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Deutschlands Biobauern fehlt es an Ackern

Von 9. Januar 2013 um 15:46 Uhr

Das Europäische Statistikamt Eurostat hat kürzlich spannende Zahlen über die Agrarwirtschaft in der EU veröffentlicht. Wer sich durch den Zahlenwust wühlt, entdeckt interessante Entwicklungen in der Bio-Landwirtschaft in Europa. Nur etwa 1,3 Prozent der europäischen Betriebe wirtschafteten im Jahr 2010 nach Bio-Kriterien: Sie halten also ihre Tiere auf größeren Flächen und setzen weniger Dünger ein als ihre konventionell arbeitenden Kollegen – und wenn, dann biologischen Dünger. Die Fläche, die sie bewirtschaften, entsprach im Jahr 2010 gerade einmal 2,9 Prozent der Agrarfläche in der EU.

Und genau da ist der Knackpunkt. Glaubt man Alexander Gerber, dem Geschäftsführer des Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft, dann kommt in Deutschland die Bio-Anbaufläche nicht mehr der Nachfrage der Konsumenten hinterher. Die Nachfrage nach Bioprodukten wachse jährlich um etwa acht Prozent (genau Zahlen veröffentlicht der BÖL im Februar). Die Zunahme an Bioflächen aber falle weitaus geringer aus. “Das Marktwachstum steht nicht mehr im Verhältnis zum Flächenwachstum”, sagt Gerber. Die ökologisch wirtschaftenden Betriebe hätten große Probleme, an neue Flächen zu kommen. “Die Situation hat sich deutlich verschärft.”

Gerber nennt dafür zwei Gründe: Wer als konventioneller Bauer überlege, sein Land auf Bioanbau umzustellen, der schaue natürlich aufs Geld: Womit lässt sich mehr verdienen, mit Bioproduktion oder Standardanbau? Doch gerade in der jüngsten Vergangenheit sind die Agrarpreise in die Höhe geschossen. Der Preisabstand bio versus konventionell ist inzwischen zu klein, als dass sich eine Umstellung lohnen würde.

Zudem sind die Flächen generell knapp. Wer die Wahl hat, baut Mais an – trotz umfassender Kritik (Stichwort: Teller-Tank-Diskussion) ist es für Landwirte immer noch am lukrativsten, Mais für Biogasanlagen anzupflanzen, um Ökostrom zu produzieren. Der Run auf landwirtschaftliche Flächen lässt die Preise in die Höhe steigen (darunter leiden natürlich auch die konventionellen Betriebe). Bis zu 1.000 Euro werden inzwischen an Jahrespacht für einen Hektar verlangt. Das kann sich nicht jeder Biobauer leisten.

Ein Blick zu unseren Nachbarn Österreich und Tschechien zeigt, dass es auch anders geht (nun gut, die Länder spielen in einer anderen Größenliga, aber mir geht es hier um die politischen Rahmenbedingungen). Österreich führt in der EU den Biomarkt an: Kein EU-Land wirtschaftet auf seinen Flächen ökologischer (13 Prozent aller landwirtschaftlichen Betriebe waren im Jahr 2010 bio-zertifiziert, 12 Prozent der Fläche wurde auch danach bewirtschaftet). Platz Zwei belegt, hoppla: Tschechien. (Bioanteil Betriebe: 7 Prozent, Flächenanteil: 9 Prozent).

Einmal davon abgesehen, dass Österreich die kleinteilige Biolandwirtschaft viel aktiver fördert als Deutschland, hat auch die Nachfrage der Konsumenten zu der Entwicklung beigetragen. Gerade österreichische Supermarktketten bauten dort auf ein umfassendes Bio-Angebot. Tschechien setzte nach dem Fall der Mauer überraschend schnell ebenfalls auf Bio-Anbau. Kein anderes Land war schneller bei der Gründung eines Bioverbands. Der baute die nötigen Strukturen auf, organisierte die Biobewegung und bot Beratung an – eine Entwicklung, die sich heute auszahlt.

Leser-Kommentare
  1. 1.

    Werden die Bilder, die zu den Beiträgen gezeigt werden irgendwie dazugewürfelt? Zumindest für das Vorschaubild scheint das der Fall zu sein.

    Was genau haben Kühe im Wald mit fehlenden Ackerflächen zu tun?

    Also wenn die Kühe oder Wald nicht Schuld tragen an dem Mangen, dann meine ich: Nichts.

  2. 2.

    Hallo Vroomfondel
    herzlichen Dank für Ihre Anmerkung. Das Bild zeigt eine Rinderherde in den bayrischen Alpen. Es ist auch dem Dilemma geschuldet, einen “Mangel” zu zeigen: fehlende Ackerfläche lässt sich nun mal schlecht bebildern.
    Viele Grüße
    Marlies Uken

  3. 3.

