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Höhenwindanlagen, der jüngste Coup der Windmüller

Von 23. April 2012 um 11:59 Uhr
Copyright: NTS

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Wat es alles gibt, oder? Die Windmüller starten jetzt in die nächste Liga: Sie wollen die besseren Windverhältnisse in – Achtung – 300 bis 500 Metern Höhe ausnutzen. Das Unternehmen NTS aus Berlin entwickelt dafür zurzeit die erste Höhenwindanlage in Deutschland. Dabei bewegen hoch am Himmel ziehende Drachen kleine Fahrzeuge auf einem Schienenkreis am Boden. Es ist sozusagen die Skysails-Idee fürs Land. Ein Kite soll eine Kapazität von etwa einem Megawatt schaffen. Die Effizienz sei wegen der besseren Ausbeute bis zu drei Mal höher als bei den herkömmlichen Windrädern.

NTS ist inzwischen sogar aus der Zukunftsvisionsphase heraus. In Mecklenburg-Vorpommern hat das Unternehmen in der Gemeinde Friedland eine erste Testanlage gebaut, die 400 Meter lang ist. Die Entwicklungskosten liegen im einstelligen Millionenbereich, die Berliner Förderbank IBB unterstützt das Projekt. Der Geschäftsführer des Start-Ups gibt sich optimistisch, bislang erfülle der Testbetrieb alle Erwartungen, so Uwe Ahrens.

Wie also genau funktioniert die Technik? Die Idee ist, die stärkeren Winde dort oben besser auszunutzen, NTS schwärmt sogar von grundlastfähigem Strom. Die Kites ziehen die kleinen Fahrzeuge  auf den Schienen immer in der Runde. Dabei erzeugen Generatoren Strom und speisen ihn ins Netz ein. Wenn es keinen Wind gibt oder die Fahrzeuge gerade auf einem Abschnitt unterwegs sind, auf dem der Wind aus der falschen Richtung bläst, übernehmen die Schienenfahrzeuge den Antrieb und ziehen die Kites. Auch wenn das wiederum Energie verbraucht: Das sei vergleichsweise wenig, sagt NTS. So sollen die Kites in der Luft gehalten werden. So funktioniert übrigens auch der Start der Kites: Die Mini-Fahrzeuge ziehen die Drachen in die Luft hoch. Es ist das gleiche Prinzip wie beim Drachensteigen, die ersten Meter muss man eben selbst rennen.

Teststrecke in Friedland, Copyright: NTS

Teststrecke in Friedland, Copyright: NTS

Eine Herausforderung ist, das wird gleich klar, der Flächenbedarf an Land und in Luft. Über der Anlage können Flugzeuge nur eingeschränkt fliegen, schließlich sind die Drachen auf bis zu 500 Metern Höhe unterwegs. Und damit sich nichts vertüddelt, brauchen die Kites einen Mindestabstand von etwa 400 Metern. NTS stellt die Schienen auf Stelzen, damit die landwirtschaftlichen Flächen noch zu nutzen sind. Trotzdem würde eine Anlage, die etwa 120 Gigawattstunden im Jahr produzieren können soll, rund 9,6 Kilometer lang sein müssen (weil sie die Form einer Ellipse hätte wäre sie de facto rund 4.000 Meter lang und rund 800 Meter breit).

Tja, ob das jetzt was für Deutschland ist? Erst einmal sicher nicht, dafür ist die Technik ja noch in der Pilotphase. Aber die Entwicklerfreudigkeit, die dahinter steckt, die braucht Deutschland jetzt in der Energiewende auf jeden Fall. Und wer weiß: Vielleicht finden sich ja die ein oder anderen Landwirte, die ihre Äcker lukrativ an die Drachenflieger von NTS verpachten wollen.

 

Leser-Kommentare
  1. 1.

    Altaeros Energies möchte ebenfalls an den Wind in größeren Höhen, verfolgt dabei aber ein anderes Konzept. Das Handelsblatt schreibt dazu: “Die Windkraftanlage ist ein fliegender Impeller, in dessen Mitte ein Windrad angebracht ist. Der Rand ist eine Hohlkammer, die mit Helium gefüllt ist – die Turbine ist also leichter als Luft und schwebt wie ein Prallluftschiff. [...] Das Windkraftwerk braucht also keine aufwendige Infrastruktur. Es eignet sich deshalb als Kraftwerk für abgelegene Regionen, die an kein Stromnetz angeschlossen sind.”
    http://www.altaerosenergies.com/

  2. 2.

    Hallo Quentin Quencher
    danke für den Hinweis. Ja, auch andere Firmen sitzen an der Technologie, bei NTS heißt es, dass es weltweit vier Unternehmen sein sollen.
    Viele Grüße
    Marlies Uken

  3. 3.

    Was sagt die Luftverkehrsordnung zu Höhen über 100m für drachen ???? !!!!

    • 23. April 2012 um 15:24 Uhr
    • louny1954
  4. 4.

    hallo… haben die Italiener hiermit nicht die Nase vorn? http://kitegen.com/tecnologia-2/kite-gen-carousel/

    • 23. April 2012 um 15:46 Uhr
    • Diego Bernardini
    • 23. April 2012 um 16:15 Uhr
    • iboo
  5. 6.

    Noche einfacher machen es die Niederländer. Der Keit zieht das Seil von einer Rolle (Keit steigt, produziert Strom). Am Windfensterrand wird der Kite mit wenig Energie wieder ein Stück herangezugen (Seil aufgewickelt) und es geht von vorne los. Noch cooler, weniger Aufwand.

    • 23. April 2012 um 16:17 Uhr
    • B_ernd
  6. 7.

    Im Artikel steht: “Wenn es keinen Wind gibt oder die Fahrzeuge gerade auf einem Abschnitt unterwegs sind, auf dem der Wind aus der falschen Richtung bläst, übernehmen die Schienenfahrzeuge den Antrieb und ziehen die Kites. Auch wenn das wiederum Energie verbraucht: Das sei vergleichsweise wenig, sagt NTS.”

    Es ist erstmal nicht klar, warum das Ziehen der Drachen durch die Schienenfahrzeuge weniger Energie verbraucht als die Energie, die man vorher beim Ziehen der Schienenfahrzeuge durch die Drachen gewonnen hat. NTS schreibt dazu auf ihrer Webseite: “Und wie man diese Kraft nutzt um Energie zu erzeugen, möchten wir Ihnen an dieser Stelle erst dann erläutern wenn unsere Tests und Versuche erfolgreich durchgeführt worden sind. Dafür bitten wir um Verständnis.” Und der Artikel erklaert das auch nicht verstaendlich, deswegen ist die Frage “Wie also genau funktioniert die Technik?” nicht besonders gluecklich, weil die Technik eben nicht erklaert wird.

    Wer aber schon mal einen Lenkdrachen geflogen hat, weiss, dass die Zugkraft eines Drachens stark von seiner Stellung zum Wind abhaengt, die man wiederum mit relativ wenig Energieaufwand aendern kann. (Bzw. die sich “automatisch” aendert, wenn man den Drachen einen grossen Kreis ziehen laesst.)

    • 23. April 2012 um 16:29 Uhr
    • Martin Kraus
  7. 8.

    Hoffentlich verheddern sich die Leinen der Kites nicht in den bald 250 Meter hohen Windflügeln. Pilot möchte ich da in Deutschland jedenfalls nicht sein.

  8. Kommentar zum Thema

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