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Trotz (oder besser: wegen) Kürzungen boomt Solarstrom

 

Die Bundesnetzagentur hat heute neue Zahlen zum Ausbau der Solarenergie bekanntgegeben. Im vergangenen Jahr gingen demnach so viele Solaranlagen ans Netz wie nie zuvor: Anlagen mit einer Kapazität von rund 7.500 Megawatt. Das entspricht – Achtung: theoretisch! – der Leistung von etwa sieben Atomkraftwerken. Viele Bürger installierten sich die blauen Zellen auf den letzten Drücker. Allein im Dezember gingen rund 3.000 Megawatt ans Netz, das entspricht rund 40 Prozent der gesamten Jahresleistung 2011.

Wie kann das sein, wo doch jedes Jahr die Fördersätze für Solarstrom im Erneuerbare-Energien-Gesetz gekürzt werden? Es ist der internationale Wettbewerb. Die Preise für die Solarmodule fallen rasanter als die Fördersätze, und so lohnt sich unterm Strich immer noch eine Solaranlage. Bei einigen Herstellern waren bis zum Jahresende die Lager leer gefegt.

Der Boom wird sich allerdings direkt auf die Attraktivität der Förderung auswirken. Denn je mehr zugebaut wird, desto schneller sinken die Fördersätze, eine Folge der jüngsten EEG-Novelle, um eine Kostenexplosion zu verhindern. Denn für jede ins öffentliche Stromnetz eingespeiste Solarstrom-Kilowattstunde erhält der Anlagenbesitzer ja eine Vergütung, die per Umlage alle Stromkunden zahlen müssen. Seit 1.1.2012 erhalten Solaranlagenbesitzer, je nach Anlagentyp, zwischen 17 und 24 Cent je Kilowattstunde.

Ab Juli sind die sonnigen Zeiten daher wohl vorbei: Wenn von Januar bis April 225 Megawatt ans Netz gehen (und diese Zahl wird wohl locker erreicht), reduziert sich die Solarförderung um 15 Prozent. Das ist der maximale Kürzungssatz. Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler und sein Kollege, Umweltminister Norbert Röttgen, wollen sich jetzt mit Branchenvertretern treffen, um über eine Neuregelung der Förderung zu reden.

31 Kommentare


  1. Wäre es so schwierig, eine durchschnittliche Senkung von 9 oder 12 % monatlich aufs Jahr zu verteilen. Dann gibt es keinen so großen Grund mehr bis zum letzten Moment zu warten. Innerhalb dieses Monats kann man kaum noch gegensteuern.

    Einfach eine Registrierung einführen mit einer kleinen Kaution (100 €/kWp), die bei Projektvollendung zurückgezahlt wird. Jedes vollendete/angemeldete GW sinkt die Vergütung um 2% oder 3%.


  2. Diese Behauptung stimmt leider nicht. Es herrscht ziemliche Flaute.
    Z.B. führende Solarfirma Centrotherm, sie sichrte sich große Fläche damie sie weiter wachsen kann, doch alles sieht jezt anders aus.
    Bitte lieber nichts schreiben als Halbwahrheiten. Danke!


  3. Also mann muss ja vom Affen mit dem Klammerbeutel gepudert sein, wenn man sich unter diesen Bedingungen so ein „Braguette“ aufs Dach schnallt.

    Bei 24 cts/kWh und 4,5% Kapitalzins darf die kWp maximal ~1980 EUR (o. MwSt, Gesamtkosten, also Solar-„kacheln“, Inverter, Montage, Anlage mit 5 kWp) kosten. Solche niedrige Investkosten soll mir mal einer nachweisen.

    Bei ~ 21 cts (ab Juli) sind es nur noch ~ 1700 EUR. Da muss man die Solarzellen schon umsonst kriegen, oder man lässt die Monteure aus China einfliegen.

  4.   achimvr

    2000 Euro/KWp sind derzeit tatsächlich die aktuellen Kosten einer PV-Anlage, natürlich ohne MwSt. Holen Sie sich Angebote ein, die kosten nichts.

    Die Module aus China haben übrigens derzeit einen Anteil von 750 Euro/KWp. Für dt. etwa 850 Euro.

