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Abgabe auf Flugtickets: ein Mini-Erfolg für die Airlines

Von 5. November 2012 um 17:08 Uhr
Boing 747 beim Start in Frankfurt/Main © Daniel Roland/AFP/GettyImages

Boing 747 beim Start in Frankfurt/Main © Daniel Roland/AFP/GettyImages

Glaubt man Lufthansa, Air Berlin TuiFly und zig anderen Airlines, dann ist die Lage sehr sehr dramatisch. Zur Abgabe auf Flugtickets fallen den Luftfahrtsunternehmen nur Schlagzeilen ein:

Zu teuer für die Passagiere!

Zu teuer für die Luftfahrt!

Zu teuer für Deutschland!

heißt es in einer Stellungnahme des Bundesverbands der Deutschen Luftverkehrswirtschaft.

Dabei kann sich die Branche seit heute ein bisschen zurücklehnen. Einen ersten Erfolg hat sie verbucht: Die Bundesregierung verzichtet darauf, die Ticketabgabe wie angekündigt zum kommenden Jahr zu erhöhen. Nach Infos der Süddeutschen Zeitung sparen die Airlines allein dadurch 40 Millionen Euro (oder besser: die Kunden, denn schließlich wird die Abgabe einfach durchgereicht).

Worum geht´s eigentlich genau? Die Ticketabgabe ist ein Beispiel für die unglückliche Verbindung von Haushaltszielen und Klimaschutzzielen. Die Idee der Bundesregierung war: Wir führen eine Abgabe auf Flugtickets ein, um unseren Bundeshaushalt zu konsolidieren. Auf eine Milliarde Euro jährlich spekulierte die Bundesregierung, als sie die Steuer im vergangenen Jahr einführte. Sie beträgt zurzeit 7,50 Euro auf Inlandsflüge, bei Fernflügen sind es rund 42 Euro.

Nun hat allerdings auch Brüssel die Airlines im Auge: Die EU-Kommission will sie in den Handel mit CO2-Zertifikaten einbeziehen, weil der Flugverkehr mit drei Prozent (Tendenz ansteigend) stark zum Klimawandel beiträgt:  Laut EU-Kommission verursacht jemand, der einmal London-New York-London fliegt, ähnlich hohe Emissionen wie der durchschnittliche EU-Bürger, der ein ganzes Jahr heizt. Doch die Realisierung des EU-Emissionshandels zieht sich hin. Bislang brauchten die Airlines noch keine Zertifikate zu ersteigern, das soll wohl erst in den kommenden Wochen beginnen.

Die Bundesregierung hatte den Airlines daher ein Angebot gemacht: Okay, die Ticketabgabe kommt. Aber damit ihr nicht zu stark belastet werdet, deckeln wir Eure Gesamtbelastung aus Ticketabgabe und EU-Zertifikatehandel auf eine Milliarde Euro. Weil die Airlines aber eben noch keine Zertifikate kaufen mussten, hätte nun die Ticketabgabe steigen müssen. Genau darauf verzichtet jetzt das Bundesfinanzministerium.

Die Klimaschützer vom Öko-Verkehrsclub VCD halten das für ein fatales Signal. Die Fluglinien würden jährlich allein durch die Steuerbefreiung von Kerosin mit Milliarden subventioniert. Die Abgabe habe zudem auch nicht zu einem Rückgang der Passagierzahlen geführt. “Es ist absolut gerechtfertigt, dass mehr als eine Milliarde Euro Steuern im Luftverkehr eingenommen werden. Damit wird ein Teil des massiven Steuerprivilegs für den klimaschädlichsten Verkehrsträger abgebaut”, sagt Monika Ganseforth, stellvertretende VCD-Bundesvorsitzende.

Leser-Kommentare
  1. 1.

    Meine erste Assoziation war ein gutes Ad-Busting seitens Greenpeace (mehr oder weniger) zum Thema und zu gut, um sie nicht auch hier mit den anderen Leserinnen und Lesern zu teilen: http://www.greenpeace-magazin.de/typo3temp/pics/keineAnzeige_Lufthansa_bfb02838ca.jpg

    • 5. November 2012 um 17:28 Uhr
    • maksibec
  2. 2.

