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Ein paar Zahlen zur Kältewelle und zum Strombedarf

Von 9. Februar 2012 um 10:24 Uhr

Das klingt ja dramatisch, was Spiegel Online heute Vormittag als Aufmacher vermeldet. “Kältewelle: Strom in Deutschland wird knapp.” Die Netzbetreiber würden Reservekapazitäten im Ausland anknapsen, so schlimm sei schon die Situation.

Die Netzengpässe gibt es sicherlich, keine Frage. Aber der Zusammenhang “Kältewelle – Strommangel” stimmt einfach so nicht – zumindest hat diese Meldung einen falschen Tenor und bringt die Energiewende in Verruf.

Beheizungsstruktur im Wohnbestand, Quelle: BDEW

Beheizungsstruktur im Wohnbestand, Quelle: BDEW

In Deutschland spielt Strom beim Heizen kaum eine Rolle (siehe Grafik), gerade einmal sechs Prozent aller Wohnungseinheiten werden mit Strom geheizt. Nachtspeicheröfen sind inzwischen ja sogar ein Auslaufmodell. Ich habe flott beim Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft nachgehakt und auch dort bestätigt man: In Kälteperioden steigt die Stromnachfrage nicht besonders stark.
Anders natürlich die Situation in Frankreich. Frankreich ist ein Land der Stromheizungen, die AKW liefern schließlich dort wunderbar billigen Grundlaststrom, der dann in den Nachtspeicheröfen geparkt wird – so wie früher in Deutschland. Und jetzt kauft eben Frankreich bei uns Strom ein. Es ist ein europäischer Markt, wie es heute auch in der Financial Times Deutschland heißt:

“Auch die Stromexporte nach Frankreich sind eine Folge des kalten Winters. In Frankreich heizen große Teile der Bevölkerung mit Strom. Am Dienstag benötigten die Franzosen 100,5 Gigawatt Stromleistung. Das ist so viel wie nie zuvor und mehr als das Atomland selbst bereitstellen kann. Der Preis für kurzfristige Lieferungen schoss in Frankreich auf rund 360 Euro pro Megawattstunde hoch. Das Normalniveau liegt bei 50 Euro. Auch in Deutschland stieg der Börsenpreis, allerdings nur auf rund 76 Euro.”

Ein Knackpunkt ist natürlich die Gasnachfrage: Erdgas kommt im deutschen Wärmemarkt aktuell auf einen Anteil von 49 Prozent. Und klar gibt es regionale Engpässe, wenn – wie gestern – die EnBW einen Block vom Gaskraftwerk Karlsruhe wegen Lieferengpässen vom Netz nehmen muss. Aber auch hier betonen die Versorger: alles im Griff. Wie heißt es gestern bei dpa:

“Die Strom- und Gasversorgung in Deutschland ist trotz der anhaltenden Kältewelle gesichert. Stromnetzbetreiber, Gasversorger und die Bundesnetzagentur geben Entwarnung.”

Aber das klingt natürlich nicht so knackig wie: “Kältewelle – Strom in Deutschland wird knapp.”

Leser-Kommentare
  1. 25.

    Der Stromrekord von Dienstag wurde gleich am Mittwoch (also gestern) sogar schon wieder überboten, wie man bei Ihren Kollegen von “Le Monde” nachlesen kann: http://www.lemonde.fr/economie/article/2012/02/08/nouveau-record-pour-la-consommation-d-electricite_1640650_3234.html#xtor=RSS-3208

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    • 9. Februar 2012 um 16:29 Uhr
    • Hans Meier
  2. 26.

    Hier wird (nicht nur in Ihrem Beitrag) der Begriff Energiewende falsch verwendet.

    Energiewende bedeutet zu allerest einmal ein drastische Reduktion des Energieverbrauchs! Energie die man nicht verbraucht muss man auch nicht erzeugen.

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  3. 27.

    Sehr geehrt Frau Marlies Uken,

    einen Kommentar kann ich mir nicht verkneifen. Sie haben Recht damit, dass elektrischer Strom nur sehr verhältnismäßig wenig zur Beheizung eingesetzt wird.

    Nur dieser Anteil wird steigen.

    Dank der Kampagnen unserer Energiekonzerne, welche den Einbau von Wärmepumpen als “Naturwärme” darstellen, sind wir auf den besten Wege, aus Deutschland “Frankreich” zu machen. Was die Beheizung betrifft.

    Denn jede Wärmepumpe benötigt Strom. Und viele Verbraucher werden von den Begriff “Naturwärme” geblendet. Denn für den Einsatz von Wärmepumpen sind vielfälltige Rahmenbedingungen erforderlich.

