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Wenn´s sonst keiner macht: Windmüller bauen eigene Stromleitungen

Von 24. April 2012 um 14:46 Uhr

Es klingt nach einem “Pfff, dann machen wir’s eben selbst”: Die ersten Windpark-Betreiber bauen inzwischen ihre eigenen Stromleitungen, um den Ökostrom von Windparks abzutransportieren und ins Stromnetz einzuspeisen. Das Besondere daran ist: Kein Privathaushalt oder Gewerbebetrieb hängt an diesen Stromleitungen. Es sind reine Einbahnstraßen, der Strom kann nur zum Übertragungsnetz abtransportiert werden.

Normalerweise speisen Windparks ins Verteilnetz ein, an das Haushalte und Unternehmen angeschlossen sind und das daher gewisse Sicherheitsstandards für einen möglichen Blackout erfüllen muss (Ich sag’ nur (n-1)-Sicherheit, aber das führe ich hier lieber nicht aus). Das müssen die neuen Einspeisenetze nicht – und das macht sie, obwohl sie Erdkabel sind, günstiger. Zu ihnen präsentierte der Bundesverband Windenergie heute eine passende Studie und titulierte die Idee Mosaikstein im Gesamtbild Energiewende.

Das längste Öko-Einspeisenetz in Deutschland hat inzwischen der Windparkbetreiber Enertrag für sein Kraftwerk Uckermark errichtet. Das sei schneller und günstiger, als den Ausbau des Verteilnetzes abzuwarten. Rund 600 Kilometer Erdkabel hat Enertrag verlegt.

Wir wollten das Heft selbst in die Hand nehmen und uns unabhängig von regionalen Verteilernetzen machen”, sagt Enertrag-Vorstand Jörg Müller.   

Bislang hat das Unternehmen die Kosten, mehr als 35 Millionen Euro, aus eigener Kasse finanziert. Allerdings hört man auch hier den Ruf nach finanzieller Unterstützung. Die Branche fordert eine Umlage auf den Strompreis, ähnlich den Netzentgelten, um die neuen Einspeisenetze zu finanzieren.

Aber ob’s die wirklich geben wird? EEG-Umlage und Netzentgelte haben wir ja bereits auf den Strompreis. Nun ist auch noch eine Art Offshore-Umlage im Gespräch. Dass sich die Politik dann auch noch zu einer Einspeisenetz-Umlage hinreißen lässt – wohl kaum.

Leser-Kommentare
  1. 1.

    Manfred Güllner hat einmal im Cicero, das was die Bundesregierung, insbesondere Norbert Röttgen, tut, als “ideologiefixierten energiepolitischen Dilettantismus” bezeichnet. Das soll nicht heißen, dass die Opposition besser wäre, die sind nur noch dilettantischer. Alles das was jetzt geschieht, war vorhersehbar und warnende Stimmen wurden als Skeptiker beschimpft, oder noch schlimmer.

    Wenn die Netze für den gegenwärtigen Kraftwerkspark (ohne die Neuen Ineffizienten Energien) ausreicht, dann müssen die Kosten die anfallen, wenn man die NIE ausbauen will, auch den Verursachern zugerechnet werden und nicht der Allgemeinheit aufgebürdet. Dies wird ja schon getan mit der EEG Umlage, da hat man aber zu Recht Angst vom Wahlvolk und versucht erstens den schwarzen Peter den Netzbetreibern zuzuzschieben, zweitens zu verschleiern wer die wirklichen Kostentreiber sind. Wenn alle entstehenden Kosten nämlich den wirklichen Verursachern zugerechnet werden, dann würde sich die EEG-Umlage mal locker verdoppeln.

    So gibt es auch schon länger die Diskussion über die Kapazitätsmärkte, neulich wieder recht eindringlich von Kretschmann im Bundesrat gefordert.
    http://www.youtube.com/watch?v=0ovAxxL8CjE

    Die hier vorgestellte Studie ist genau so geschieben, wie es Güllner auf Röttgen gemünzt hat, im Geiste eines ideologiefixierten energiepolitischen Dilettantismus.” Ich habe zum Beispiel nichts gefunden wie viel Geld gespart wird, was es überhaupt kostet etc. Nur in Abb.5 wird für das Kraftwerk Uckermark “Invest gesamt Mio. €: 32,5, Leistung Alte Dame / Alte Tante MW: 250/160.” Das ist ein bisschen dürftig.

  2. 2.

    [...] Es klingt nach einem “Pfff, dann machen wir’s eben selbst”: Die ersten Windpark-Be… [...]

  3. 3.

    Klingt überzeugend. Wenn das Stromnetz des Zeitalters der zentralen Energieversorgung nicht (schnell genug) dezentral werden will, dann muss man eben an zentralen Verteilerknoten einspeisen. Dann haben auch die großen EVUs nicht mehr so viel Grund zum jammern.