    Bei diesen Einspeisevergütungen aktuell u. künftig sollte man die von der Anlage erzeugten KWh nur dann einspeisen wenn man sie nicht selbst braucht. Mit etwas Timing kann so bis 50% des Stromverbrauchs durch den günstigeren Strom der eigenen PV-Anlage gedeckt werden. Auf der anderen Seite erspart dies Kosten für die EEG-Umlage.
    1 GW Zubau in 2012(1.Hj) erhöht die EEG-Umlage nur noch um 0,03 Ct/kwh!
    (sofern nicht davon selbst verbraucht wird).

    Der hohe Zubau von 3 GW im Dezember ist auch den Drohungen von CDUFDP zuzurechnen die einen Deckel u. ähnliche Horror- u. Abwürgeszenerien für die PV möchten.

    Für 2012 wird die PV dann schon 4-5% der Stromerzeugung beitragen. Weiter so!


  5. Sehe ich auch so. Ausserdem gibt es Risiken, die verhindern, dass die prognostizierten Erträge auch erreicht werden: im letzten Frühjahr verdunkelte Blütenpollen nachhaltig die Paneele eines Nachbarn (der wegen Angst vor einem Stromschlag nicht wagte, das Dach mit dem Schlauch abzuspritzen), eine anderer Nachbar mußte mittlerweile zum drittenmal seinen Wechselrichter erneuern ….
    Selbst wenn alles gut geht, liegt bei einer angenommenen Betriebszeit der Anlage von 25 Jahren die Verzinsung des eingesetzten Kapitals gerade mal zwischen 1-2%. Lohnt wohl eher nicht.

  6.   achimvr

    Merkwürdiger Kommentar. Natürlich darf eine PV-Anlage jederzeit abgespritzt werden, auch bei Regen wird noch Strom erzeugt wenn auch weniger.
    Wechselrichter halten mind 10 Jahre wenn die Anlage gut u. kompetent geplant ist. Ist das nicht der Fall kann der Wechselrichter schnell kaputt sein.

    Bei polykristallinen PV-Anlagen ist von einer Lebensdauer von mind 40 Jahren auszugehen. Schon heute gibt es Hersteller die 30 Jahre garantieren. Die Praxis zeigt oft daß selbst 40 Jahre alte Anlagen kaum Degression haben.

  7.   Alex

    ganz so optimistisch wäre ich nicht. Es gibt zwar auf Wechselrichter bis zu 25 Jahre Garantie, aber nur gegen Aufpreis. Der Hersteller kalkuliert, dass da ein signifikanter Anteil der Geräte getauscht werden muss, kommt dafür aber offensichtlich mit dem Aufpreis klar.

    Die Lebensdauer der Module würde ich in einer Wirtschaftlichkeitsberechnung auch nicht mit 40 Jahren ansetzen. Es gibt zwar sehr alte Solarmodule, die auch noch heute Strom erzeugen, aber der Isolationswiderstand gegen Erde könnte sinken, und dann wäre eine weitere Nutzung nicht mehr möglich obwohl noch Strom erzeugt werden kann. Auch hier meine ich sind 20 Jahre & Inbetriebnahmejahr sicherer kalkuliert.

    Und auch so gibt es gute Renditen im oberen einstelligen Bereich – allerdings sind die geringer als auf neue Kohlekraftwerke. Deswegen zögert E.On noch bei Solarstrom.


  8. Weil am Ende doch der Verbraucher zur Kasse gebeten wird!


  9. […] Sonnenenergie: Trotz Kürzungen boomt Solarstrom […]


  10. Selbst wenn man die „Lebensdauer“ mit 40 Jahren ansetzt, man erhält nur für 21 Jahre (max) die Vergütung. Was kommt danach? Vermute mal nichts. Man spart nur die ~(30%) Eigenstromerzeugung. Und wenn dann der Inverter den Geist aufgibt (nach 26 Jahren), wird man ihn dafür bestimmt nicht ersetzen.

    Das ist alles Hobbyhorsing, auf Kosten der arbeitenden Bevölkerung, die sich so eine Technik nicht leisten kann.