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Die zarte Energiewende von E.on

Von 2. November 2012 um 13:29 Uhr

Spricht man dieser Tage mit E.on-Mitarbeitern, dann reiben die sich schon verwundert die Augen. Inzwischen seien Dinge in dem Konzern möglich, die man vor einigen Jahren kaum für möglich gehalten hätte. Der Konzern öffne sich. Das Atomzeitalter sei jetzt wirklich vorbei.

E.on AKW Isar 1/2 © Miguel Villagran/Getty Images

E.on AKW Isar 1/2 © Miguel Villagran/Getty Images

Noch sind es allerdings zarte Pflänzchen, die da im E.on-Reich sprießen. In diesem Jahr hat etwa E.on in Bayern zusammen mit Energiegenossenschaften fünf Windparks realisiert. Das mag vielleicht banal klingen, aber hier treffen zwei Weltanschauungen aufeinander. Wie kein anderer deutscher Energiekonzern stand E.on bislang für Zentralismus, für große Kraftwerke und große Strukturen (eine Politik, die E.on bei der Offshore-Windenergie auch fortsetzen kann). Und jetzt liebäugelt E.on mit der anderen Seite, mit Energiegenossenschaften, die für dezentrale Strukturen stehen; die Energiewende auf dem Garagendach.

Mit dem Atomausstieg muss sich der Konzern jetzt plötzlich neu aufstellen. Inzwischen gibt es sogar eine neue Einheit “dezentrale Energielösungen”. Etwas mehr als ein Dutzend Mitarbeiter sind in der Zentrale auf der Suche nach neuen Geschäftsmodellen. Die Herausforderung ist es, Ideen zu entwickeln, die zu E.on passen und eben nicht kleinklein sind. Das könnten etwa Solarmodule fürs Gewerbe sein, etwa für Supermarktketten, Baumärkte oder Möbelhäuser.

Und inzwischen wirbt E.on sogar im Radio für Solaranlagen. Die stellt das Unternehmen zwar nicht selbst her, verkauft und installiert aber die Module.

In den Geschäftszahlen spiegelt sich der Umschwung teilweise wieder. Natürlich macht das Unternehmen noch immer den größten Gewinn mit seinen Kohle-, Gas- und Atomkraftwerken.

Aber diese drei Sparten verzeichneten etwa im ersten Halbjahr allesamt ein Umsatzminus von 1,4 Milliarden Euro. Allein die Kernkraftsparte musste in den ersten sechs Monaten einen Umsatzrückgang um 23 Prozent (617 Millionen Euro) im Vergleich zum Vorjahreszeitraum verkraften. Erst vor ein paar Tagen verkaufte E.on zusammen mit RWE seinen Anteil an der britischen Atomtocher Horizon. An den Neubau von Gaskraftwerken ist derzeit nicht zu denken.

Der Umsatz in der Ökostromsparte wuchs dagegen um 70 Millionen Euro, vor allem wegen neuer Windparks in den USA.

Nun muss man abwarten, wohin die Reise des Energieriesen geht. Anfang Oktober hatte E.on Anteile an Windparks in den USA verkauft. In zwei Wochen legt der Energiekonzern die nächsten Quartalszahlen vor.

Leser-Kommentare
  1. 1.

    der Konzern paßt sich zwangsweise dem Markt an, hoffentlich mit einer folgenden immer besser werdenden Umweltbilanz.

    • 2. November 2012 um 15:12 Uhr
    • tolerant
  2. 2.