    Außerdem bleibt immer noch die Option einer späteren Dezentralisierung offen, auch wenn dann einige Kilometer Kabel ungenutzt im Erdreich liegen bleiben.

    Die Politik kann sich nicht gegen den technischen Fortschritt stemmen, denn der Windstrom wird gebraucht. So oder so, an der Steckdose ist es ziemlich egal woher der Strom kam, und steigende Preise sind mit den konventionellen Energieträgern auch zu haben. Warum also nicht die höheren Aufwändungen für den Strom in die Erneuerbaren investieren.

  4. 4.

    Etwas mehr Substanz bitte, Frau Uken, selbst wenn dies ein Blog ist!
    Welchen volkwirtschaftlichen Nutzen hat diese Gesellschaft? Basiert die Geschäftsidee allein auf Umlagesubventionen? Wie sehen die Geschäftszahlen aus? Wer sind die “Müller”? Kleine Leute und Hartz-IV-Empfänger, die auch ihr umweltpolitisches Bewusstsein einbringen können und “teilhaben”?
    Und wie wäre es mal mit einem Artikel zu dem vorbestraften AR Walter Döring (Ex-Wirtschaftsminister in BW) und dessen Umtriebe als Subventionsprofiteur bei der Windreich AG?

    • 24. April 2012 um 17:48 Uhr
    • huhi
  5. 5.

    Was haben Fernwärmeleitungen mit Windparks gemeinsam?

    • 24. April 2012 um 19:21 Uhr
    • Schubi
  6. 6.

    #3 Windmühlen sind kein technischer Fortschritt, sondern mittelalterliche Technologie. Deshalb steigen die Kosten für die E-Energieerzeugung in D schneller, als in unseren Nachbarländern. Die Mühlenflügel aus Kunststoffen müssen nach deren Betriebsende verbrannt werden, in Müllverbrennungsanlagen, welche von der Ökotaliban bekämpft werden, schon mal darüber nachgedacht?

    • 24. April 2012 um 19:48 Uhr
    • GegenPlanwirtschaft
  7. 7.

    #5 “Windmühlen sind kein technischer Fortschritt, sondern mittelalterliche Technologie”

    Diese Aussage ist genau so stichhaltig wie:

    “Die Schiffe der Wikinger und die Hochleistungssegler beim Americas Cup nutzen die gleiche Technologie – sie nutzen den Wind und fahren über das Wasser.”

  8. 8.

    „Die Betreiber von Windkraftanlagen bauen ihre eigenen Leitungen, statt auf den Netzausbau zu warten. Dafür hätten sie gern Geld, bloggt Marlies Uken.“ –Wenn Sie, liebe M.U. das absichtlich umgedreht haben, mach es Ihnen keine große Ehre, weil das hier was ganz anderes, als dieser Blödsinn der da unten steht ist…

    „Normalerweise speisen Windparks ins Verteilnetz ein, an das Haushalte und Unternehmen angeschlossen sind… Das müssen die neuen Einspeisenetze nicht – und das macht sie, obwohl sie Erdkabel sind, günstiger.“
    „Das längste Öko-Einspeisenetz in Deutschland hat inzwischen der Windparkbetreiber Enertrag für sein Kraftwerk Uckermark errichtet. Das sei schneller und günstiger, als den Ausbau des Verteilnetzes abzuwarten. Rund 600 Kilometer Erdkabel hat Enertrag verlegt. “Wir wollten das Heft selbst in die Hand nehmen und uns unabhängig von regionalen Verteilernetzen machen”, sagt Enertrag-Vorstand Jörg Müller.“

    Ich habe schon geschrieben, dass der WBE-Präsident H Albers viel Wind im Schädel hat, aber keine Ahnung, was Elektrostrom und Netze sind. Es gibt keine Einspeisenetze, das ist ein dummes Spielchen, „Einspeise“ ist wortwörtlich „ANSCHLUSS“ ans Netz, egal ob Erzeuger oder Verbraucher! Eine WKA oder Windpark, sie müssen per Leitungen ans NETZ angeschlossen werden, egal welche Spannungshöhe, aber den KÜRZESTEN Weg! Diese Artisten können noch 6000 km Kabel verlegen, 1000-e MW in diesem ihrem „Öko-Einspeisenetz“ herumtreiben, wenn ins NETZ zum Verbraucher nichts kommt… Ha-ha-ha… Geld für diesen Blödsinn! Ich versuche einen Artikel schreiben und erklären, was das für eine Banda ist…
    .

    • 24. April 2012 um 21:00 Uhr
    • Egon Dirks
  9. Kommentar zum Thema

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