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Schifffahrt soll noch mehr ergrünen

Von 21. Februar 2012 um 13:16 Uhr

Der Umweltausschuss des Europäischen Parlaments mag es ja gerne provokant. Diesmal hat er sich die Schifffahrt vorgenommen. Konkret geht es um den Schwefelanteil im Schiffsdiesel. Der Umweltausschuss fordert, dass die zähe Pampe in EU-Gewässern schon ab 2015 nur noch 0,5 Prozent Schwefel enthalten dürfen soll.

Seit Jahren rangeln Politik, Reeder und Umweltschützer ja um den Schwefelanteil. Der liegt nämlich weltweit zurzeit bei 3,5 Prozent und soll erst im Jahr 2020 laut Internationaler Maritimer Organisation auf 0,5 Prozent gesunken sein. Eine Sonderrolle spielen Nord- und Ostsee. Hier gelten schon heute 0,5 Prozent – und die hätte der Umweltausschuss nun gerne in allen EU-Gewässern, also auch im Mittelmeer. Die 3,5 Prozent entsprechen übrigens 35.000 ppm (parts per million – Millionstel Anteil). Zum Vergleich: Für Pkw-Kraftstoffe gilt in Deutschland ein Grenzwert von 10 ppm.

Doch während die Autos immer sauberer werden, tut sich die Schifffahrt schwerer. Schweröl als Sprit, mit hohem Dieselanteil, ist eben ein günstiges Abfallprodukt in den Raffinerien. Das Problem ist nur, dass der Schwefel im Diesel unter anderem sauren Regen verursacht. Hafenstädte wie Hamburg, Travemünde und Los Angeles können da eine lange Geschichte erzählen.

Die deutschen Schiffsbesitzer finden auf jeden Fall das Vorpreschen des Umweltausschusses gar nicht lustig – aus ihrer Sicht ist der Umweltausschuss wohl so etwas wie die berühmte “loose cannon”. Denn wenn die EU mit den Regeln vorprescht, hätte das natürlich Folgen für den gesamten internationalen Schiffsverkehr. Was ist mit Schiffen, die von Asien kommen und durch den Suezkanal ins Mittelmeer fahren? Werden die dann einen zweiten Dieseltank anzapfen und den umweltfreundlicheren Diesel verbrennen? Die Reeder fürchten, dass Verkehr von See auf Land umgelagert wird, weil das unterm Strich günstiger wäre.

Doch de facto schlagen die EU-Parlamentarier ja nur einen ehrgeizigeren Zeitplan vor. Das Problem, sich auf mehr Umweltschutz einzustellen, wird die Schifffahrt so oder so haben.

Kategorien: Klima, Wettbewerb, Wirtschaft
Leser-Kommentare
  1. 9.

    Die Frage danach, ob man Häfen außerhalb der EU anläuft und entlädt, wäre weiter zu untersuchen. Es ist eine reine Kostenfrage und relativ gut zu untersuchen.

    Das ist ähnlich wie die Zertifikatsfrage bei Flügen.

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    • 22. Februar 2012 um 10:01 Uhr
    • joG
  2. 10.

    Wenn das geklärt ist, benötigt man allerdings auch eine Möglichkeit
    das Schweröl sauber zu verbrennen. Gasturbinen bieten sich hierfür an.
    Sie funktionieren mit fast jedem Dreck der brennt(Kerosin)und erreichen einen hohen Wirkungsgrad. Der Schwefel lässt sich allerdings
    nur mit aufwändigen Filtern entfernen(siehe Gipsherstellung).Soetwas lässt sich natürlich nur an Land realisieren.

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  3. 11.

    Liebe Freunde der Schifffahrt,

    hier sind ja nun die zum Teil abenteuerlichsten Geschichten verbreitet worden und ein Teil ist ja davon auch schon gerade gerückt worden.

    Erst ein Mal muss man wohl festhalten, dass Schiffe mit Abstand den geringsten Verbrauch haben, so lange einem die Frachtzeit so ziemlich egal ist. Also wird auch eine eine Verschärfung der Vorschriften nicht zu einer Verlagerung auf Straße, Schiene oder Flugzeug führen. Es wird höchstens zu einer Preissteigerung kommen, was doch aber für einen geschaffenen Mehrwert (sauberere Umwelt) ok ist.
    Es wird auch nicht zu einer Wettbewerbsverzerrung kommen, denn nach Europa reinfahren müssen eh alle, da Häfen mit entsprechenden Umschlagkapazitäten nicht existieren und auch nicht für eine Dauer von fünf Jahren gebaut werden würden.
    Das was die Reeder hier viel mehr scheuen, ist meiner Ansicht nach die Investition in sogenannte Scrubber (Schwefelauswaschanlage) und die damit verbundenen Werftliegezeit, alternativ kann man natürlich auch höhere Betriebskosten durch das teurere Marine Diesel Oil nennen. Man kann ja auf beide Arten dafür sorgen, dass weniger Schwefel im Abgas ist. (Also entweder gar nicht erst verbrennen oder aber rauswaschen.)

    Dann ist da noch diese Geschichte mit dem was mit dem Schweröl tun?
    Nun in Gasturbinen verbrenne ist nicht sonderlich klug, da diese das eben nicht so gut vertragen wie Großdieselmotoren und dazu noch geringere Wirkungsgrade haben.
    Klar sollte jedem sein, dass das auf Schiffen verbrannte Schweröl einfach nur der dreckige Rest aus der Raffination ist. Und wir (Menschen) verbrennen den nun mal auf Schiffen, weil damit am wenigsten Menschen betroffen sind. Gut ist das trotzdem nicht. Also wenn wir weiterhin Öl raffinieren müssen wir auch weiterhin irgendwie das Schweröl loswerden. Mal abgesehen davon das Schweröl ja per se nicht schlecht ist, die Abgase müssen eben nur ordentlich gereinigt werden.

    Und genau diese Reinigung ist doch etwas wo wir speziell auch in Deutschland von stark profitieren würden, denn auch wenn die Schiffe hauptsächlich in Asien gebaut werden so kommt doch der Antriebsstrang fast ausschließlich aus Europa, im Speziellen eben Deutschland…

    Gruß Arne

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    • 22. Februar 2012 um 22:33 Uhr
    • Arne
  4. 12.

    [...] Auf der Nord- und Ostsee gelten die 0,5 Prozent schon jetzt – Schiffe fahren dort immer noch. Zeit [...]

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  5. Kommentar zum Thema

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