    Ups, schlechter Link oben, bessere Auflösung unter http://www.greenpeace-magazin.de/typo3temp/pics/cd8a527548.jpg

    • 5. November 2012 um 17:29 Uhr
    • maksibec
  3. 3.

    alle Aktionen und Bestimmungen die das Fliegen verteuern verhindern, eindämmen sind mir und meiner Familie recht.

    • 5. November 2012 um 18:31 Uhr
    • tolerant
  4. 4.

    Weder der Flugverkehr und schon gar nicht der Autoverkehr tragen nennenswert zum weltweiten CO2 Ausstoß bei. Der Schiffsverkehr ist einer der größten Umweltverschmutzer aller Zeiten, aber das interessiert ja niemanden. Ist halt einfacher, die Bürger abzuzocken, als Schiffe, die in irgendeiner Bananenrepublik registriert sind.
    Ach, ja. Fahrt mal nach Polen auf die Dörfer. Was da in jedem Haus aus dem Schornstein kommt…da kannst Du hier noch so viel dämmen und Sprit sparen.

    • 5. November 2012 um 18:47 Uhr
    • Patrick
  5. 5.

    Die Lufthansa steht mit ihrem Gewinn gar nicht so schlecht da.

    Auch Kerosin wird bisher nicht besteuert. Die Bahn u. Autofahrer müssen diese Steuern auf Sprit aber zahlen.
    Es wird Zeit endlich eine Flugmaut zu verlangen, denn die Routen sind festgelegt u. so kann sich niemand von diesen Kosten entziehen indem man im Ausland tankt.

  6. 6.

    Der Flugverkehr trägt weniger zum Klimawandel bei, als die Abschaltung der AKW´s. In Deutschland wird jetzt jede Menge mehr Kohle (aus Kolumbien) verfeuert bei dem permanenten Ausfall der “Erneuerbaren Energien”. Aber das ist ja nicht en vogue.

    • 5. November 2012 um 19:15 Uhr
    • Lalla
  7. 7.

    3 der 5 verkehrsreichsten Flugstrecken von FFM sind innerdeutsch

    https://www.destatis.de/DE/Publikationen/Thematisch/TransportVerkehr/Luftverkehr/LuftverkehrAusgewaehlteFlugplaetze2080610117004.pdf;jsessionid=0BE89F0A42BCDE252079D34D253E1854.cae2?__blob=publicationFile

    FFM ist eine zentrale Stadt und Berlin, Hamburg und München könnten mit ICE Direktverbindungen und guten Hochgeschwindigkeitsstrecken binnen 2 Stunden erreicht werden.

    Solange die Bahn von Frankfurt nach Berlin aber immernoch in jedem Kuhdorf hält und daher die Neubaustrecken verlassen muss, statt mit 250 km/h durchs Land zu heizen, wird der innerdeutsche Flugverkehr nicht abnehmen.

    Hier ist der Verkehrsminister und die Bahn gefragt endlich ein ordentliches Hochgeschwindigkeitsnetz zwischen diesen vier Städten zu bauen. Die Strecke Köln Frankfurt hat gezeigt, dass eine gute Hochgeschwindigkeitsanbindung einen Flug überflüssig macht, denn die Lufthansa bedient aufgrund mangelnder Nachfrage die Strecke nicht mehr.

    FFM und wegen mir auch Berlin würden als einzige interkontinentale oder sogar internationale Flughäfen in Deutschland völlig ausreichen, wenn die Zubringer schnell wären.

    Aber der ICE von Berlin nach FFM hält lieber in Berlin-Spandau, Wolfsburg, Braunschweig, Hildesheim Hbf, Göttingen, Kassel-Wilhelmshöhe,Fulda und Hanau und braucht für die etwas über 500km 4 Stunden, statt 2.

  8. 8.

    Klimakiller? Wie soll das denn gehen?
    Ueberlegen wir mal, angenommen, wir bringen das Klima um. Wie macht man das? Und wie muss man sich ein totes Klima vorstellen? Windstille? Roechelnde Winde?
    Oder meinen die oekodiktatoren (moechtegern …) klimaveraenderungen? Also Aenderungen in der langfristigen Wetterstatistik?
    Ok, das klingt nicht ganz so dramatisch. Damit kann man den Leuten das Geld nicht ganz so leicht aus der Tasche ziehen. Aber immerhin waere es ehrlicher.

    • 5. November 2012 um 19:42 Uhr
    • EcoPriest
  9. Kommentar zum Thema

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