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Deutsche Fleischberge auf dem Weg nach Asien

 
Sau mit Ferkeln © Philippe Huguen/AFP/GettyImages
Sau mit Ferkeln © Philippe Huguen/AFP/GettyImages

Manchmal lohnt es sich, einen Blick in deutsche Fachzeitschriften zu werfen – etwa die “Vieh und Fleisch Handelszeitung“. Sie berichtete kürzlich über die Fachtagung “Fokus Schwein”, auf der sich Mitte September rund 500 Schweinehalter trafen.

Auf der Tagung war auch Clemens Tönnies zu Gast, einer der größten Fleischproduzenten und Schlachthofbetreiber Deutschlands. Er hatte eine klare Ansage: “Bauen Sie Schweineställe”, zitiert ihn VFZ.

Und wohin mit dem ganzen Schweinefleisch? Der deutsche Markt zumindest ist gesättigt. Also soll es in den Export gehen. Der Weltmarkt biete noch eine Menge Potenzial, der Selbstversorgungsgrad (wie viel Prozent eines Produkts wird unter dem Strich in Deutschland erzeugt) lasse sich ohne Weiters von aktuell 110 Prozent auf 150 steigern. Das heißt übersetzt, Deutschland soll noch mehr Fleisch exportieren.

Und das passiert bereits. Deutschlands Netto-Fleischexport steigt und steigt. Im ersten Halbjahr 2012 nahm der Netto (!)-Export um 120.600 Tonnen zu, zeigt eine aktuelle Kleine Anfrage der Grünen-Bundestagsfraktion. Die reinen Fleischexporte stiegen im ersten Halbjahr um 8,7 Prozent im Vergleich zum ersten Halbjahr 2011.

Die Zielregion ist vor allem Asien. Erst Anfang September reiste eine Delegation der Bundesregierung nach China, um für bessere Exportbedingungen zu werben. Gerade “Schweinefleischnebenprodukte”, also etwa Schweineohren und Füße, die dort als Delikatesse gelten, sollen stärker exportiert werden.

Auch andere Länder Asiens nehmen gerne Schweinefleisch aus Europa. Nach Angaben der Bundesregierung exportierte die EU im Jahr 2010 folgende Mengen:

– nach Russland: 298.000 Tonnen

– nach Japan: 209.000 Tonnen

– nach Hongkong: 93.000 Tonnen

– nach Korea: 83.000 Tonnen

Nun könnte man sagen: Ist doch klasse, wenn der Welthandel funktioniert. Aber natürlich hat das internationale Geschäft mit Lebensmitteln immer eine Kehrseite, vor allem im Heimatland.

Das Fleisch aus Deutschland, das am Ende in einer chinesischen Garküche landet, stammt aus riesigen Mastbetrieben, die inzwischen den Turboschalter umgelegt haben und den Tierschutz teilweise vernachlässigen. Um das System am Laufen zu halten und den Export hochfahren zu können, müssen wir in riesigen Mengen Tierfutter (Soja) importieren. Das ist gentechnisch verändert. Tierfutter vom eigenen Hof oder aus der Umgebung, das wird immer seltener. Und die Gülle landet auf den Äckern, versäuert die Böden und schadet dem Klima.

Bärbel Höhn von den Grünen fordert daher ein Umdenken. Deutschland besitze gerade einmal ein Prozent der Weltagrarfläche, schreibt sie. Und:

“Darauf können wir nicht Schweinefleisch für den wachsenden Bedarf am Weltmarkt produzieren. Tierhaltung muss flächengebunden stattfinden, nicht völlig entkoppelt von den gegebenen Ressourcen an Futter und Ackerfläche zur Gülleausbringung.

Die Bundesregierung muss die Qualitätsproduktion voranbringen, nicht die Massentierhaltung auf Kosten der Tiere, der Umwelt und der ländlichen Entwicklung.”

 

30 Kommentare


  1. Arme Schweine !!!!

    Sie sind hochsensibel, leiden unter den Bedingungen der
    Massenproduktion, Massenschlachtung…..

    Erbärmlich.


  2. […] Fleischberge auf dem Weg nach Asien « Grüne Geschäfte viaDeutsche Fleischberge auf dem Weg nach Asien « Grüne Geschäfte. Bewerten:Share this:E-MailDruckenGefällt mir:Gefällt mirSei der Erste dem dies […]


  3. >> … Das Fleisch aus Deutschland, das am Ende in einer chinesischen Garküche landet, stammt aus riesigen Mastbetrieben, die inzwischen den Turboschalter umgelegt haben und den Tierschutz teilweise vernachlässigen. … >>

    Mastbetriebe. Tierschutz. Teilweise. Vernachlässigen.

