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Die Millionenliste: Wer zahlt kaum Netzentgelte?

Von 23. November 2012 um 17:23 Uhr

Es ist mal wieder Strompreis-Time: Zum Jahreswechsel erhöhen rund 600 Stromunternehmen die Preise. Die Kilowattstunde soll im Schnitt um zwölf Prozent teurer werden. Die Anbieter verweisen in der Regel auf die steigende Ökostromumlage und steigende Netzentgelte. Energiewende kostet eben Geld, so wird das oftmals interpretiert.

Das stimmt natürlich. Aber vielleicht muss sie für die privaten Haushalte nicht so teuer sein, wie es bislang scheint. Die Bundesregierung hat die Regelungen für Ausnahmen bei den Netzentgelten in der Vergangenheit so gelockert, dass immer öfter Ausnahmen genehmigt wurden – und die Folgen müssen nun alle Verbraucher tragen.

Eine Aufstellung der Bundesnetzagentur zeigt, welche Stromverbraucher beantragt haben, von den Netzentgelten befreit zu werden. Die Geschichte vom Golfplatz Johannesthaler Hof ist ja bereits bekannt – sicherlich ist es kaum nachvollziehbar, warum ein Golfplatz reduzierte Netzentgelte zahlen darf; schließlich steht er kaum im internationalen Wettbewerb. Ähnliches gilt für den Erlebnispark Tripsdrill, H&M und die Kükenbrüterei Wimex.

Interessant ist aber eine weitere Liste, die zeigt, wie sehr Großverbraucher von der Zahlung ausgenommen werden. Sie vermittelt einen ersten Eindruck, in welcher Größenliga man sich eigentlich bei den Netzentgelten bewegt. Insgesamt werden allein in diesem Jahr Ausnahmen in Höhe von rund 1,1 Milliarden Euro gewährt.

Der größte Profiteur in dieser Aufstellung (die nur einen Ausschnitt widerspiegelt) ist danach der Glashersteller F-Glas aus Sülzetal mit 31 Millionen Euro, gefolgt vom Aluminiumhersteller Trimet aus Hamburg (19 Millionen Euro) und Wacker Chemie (16 Millionen Euro). Warum das Rechenzentrum der Allianz in Unterföhring eine Befreiung von 794.000 Euro genießen darf, erschließt sich mir nicht auf den ersten Blick.

Auch Gerichte werden sich in den kommenden Monaten mit den Netzentgelt-Ausnahmen beschäftigen. Kürzlich hat bereits das Oberlandesgericht in Düsseldorf in Aussicht gestellt, dass es diese Ausnahmen für ungerechtfertigte Beihilfen hält. Der Bund der Energieverbraucher klagt zudem bei der EU-Kommission dagegen. Im Frühjahr kommenden Jahres wird es weitere Urteile geben.

Leser-Kommentare
  1. 1.

    Ein bißchen Volkswirtschaft tät gut.
    Wenn der Erlebnispark Tripsdrill, H&M, und die Kückenbrüterei Wimex
    EEG Umlage bezahlen müssen und nicht freigestellt werden, werden
    die Umlagekosten auf die Preise aufgeschlagen und der Bürger zahlt über
    den Preis indirekt die Umlage. Der Bürger kann nicht ausweichen alle
    höheren Stromkosten werden über die Preise weitergegeben, ob beim
    Bäcker die Heizkosten, oder bei der Straßenbahn der Stromverbrauch.
    Direkt oder indirekt zahlt der Bürger die höheren Energiekosten immer.
    Es gehört zum Verschleierungsgeschwafel unserer Ökos dies falsch dar-
    zustellen.

    • 23. November 2012 um 18:40 Uhr
    • Halapp
  2. 2.