    So ist die Verwendung von Heizkörpern kontraproduktiv, da diese eine höhre System-Temperatur als eine Fußbodenheizung benötigt.

    Auch die Quelle der “Naturwärme” ist Ausschlag gebend. Ist dies die Außenluft, können Sie ihren Stromzähler beim rasen zusehen. Besonders bei diesen Außen-Temperaturen.

    Und dabei werden Wärmepumpen häufig für 100% der benötigten Heizlast ausgelegt, statt diese nur zur Deckung der Grundlast zu Verwenden und für die Spitzenlast ein Gastherme hinzu zu schalten.

    Und falls diese das dann doch nicht schaffen, kommt noch der elektrische Heizstab zum Einsatz.

    Wie man sieht, “Frankreich” läßt grüßen.

    Und ich grüße auch.

    Schau.

    PS. Wer seine Heizung sanieren will, der denke mal über ein BHKW nach. Hier gibt es schon kleine Modelle mit Stirling-Motor. Sehr gut für Ein-Familien-Häuser.

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    • 9. Februar 2012 um 17:17 Uhr
    • Bingo76
  4. 28.

    [...] the article here: Winter: Kälte kein Grund für Strommangel Share this: Twitter | Facebook | Delicious | digg | Mr. Wong | [...]

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  5. 29.

    Danke für den Link zu dem betreffenden Artikel bei der Welt.

    Trotzdem sehe ich das Hauptproblem nicht in einem Mangel an Brennstoff, sondern einer falschen Verteilung der Ergaslagerstätten in Norddeutschland UND einem daraus resultierenden Mangel an Transportkapazitäten gepart mit einem hohen Verbrauch von Erdgas durch die tiefen Temperaturen.

    Zusätzlich beschreibt der Artikel die hohe Nachfrage aus Frankreich (zzgl. hoher Preise und damit einem hohen Interesse des “Abverkaufs”. Ev. wäre es sogar interessanter für Frnakreich zu produzieren und bei uns ein wenig zu frieren?)

    2 Fakten sind klar – auch mit Kernkraft hätten wir die Versorgung diesen Winter sicherstellen können – und aktuell produzieren vor allem konventionelle Kraftwerke. ABER Solarstrom rasiert seit Wochen auch im Winter die Spitzenlast ab (sehr tiefe Temperaturen = freier unbedeckter Himmel = Solar), Biogas hilft ebenfalls, und auch die Windkraft unterstützt, mal mehr mal weniger (Spart, vor allem Gas Brennstoff).

    Fazit – ja wir haben ein Problem – aber die Energiewende ist nich die Ursache. Sie hilft das Problem aktuell zu lösen.

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  6. 30.

    [...] In Deutschland spielt Strom beim Heizen kaum eine Rolle. Wer deshalb vor einem Strommangel angesichts der Eiseskälte warnt, liegt falsch, bloggt Marlies Uken. mehr lesen: Winter: Kälte kein Grund für Strommangel… [...]

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  7. 31.

    [...] sich jetzt aber nicht mehr. Denn die Kollegen/innen des Zeit-Blogs “Grüne Geschäfte” haben sich schon des Themas angenommen. Dieser Beitrag wurde unter Haus und Hof, Wirtschaft abgelegt und mit Nachtspeicheröfen, [...]

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  8. 32.

    120212so2344

    Watt aus der Praxis.
    Ich war gestern bei meinem Milch-Bauern und anderes.
    Da läuft im Hofladen und im Raum wo der Milchbehälter steht je Radiatoren,
    die für Grade knapp über Null sorgen.

    “Wenn uns die Spülmaschine einfriert, dann wird uns das teuerer, als der Strom, den wir jetzt zusätzlich verbrauchen.”

    Im Verkaufsraum steht auch einiges, was nicht einfrieren darf.

    Und ich kenne eine Familie, Leute aus Bulgarien, die wohnen nicht gerade in Luxuswohnungen, da schafft ES die Heizung nicht mehr für ausreichende Wärme zu sorgen – der Elektroofen wird zur Heizung herangezogen.

    Also, die Energieversorger müßten dazu verpflichtet werden, entsprechende Daten zu liefern.

    Und war es nicht Die Zeit, der vermeldete, daß wir Strom an Fronkreich liefern?

    Alle Liebe oder WATT “man” sieht, wenn EBBE ist und “man” hinguckt.
    Ihr MIT- und NEBEN-Mensch, vorallem aber Mensch!!
    Klaus K. Wagner

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    • 12. Februar 2012 um 23:52 Uhr
    • klakowa
  9. Kommentar zum Thema

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