    Eigentlich sind die Schweine in den industriellen Mordfabriken auch total glücklich und freuen sich, als Ware Teil an der nächsten Exportweltmeisterschaft werden zu können und mit ihrem Leben das dt. Wirtschaftswachstum steigern zu können.
    Nur teilweise kann die heilige Gesetzes-Norm zur legalen Quälung und Ermordung von Lebewesen aus Profitgründen nicht so ganz eingehalten werden.
    Aber ansonsten ist alles bestens.

  4.   Buria

    Wo bleibt die Ethik?

    1. Auch Schweine sind Lebewesen, keine Fleischberge
    2. Der Verzehr von rotem Fleisch ist ungesund, die Folgen für Chinas Bevölkerung sind gravierend.
    3. Die Produktion von soviel Schweinefleisch schädigt die Natur und die Ressourcen nachhaltig, wie oben beschreiben.
    4. Asien? Da lobe ich mir Indien, die Bevölkerung geht mit Respekt mit allen Lebewesen um.


  5. Tja, Frau Uken und Frau Höhn, was soll ich als Bäuerin die auch Schweinemast betreibt dazu sagen ?
    Vielleicht, dass ich noch genug Tierfutter auf dem eigenen Hof habe und meine Felder auch nicht mit Gülle verseucht sind, und ich außerdem auf Milchvieh setze und Getreide, Kartoffeln, Kohl und Rüben wachsen lasse.
    Ich bin mit Ihnen einer Meinung, dass es”klasse ist, wenn der Welthandel funktioniert”.
    Auch mit der “Kehrseite” stimme ich überein.
    Die gibt es seit ROT-GRÜN in Deutschland nahezu für alles und die Kehrseite von Frau Höhn ist besonders stark ausgeprägt.


  6. Kühlen

    Fleisch muß beim Transport auch gekühlt werden. Das kostet Energie und wenn bei einem Container die Kühlung ausfällt ist alles Müll oder wieder Tierfutter.


  7. Informationen, woher unser Essen stammen, stehen jedem zur Verfügung. Bitte nehmen Sie sich die Zeit und nutzen sie dieses Wissen!

    Wer nicht weiß, wo er anfangen soll, hier ein link zu einer noch relativ “diplomatischen” doku: http://www.youtube.com/watch?v=0KD1o08Z3iQ
    Go Vegan!

  8.   genius1

    Find ich gut!

    Fleissig Exportieren!

    – nach Russland: 298.000 Tonnen

    – nach Japan: 209.000 Tonnen

    – nach Hongkong: 93.000 Tonnen

    – nach Korea: 83.000 Tonnen

    Warum nicht in die dritte Welt exportieren. Ach Ja, die haben zu wenig Dollars, um die Exporte zu bezahlen. Genauer, diese Staaten haben zwar Geld (wenn Preiswert mit Rohstoffen bezahlt werden kann, bis auch die Erschöpft sind) aber die Bevölkerung hat keine Dollars.

    Müssen wir halt noch etwas Warten, bis die Importländer wegen Überschuldung nicht mehr Importieren können, oder noch Schlimmer, ganz Pleite sind.

    Ich hake das Ganze mal, unter Nachhaltiges Wirtschaften ab!


  9. Ich las irgendwo, dass auch die dänischen Schweinemäster zunehmend in Norddeutschland “produzieren”, weil in D. die Lohnkosten dank des Niedriglohnsektors wesentlich geringer sind und die Tierschutzgesetze laxer gehandhabt werden. Die Gülle verseucht die Landschaft.

    Massentierhaltung sollte grundsätzlich in der Form, wie sie besteht, verboten werden. Tiere, die in ihrem Leben nie eine Wiese, geschweige denn einen Sonnenstrahl gesehen haben, die mit Medikamenten vollgepumpt werden und gentechisch verändertes Zeug fressen müssen.

    Furchtbar !

    In meiner Familie und meinem Bekanntenkreis werden immer mehr Menschen zu Vegetariern oder reduzieren ihren Fleischkonsum angesichts solcher Tierquälerei und Landschaftszerstörung.

    Vom Transport eines Koteletts um den halben Erdball mal ganz zu schweigen.

  10.   Langstreckenwanderer

    mir wird schlecht…wann erkennt die Menschheit endlich das wir unsere Ernaehrung umstellen muessen um den Planeten noch zu retten…aber nein da wird darueber nachgedacht wie man diese wirklich sensiblen und cleveren Tiere noch mehr ausnutzen und quaelen kann…ich empfehle jeden Leser hier das Buch von Jeffrey Masson ” wenn Schafe traeumen ” danach wird es wohl einige Fleischesser weniger auf Erden geben…