    Schön, wenn jetzt endlich wirtschaftliche Gründe zum tragen kommen um die Energieriesen zu bewegen. Dennoch haben Unternehmen wie Eon in der Vergangenheit den nötigen Ausbau erneuerbarer Energien trastisch gebremst und blockiert.
    Nicht zu vergessen wieviele Windraeder still stehen wegen dem schleppenden Ausbau der Trassen.
    Darüber hinaus frage ich mich, warum die Trassen nicht im neuesten Stand der Technik gebaut werden. Supraleiter die mit flüssigem Stickstoff gekühlt werden, veröden den Boden nicht und haben minimalste Verluste, dass sind Faktoren, die sich rentieren werden, auch wenn Masten schneller aufgestellt sind, die Wartung dieser Leitungen beansprucht in den laufenden Jahren Kosten, die bei den Supraleitern entfallen.

  3. 3.

    Der Umsatz beim Atomstrom geht zurück ?
    Nein wirklich ? Und das auch noch NACH der merkelschen Energiewende ?
    Wie kann das denn sein ?

    Guter Artikel. Doch wirklich.

    • 2. November 2012 um 16:05 Uhr
    • Herr Kapp
  4. 4.

    “Das Atomzeitalter sei jetzt wirklich vorbei.” Nur für die Deutschen, die ihr Gehirn abgeschaltet haben. Für alle anderen Länder fängt es gerade erst an. Aber die sind ja alle verrückt, nur der Deutsche weis, wo es lang geht. Hier mal eine Übersicht der Neubauprojekte weltweit.
    http://de.statista.com/statistik/daten/studie/157767/umfrage/anzahl-der-geplanten-atomkraftwerke-in-verschiedenen-laendern/

    • 2. November 2012 um 17:42 Uhr
    • nimmZeit
  5. 5.

    Machen Sie sich nichts vor, die German Angst hat gesiegt. Ab 2022 gibt es keine Kernkraftwerke mehr in Deutschland.

    Die 20% Strom, die wir ab 2050 importieren, kommen aus Kraftwerken jenseits der Grenzen, da können wir endlich ruhig schlafen….

  6. 6.

    @nimmzeit
    Dann informieren Sie sich doch mal genauer!
    Schon die Überschrift hätte Sie skeptischer werden lassen: “die Länder PLANEN…” Viel Geschwätz also und sonst nichts.
    Übrigens sind dann auch noch Projekte wie z.B. Jordanien drin die schon längst abgesagt haben.
    http://www.ausgestrahlt.de/hintergrundinfos/scheinargumente-widerlegen.html
    Mit Italien, Ägypten, Jordanien, Kuwait und Thailand haben fünf Länder Pläne für einen Einstieg in die Atomenergie aufgegeben uswusf.

    Im Allgemeinen empfehle ich Ihnen sich weniger auf Angaben des Wolfgang Clement von der Initiative neue soziale Marktwirtschaft zu verlassen.
    Sie mögen ja ein Fan sein u. in der Vergangenheit deshalb die SPD gewählt haben, doch der Clement war und ist einer der nur sein Geld im Auge hat.

    • 2. November 2012 um 18:01 Uhr
    • achimvr
  7. 7.

    Am 2. November 1992 wurde Galileo Galilei von der römisch-katholischen Kirche formal rehabilitiert.

    Wenn wir mit oekologischer Nachhaltigkeit aehnlich lange brauchen, dann gehen und diverse Ressourcen vorher aus, ganz abgesehen von dem high-technischen Fortschritt, der uns dabei entginge.

  8. 8.

    Jedenfalls kann man ruhiger schlafen als wenn diese innerhalb Dtls stehen. Wie man aus Erfahrung (Tschernobyl u. Fukushima) weiß befinden sich die Sperrzonen um GAUs direkt um das AKW. In beiden Fällen übrigens ca 30 km Radius.
    Besser für D wenn diese Sperrzonen außerhalb Dtls liegen. Mit entsprechendem Wind kann ich dann für den Rest meines Lebens auf Erträge aus meinem Garten verzichten doch werde ich mit Sicherheit nicht von meinem Land und Grund vertrieben. Und das auch noch ersatzlos, denn versichert ist bekanntlich nichts!

    • 2. November 2012 um 18:18 Uhr
    • achimvr
  9. Kommentar zum Thema

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