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Zäh, zäh, zäh: Deutschland und das Energiesparen

Von 8. Februar 2012 um 12:51 Uhr

Nun gut, es ist nicht das erste Mal, dass Wort und Tat bei dieser Bundesregierung auseinanderklappen. Aber diesmal ist es doch wirklich eklatant. Da hat sich Bundeskanzlerin Merkel 2007 richtig ins Zeug geschmissen für eine ambitionierte Klimapolitik der EU und damals die berühmten 20 Prozent-Ziele eingetütet: 20 Prozent Anteil Erneuerbare Energien in 2020, eine Reduktion der Treibhausgase um 20 Prozent und eine Steigerung der Energieeffizienz um 20 Prozent.

Und wo stehen wir heute? Für den Ökostrom-Anteil und die CO2-Reduktion gibt es in der EU verbindliche Vorgaben. Nur beim Energiesparen fehlt es bislang an verbindlichen Regeln. Das will die EU-Kommission nun mit ihrem Vorschlag zur Energieeffizienz-Richtlinie ändern.

Und wer blockiert? Deutschland. Wobei – blockieren ist wohl viel zu aktiv ausgedrückt: Die deutsche Bundesregierung hat offenbar noch nicht einmal eine Position, mit der sie in Brüssel auftritt. Und das macht es für alle Beteiligten nicht gerade einfach, sich bis zum Sommer auf einen Vorschlag zu einigen.

Umstritten ist immer noch der berühmte Artikel 6, der vorsieht, das Unternehmen jedes Jahr 1,5 Prozent ihres Energieabsatzes im Vergleich zum Vorjahr einsparen müssen. Einen Markt für´s Energiesparen will Brüssel so schaffen.

Und hat gute Argumente für sich: Mit jedem Euro, der in neue Fenster und eine bessere Heizung investiert werde, würden am Ende neun Euro Kosten für Energie eingespart. Von 400.000 neuen Arbeitsplätzen geht die EU-Kommission aus.

Kommende Woche treffen sich die europäischen Energieminister in Brüssel zu dem Thema. Mit welchen Alternativvorschlägen Deutschland dort auftritt, ist noch völlig unklar, seit Monaten, ach: Jahren, rangeln ja Bundeswirtschaftsministerium und Bundesumweltministerium bei dem Thema miteinander.

Es ist ein gefährliches Spiel, was die Bundesregierung da veranstaltet. Irgendwie scheint es fast Parallelen zu Deutschlands jüngstem Auftreten im Griechenland-Poker zu geben. Schwarz-Gelb lähmt gerade einen Markt mit Milliardeninvestitionen und sorgt für Verunsicherung. Warum bloß?

PS: Noch ein paar Beispiele der Energieexperten von RAP, was in anderen Ländern passiert ist, die Energieeffizienz-Vorgaben gemacht haben. Allein in Frankreich wurden zwischen 2006 und 2009  jedes Jahr rund 950.000 Dächer gedämmt. Und die Briten haben zwischen 2005 und 2008 jedes Jahr rund 1,25 Millionen effizientere Kühlgeräte angeschafft.

Leser-Kommentare
  1. 17.

    Ich mach´s mal sehr kurz: Wie üblich weiss die linke Hand ein und derselben Regierung – Partei nicht, was die rechte tut, will. Wie wäre es mal, sich erst mal zu entscheiden, ob man weiter auf die – Too-Big-To-Fail-Energieriesen setzen will, oder ob man dezentralisiert. Ohne die bisher favorisierte Ideologie, dies fast im Mythischen wurzelde Agument von Privatisierung und Konkurrenz, das bisher auch nur verbraucherunfreunlich gewirkt hat. Meinem Gefühl nach könnte die Energiewende zum Wachstumsmotor schlechthin werden, aber dann müsste man sich erst mal entscheiden….
    Grosse Offshore-Windparks – na, da werden dieselben doch schon wieder gepäppelt. Und: schon Jahrelang stand der Ausstieg fest – warum kommen die nicht in die Pötte? War denn so garnichts vorbereitet? Hat man nur auf Regierungswechsel gewettet?
    H.

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    • 11. Februar 2012 um 15:13 Uhr
    • Hajü
  2. 18.

    Dieselben, die 90 Prozent ihrer Energie drauf verwenden, Marketing zu machen. Auch das ist ein Mythos, man könne via Privatisierung und Strommarkt die Effizienz und Rationalität der Energieversorgung steigern. “Burn, Baby, Burn!”-hiess es hinterher bei Enron, wenn es um erwünschte Gewinnmaximierung durch Versorgung des kalifornischen Marktes ging.. Zwischen Technik und Wirtschaft klafft eben sui generis ein unüberwindlicher Graben. Der Strom in die Kasse bildet nicht den Stromfluss in Haushalte und Betriebe ab. Ja, … Konkurrenz belebt das Geschäft – so geistert durch manche hochgestochene Theorie eben eine Reihe von Kindergartengewissheiten…
    Hajü

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    • 11. Februar 2012 um 15:24 Uhr
    • Hajü
  3. 19.

    Ach, egal –
    na, jedem dritten Statement kann man ja inzwischen entnehmen, es werde eine Massive Preissteigerung für den privaten Haushalt geben. Auch hier wieder die Kindergartengewissheiten, das schwache Pflänzchen Industrie – darf doch nicht abgewürgt werden. Diese entscheidungsunfähigen Kumpane, Amigos sind nur in einem Punkt einig, wie man das schwächste Glied in der Kette – am besten belasten kann.
    Ach l…

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    • 11. Februar 2012 um 15:31 Uhr
    • Hajü
  4. 20.

