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Fracking in zwei Jahren ohne Gift – na, mal schauen…

 

Der Vorstandsvorsitzende von ExxonMobil Central Europe, Gernot Kalkoffen, hat am Dienstag der Neuen Osnabrücker Zeitung ein bemerkenswertes Interview gegeben. Dabei geht es um das die Förderung von Schiefergas per Fracking. Fracking ist ja eine umstrittenen Fördermethode, bei der unter hohem Druck Wasser, Sand und Chemikalien ins Erdreich gepresst werden, um Erdgas zu fördern. Gerade in Niedersachsen und NRW wird dieses Verfahren unter heftigen Bürgerprotesten angewandt. Die Menschen vor Ort fürchten vor allem um ihr sauberes Trinkwasser.

Kalkoffen sagt nun in dem Interview Folgendes:

“Wir haben in den letzten zwei Jahren trotzdem die giftigen Komponenten, die wir gegebenenfalls einsetzen, von sieben auf vier reduziert. Unser Ziel ist, in spätestens zwei Jahren auf alle giftigen Chemikalien zu verzichten. Dafür prüfen wir zum Beispiel den Einsatz von UV-Licht. Schon jetzt versuchen wir, die einzelnen Mengen so gering wie möglich zu halten.

Erstaunlich, dass gerade ein Vorstand so frei von “giftigen Chemikalien” spricht, die da im Einsatz sind, oder? Die Grünen sind natürlich prompt darauf eingestiegen und fordern entsprechend ein zweijähriges Fracking-Moratorium für Deutschland, bis eine giftfreie Förderung möglich sei. Das wird Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler, der ja für die (un)konventionellen Energien zuständig ist,  sicherlich begeistern: noch ein wunderbares Konfliktthema mit seinem Kabinettskollegen, Bundesumweltminister Norbert Röttgen.

Einmal ganz davon abgesehen, wie viele Bürgerinitiativen sich inzwischen in Deutschland gegen Fracking aussprechen: Auch international sorgt das Thema bei Umweltschützern für Proteste. In den USA machte ja 2010 der für den Oskar nominierte Film Gasland das Thema publik. Filmemacher Josh Fox zeigt darin die Umweltfolgen des Fracking-Hypes in den USA. Höhepunkt ist die Szene, in der ein Mann seinen Wasserhahn in der Küche aufdreht, ein Feuerzeug daran hält und eine riesige Flamme sich entzündet.

Die jüngsten Entwicklungen in den USA zeigen, wie viel Konfliktpotenzial in dem Thema Fracking noch steckt. Am Mittwoch wurde Filmregisseur Fox  verhaftet, als er im Kongress eine Anhörung  filmen wollte. Dort präsentierte die Umweltbehörde EPA den Entwurf eines Reports, der ausführlich die Gefahren des Fracking für das Trinkwasser analysiert.

Mal schauen, wie es in Deutschland weitergeht. Was aus der Ankündigung von Herrn Kalkoffen wird – ich lege mir das einmal auf Wiedervorlage in 2014. Auf jeden Fall bedarf es, wie schon bei der Energiewende, einer besseren Beteiligung und Aufklärung der Bürger. Das stellt sogar eine Studie fest, welche die  EU-Kommission vergangenen Freitag in  Brüssel präsentierte:

“An important aspect is public participation, since the exploration of shale gas raises significant concerns, especially in the field of environment. Our main finding is that public participation is rather limited.” (S. 98, Final Report on Unconventional Gas in Europe)

16 Kommentare

  1.   i-n-uk.com

    Danke für den Beitrag und den Trailer. Kannte ich bislang nicht. “Jesus Christ” trifft es ziemlich gut. Mehr muss man dazu eigentlich gar nicht mehr sagen. Einfach unglaublich, die Szene mit dem Wasserhahn…

  2.   Orangensaft

    Okay es würden keine giftigen Chemikalien mehr verwendet, das wäre natürlich ein Fortschritt.

    Aber was soll sich dadurch denn am Problem mit dem brennenden Wasserhahn ändern? Da is doch hauptsächlich Methan im Spiel, was durch Risse im Erdreich oder sonst irgendwie durch Lecks ins Trinkwasser gekommen ist. Am (Haupt)problem, nämlich dass da Gas im Wasser ist, ändert sich dadurch doch nix.


  3. Die “Konventionellen” versuchen es auf allen denkbaren Methoden.
    Da wird mit viel Geld und Aufwand ein bischen Gas aus der Erde gedrückt, Nebenwirkungen sind den Ausführenden wahrscheinlich Egal nur um noch ein bischen Gas verbrennen zu können. Dabei wollen wir doch weg von den Fossilen!
    Wieviel Gas wird dann in Russland und anderswo direkt bei der Förderung verbrannt oder einfach abgelassen, weil man nicht weiß wohin damit? Vielleicht sollte man da erstmal anfangen und das abfangen. Achja dann verdient ja GASPROM und nicht Exxon!

