die Wände von außen kühlen, um per Wärmetauscher Energie zu gewinnen, um sie von innen zu wärmen… Habe ich das richtig verstanden?

    • 19. Dezember 2011 um 19:34 Uhr
    • c2j2
  5. 5.

    Die Wand mit Kollektoren bestücken zu wollen ist nicht neu(bisher mit Solarkollektoren), Flüssigkeit zu kühlen um die von der Umgebung wieder aufwärmen zu lassen ist auch nicht neu (Erdwärme). Nun versucht man es also zu vereinen um die Fehldimensinierungen vieler heutiger Erdwärmeanlagen zu umgehen. Bei denen kann das Problem auftreten, daß die umgebende Erde auf die Flüssigkeitstemperatur runtergekühlt wurde, wenn die bemessene Fläche zu klein ist oder weniger Wasserbewegung herrscht als erhofft. Und wenn sie zu flach verlegt wurde, wird sogar die Vegetation beeinträchtigt.
    Da sich die Luft ums Haus öfter mal bewegt, hofft man hier also auf eine einfache Lösung, die einfacher zu bauen ist.

    Na dann bin ich mal gespannt wie sich der Wirkungsgrad und die praktische Anwendbarkeit verhält.

    • 19. Dezember 2011 um 21:51 Uhr
    • Taranis
  6. 6.

    post scriptum

    Die vom Vorposter vorgeschlagene Anwendung halte ich für kontrapoduktiv. Im Gegenteil, eine Anwendung ohne Dämmung zwischen “Solarputz” und Wand würde die Wand zusätzlich auskühlen, die damit den Wohnraum auskühlt, der mehr geheizt werden müsste. Ein Teufelskreis also der nichts bewirkt außer Strom für die Wärmepumpe zu verbrauchen.

    • 19. Dezember 2011 um 21:55 Uhr
    • Taranis
  7. 7.

    [...] Statt Solarkollektoren auf dem Dach könnte künftig vielleicht die Hauswand Energie erzeugen. Die Uni Wismar hat dazu ein spannendes Experiment gestartet, bloggt M. Uken. mehr lesen: Energiewende: Die Hauswand als Kraftwerk… [...]

  8. 8.

    @Taranis: … was ich mit meinem Beitrag sagen wollte… ;)

    Außerdem noch erstklassige Zuchtplatform für den Schimmel innen.

    • 20. Dezember 2011 um 07:25 Uhr
    • c2j2
  9. Kommentar zum Thema

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