    Naja, wenn ich darin denke wie lange meine neue energiesparende Umwälzpumpe für das Warmwasser gehalten hat. Kurz nach Ablauf der Garantie war sie dahin. Eine normale hätte die Häfte gekostet. So erlebe ich das häufiger bei den modernen Energieeffizienten Geräten. Ich hoffe, dass wenigsten die Energieeinsparung so hoch war, dass die Produktionsenergie der Pumpe wieder hereingekommen ist. Ansonsten hat nur die Industrie etwas von der Energieeffizienz.
    Ich denke eine langfristig angekündigte fesetzliche Funktionsgarantie von sagen wir mindestens 15 Jahren für Geräte, KFZ und sonstige angeblich kurzlebige Konsumgüter würde der Umwelt mehr helfen.
    Aber so etwas giebt es erst dann, wenn nicht mehr die Industrie der Gesetzgebung die Hand beim Schreiben führt.

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  5. 21.

    PSST, nicht so laut!

    Es könnte sonst noch jemand merken,
    daß Merkels Kernkompetenz keineswegs der ökologische Umbau einer Martkwirtschaft ist, sondern das physikalisch effiziente Machtkalkül.

    Worin das besteht?
    Einfach den andern die großen Themen klauen,
    wird schon keiner merken dass ich eigentlich keine Ideen habe.

    Das liebe Frau Merkel, ist der Unterschied zwischen ihrer Schaufensterpolitik und über die Jahre entwickelten Visionen die auf Überzeugungen und langjährigem Engagement basieren.

    Wann kommts raus?

    Mal sehen.

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  6. 22.

    … und im Übrigen meine ich, dass alle Emissionen einen gleichen, höheren Preis bekommen müssen.

    Es könnte alles so einfach sein, und so marktwirtschaftlich. Wie man den Preis nun erhöht, über Steuern oder über Emissionszertifikate, ist letztendlich Wurst, nur muss die Erhöhung umfassend, planbar sein. Emissionszertifikate decken z.Zt. nur die Hälfte des Primärenergieverbrauchs ab und sind vom Preis her noch eher ein Witz: weniger als 10 €/tCO2.
    Würde man damit ernst machen – die Energieeffizienz würde sehr schnell ansteigen, und zwar mit optimalem Ressourceneinsatz, und man bräuchte den Energieunternehmen nicht die widersinnige Pflicht aufzuerlegen, ihren eigenen Absatz zu senken.

    (http://de.wikipedia.org/wiki/EU-Emissionshandel)
    (http://www.eex.com/en/Market%20Data/Trading%20Data/Emission%20Rights/EU%20Emission%20Allowances%20|%20Spot/EU%20Emission%20Allowances%20Chart%20|%20Spot/spot-eua-chart/2012-02-13/0/0/a).

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    • 13. Februar 2012 um 21:26 Uhr
    • d_le_nen
  7. 23.

    @d_le_nen #22: “Wie man den Preis nun erhöht, über Steuern oder über Emissionszertifikate, ist letztendlich Wurst”
    Nein, keineswegs. Die Wirkmechanismen – und damit auch die konkreten Auswirkungen – unterscheiden sich grundlegend:

    Mit den Zertifikaten wurde künstlich ein “Markt” geschaffen, der auf wundersame Weise all unsere Probleme lösen sollte, wenn wir – wie uns unsere regierungsamtlichen Marktfetischisten erklärten – ihn nur ungestört sich selbst überlassen würden. Das Hauptproblem bei diesem Konzept ist wohl, dass es beim Handel mit Zertifikaten wenige große Player gibt, die garnicht erst etwas “marktähnliches” (mit “freiem Spiel der Marktkräfte”) entstehen lassen, sondern Angebot und Nachfrage gezielt zu ihrem Nutzen steuern.

    Die Einführung des Zertifikatehandels hatte nur einen Zweck: Die Player im Energiemarkt ungestört (s.o.!) zu lassen und die Einführung eines einfachen, dabei aber höchst wirksamen und zudem schnell an geänderte Anforderungen anzupassenden Steuerungselements gegen den übermäßigen Verbrauch fossiler Energie zu verhindern – Steuern.

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  8. 24.

    sehe ich aehnlich. Ich lebe in London und obwohl ich einraeume, dass London sicher nicht repraesentativ fuer GB ist, ist es ueberhaupt kein Vergleich zu Deutschland. Erstmal gibt es sehr viel mehr alte unisolierte Haeuser, die den Krieg ueberlebt haben, und dann ist Energieeffiziens fuer die Briten ein absolutes Fremdwort. Einfach verglaste Schiebefenster sind die Regel, nicht die Ausnahme, und die braucht man zum Lueften gar nicht erst zu oeffnen. Die einzige verbreitete Waermedaemmung sind dicke Vorhaenge. Und weil das zumindest irgendwie zum Thema passt: Recycling gibt es in London erst seit ca. drei Jahren und wenn ich so meine Kollegen aus anderen europaeischen Laendern hoere, dann braucht sich Deutschland da bezueglich Energiesparen etc. nicht zu verstecken. Besonders bemerkenswert ist, dass das Thema hier wirklich schlicht niemanden interessiert. In Deutschland ist das Bewusstsein nicht nur fuer diese Themen, sondern auch fuer die eigene Verantwortung dabei viel groesser. Das will ich an dieser Stelle mal loben! Davon abgesehen bin ich schon dafuer bestimmte verbindliche Vorgaben zu machen. Und natuerlich sind das alles nur persoenliche Beobachtungen, Zahlen und Statistiken waeren da natuerlich informativer, schon klar. Beste Gruesse aus London!

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  9. Kommentar zum Thema

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