  4.   Halapp

    Shalegas wird in den nächsten Jahren in Europa eine große Rolle
    spielen. Die Vorräte sind erstaunlich groß.
    Durch die Förderung von shalegas sind die Gaspreise in USA
    auf ein 10jahrestief gesunken. Damit rücken viel alternativen
    Stomerzeugungsmöglichkeiten wieder weit von der Rentabilität weg.
    Davor haben die Ökos angst. Deshalb wird wieder über alle bekannten
    Medien und Ökoinstitute die bekannte Ökolobbyinfiltation in Gang gesetzt. Ökos sind aus ideologieschen Gründen gegen niedrigere
    Enerigiekosten. Für ihren Glauben kämpfen sie gegen die Bevölkerung.
    Beobachten wir Polen, dort werden die Bohrlizenzen bereits vergeben.


  5. Im “Teaser” auf der Startseite steht, dass ExxonMobile “komplett auf Chemie verzichten würde”.. Wenn Sie dies tun würden, würden sie nicht exisitieren. Nennen sie es kleinkariert, aber ich kann es nicht ausstehen, dass “Chemie” ausschließlich in Kontexten “giftig”, “gefährlich” und “künstlich” benutzt wird und damit eine negative Konnotation erhält. “Da ist Chemie drin” ist gleichbedeutend mit eben diesen Adjektiven. Ich bitte darum, über “giftige Chemikalien” zu sprechen. Denn ohne Chemie könnten sie weder diesen Artikel verfassen, noch würden sie exisitieren. Chemie ist zwar nicht alles, aber alles ist Chemie..

  6.   Crest

    @5

    Ein bischen rührend,

    denn ich muss hier an Pastor Niemöller denken und darf ihn etwas modifizieren:

    “Als sie die Atomtechniker vertrieben, sagte ich nichts –
    ich war ja kein Atomtechniker”

    “Als sie die Gentechniker vertrieben, sagte ich nichts –
    ich war ja kein Gentechniker”

    “Als sie die Chemietechniker vertrieben –
    da gab es niemanden mehr, der das Wort noch erheben konnte.”

    Nun in einem tue ich Ihnen vermutlich leicht unrecht: was die Gentechnik anbetrifft.

    Was aber diejenigen, die glauben, dass man im Zusammenhang mit HiTech argumentativ besonders filigran differenzieren könne, übersehen (ich denke, sie wollen es nicht wahrhaben), ist dass HiTech in einem wichtigen Sinne unteilbar ist.

    Sie verhält sich, und da sind wir wieder beim Pastor Niemöller, wie die Demokratie. Ein bischen geht nicht.

    Herzlichst Crest

  7.   Thomas Schürmann

    @Marlies Uken @Dr. Kirsten Brodde

    Wie der Account von Minister Remmel eben schrieb:

    “Es gibt in NRW keine Genehmigung für den Einsatz von Fracking. Anders in Niedersachsen. (ma).”

    https://twitter.com/#!/Minister_Remmel/status/165106488111661056


  8. fallen denn alle Journalisten auf diesen Propagandafilm Gasland rein? Lernt man das nicht in der Ausbildung kritisch hinzuschauen und selbst zu recherchieren?

  9.   Loubressac

    Die Szene mit dem Wasserhahn und der Stichflamme ist gut präpariert, tatsächlich aber so nicht möglich.
    Das Gas Methan, um das es hier geht, ist in Wasser praktisch unlöslich.
    Selbst wenn direkt an der Quelle Wasser mit Methan vermischt austritt, entweicht das Methan aus dem Wasser. Wasser wird ja in ein Reservoir gepumpt und dort bei Normaldruck gelagert.
    Dabei würde praktisch alles Methan entweichen.
    Trotzdem wäre ich mit dem Fracking mehr als vorsichtig….

  10.   Einwegpseudo

    Chemikalien hin oder her…

    “So both the U.S Army and the U.S. Geological Survey over fifty years of research confirm on a federal level that that “fluid injection” introduces subterranean instability and is a contributory factor in inducing increased seismic activity.” How about “causing significant seismic events?””

    http://www.zerohedge.com/news/guest-post-us-government-confirms-link-between-earthquakes-and-hydraulic-fracturing

    Haben wir nicht schon genug Probleme mit Bergschäden??
    Müssen wir denn JEDEN Mist mitmachen, der aus US kommt?