    VWL hin oder her, lieber Halapp. Fakt ist, dass ALLE Bürger zahlen und NICHT alle Unternehmen. Und Sie werden sicher auch nicht bestreiten, dass allein die Erneuerbaren Energien ihre wirklichen Kosten offenlegen. Die wahren Kosten der Kernkraft oder der Kohleverstromung stehen nicht auf der Stromrechnung – zahlen werden dafür trotzdem alle Verbraucher. Über Jahrtausende! Verschleierungsgeschwafel …

    • 23. November 2012 um 19:01 Uhr
    • Großmann
  3. 3.

    Ein bißchen Realität täte gut.
    Wenn der Erlebnispark Tripsdrill, H&M, und die Kückenbrüterei Wimex
    EEG Umlage bezahlen müssen und nicht freigestellt werden, werden
    sie sich gut überlegen, ob sie die Umlagekosten auf die Preise aufschlagen, denn der Kunde könnte ja zur Konkurrenz gehen. Die Erhöhung der Energiekosten macht z.B. auf eine H&M-Hose runtergebrochen wahrscheinlich nur ein oder zwei Cent des Gesamtpreises aus. Zudem sollen höhere Energiekosten Anreize zu Energieeinsparungen schaffen, was natürlich nicht funktioniert, wenn die Industrie von den Preiserhöhungen ausgenommen wird. Es gehört zum Verschleierungsgeschwafel der Industrielobby, dies falsch dar-
    zustellen.

    • 23. November 2012 um 19:04 Uhr
    • Klaus
  4. 4.

    Es ist schon ein großer Unterschied, ob jeder – unterschiedslos, ob er einen Service in Anspruch nimmt oder nicht – zur Kasse gebeten wird, oder nur derjenige, der auch profitiert. Wenn ich den Erlebnispark nicht besuche, möchte ich auch nicht zahlen!

  5. 5.

    Ich für meinen Teil habe nichts dagegen für meine Brötchen 1 Cent mehr zu bezahlen wenns denn den folgenden Generationen und der Umwelt dient!

    Ich habe allerdings etwas dagegen für meine Brötchen 2 Cent mehr zu bezahlen damit die Mitgliedsbeiträge für bedürftige Golfspieler in Ihren Clubs “erschwinglich” bleiben!

    LG

    Klaus

  6. 6.

    …zudem wären höhere Strompreise für diese Großverbraucher ein Grund zur Innovation und Minimierung des Verbrauchs.

  7. 7.

    Deutschlands Wohlstand kommt zum Großteil vom Export. Die Großverbraucher müssen – wenn man denn die Ausnahmen kippt – die erhöhten Kosten auf die Preise umlegen. Damit schneiden deutsch Produkte im internationalen Wettbewerb schlechter ab.
    Daraus folgt geringerer Absatz. Das heißt: Stellenabbau, Steuerausfälle, sinkender Wohlstand.

    Das Argument, daß der Bürger immer zahlt ist insofern richtig, als das er entweder über die höheren direkten Belastungen zahlt oder indirekt über den Preis – und dazu noch mit seiner Arbeitsstelle.
    Wenn die Großkonzerne gehen, dann gehen auch die Entwicklungsabteilungen etc. – und die Zulieferer gehen ein.

    Was das bedeutet kann sich jeder ausmalen und das läßt sich auch nicht wegdiskutieren.

    Aber das nur am Rande,

    AW
    _____

    “Wenn das letzte Auto vom Band gelaufen und die letzte Hochofen aus ist, dann werden die Deutschen feststellen, daß genderquotierte Sozialpädagogen keinen Wohlstand erwirtschaften.”
    AW

    • 23. November 2012 um 19:09 Uhr
    • A. Wolff
  8. 8.

    Nicht nur der Bürger bezahlt die Kosten für die Umlage der Energiewende sondern alle Kunden. Deshalb ist die Befreiung vor allen Dingen der exportorientierten Produktionen von ganz entscheidender Bedeutung, vor allen Dingen dann, wenn sie energieintensiv sind.
    Wie dem auch sei, es geht nicht anders als das zum Schluß die Bürger alles bezahlen müssen, einschließlich der Marktverwerfungen durch höhere Kosten.

  9. Kommentar zum Thema

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