    Aus ökonomischer Sicht ist die These des Artikel, mit Verlaub, Unsinn. Genauso könnte man darüber klagen, dass es in Deutschland nicht genug Porsche-Fabriken gibt, um die Nachfrage zu befriedigen. Es ist alles eine Frage des Preises. Osteuropäische Anbieter unterbieten deutsche Biobauern beim Preis, weil sie geringere Kosten für Land und Arbeit haben, und bedienen damit den wachsenden Biokonsum in Deutschland. Sollen wir die Grenzen zu Tschechien dicht machen? Oder sollen wir noch mehr Subventionen an Landwirte zahlen? Also die Allgemeinheit dafür blechen lassen, dass die Mittel- und Oberschicht Bioprodukte konsumieren will?

    • 10. Januar 2013 um 12:16 Uhr
    • Arnim Kuhn
  4. 4.

    Das in dem Artikel beschriebene Flächenproblem ist unvermeidlich und sollte über kurz oder lang zu einem vom Markt bestimmten Gleichgewicht der Produktion von konventionellen und biologisch erzeugten Produkten führen. Die Menge an verfügbaren Agrarland ist beschränkt und die Ernte bei ökologischer Landwirtschaft geringer als bei Einsatz von Düngern und Pestiziden. Wenn global betrachtet genug Nahrungsmittel für alle Menschen erzeugt werden sollen, kann die ökologische Landwirtschaft -genau wie natürlich auch die Erzeugung von Biokraftstoffen- nicht zur Regel werden. Wenn die Nachfrage höher ist als das Angebot, gibt es nur eine sinnvolle Reaktion: Die Preise für Bioprodukte werden steigen.

    • 10. Januar 2013 um 12:28 Uhr
    • bescco
  5. 5.

    Mir erscheint es als habe die Autorin irgenwie Marktwirtschaft nicht richtig verstanden.Das faengt schon mit einer unverfaenglichen Aussage wie “Die Nachfrage nach Bioprodukten wachse jährlich um etwa acht Prozent (genau Zahlen veröffentlicht der BÖL im Februar). Die Zunahme an Bioflächen aber falle weitaus geringer aus.” Schon die Aussage “die Nachfrage wachse” ist unklar, da die Nachfrage eine mathematische Funktion, die im einfachsten Fall den Zusammenhang zwischen Preisen und nachgefragten Mengen eines Produktes beschreibt. Also wie kann eine Funktion um jaehrlich 8% steigen? Was die Autorin sagt, koennte bedeuten, die abgesetzte Menge hat zugenommen oder auch der Umsatz hat zugenommen. Ja und wenn die Flaeche in DE eben nicht so steigt, wie was auch immer, sagt das auch nicht viel, ausser dass die Bauern offensichtlich immer produktiver produzieren oder regelmaessig die Preise erhoehen bei gleicher Produktion oder es wurde mehr importiert aus Staaten in denen die Produktionskosten geringer sind. Aber was wollte die Autorin uns eigentlich sonst mitteilen?

  6. 6.

    Politik bedeutet gestalten, die Rahmenbedingungen in Deutschland protegieren derzeit zweifelhafte Konzepte der Energiegewinnung auf dem Acker. Es genügt aber nicht, über „Maiswüsten“ zu jammern – man muss Alternativen aufzeigen. „Bio“ kann eine Alternative sein: die Beschäftigungsquote (im Vergleich zu anderen Landwirtschaftsformen) ist hoch, ein Großteil der Betriebe sind Mittelständler, Verarbeitungsketten etablieren sich im näheren Raum, Wertschöpfung vor Ort – davon profitieren gerade strukturschwache Flächenländer. Der Markt für die Produkte wächst in Europa dynamisch. Es ist ein ökonomisch sehr erfolgreiches Zukunftssegment, die Chance sollte Deutschland nicht verschlafen.

    In Europe erhält jeder Agrarbetrieb Subventionen. Wer über „besser – bio“ lästert, sollte sich wenigstens die Ergebnisse der WHO, der Weltbank und der Vereinten Nationen kennen: regional diversifizierte, nachhaltig orientierte und kleinteilig angepasste Agrarstrukturen sind weltweit am erfolgreichsten bei der Vermeidung von Hunger, der Verhinderung von Armut, Abhängi8keit und Landraub.

    • 10. Januar 2013 um 13:01 Uhr
    • ANM
  7. 7.

    Eine flächendeckende Bioproduktion ist bei 80 Mio Einwohnern in Deutschland nicht möglich. Es sei denn, wir akzeptieren eine Versorgung wie ca. 1925.

  8. 8.

    Anders als von den Kommentatoren vor mir behauptet, geht es hier nicht vorrangig um die Gesetzmäßigkeiten des Marktes. Denn schließlich werden in der EU bestimmte Formen der Landwirtschaft durch Subventionen deutlich bevorzungt und gefördert. Es stellt sich also die Frage, welche Form von Landwirtschaft die Gesellschaft für sinnvoll und fördernswert hält. Ist diese Frage entschieden, darf an die Politik die Forderung gestellt werden, die Regeln der Subventionierung zu ändern (z.B. zugunsten von biologischem Anbau). Es geht also nur begrenzt um die Gesetze des Marktes, sondern eher um die Werte der Gesellschaft: Was wollen wir mit unserem Geld fördern?

    • 10. Januar 2013 um 13:16 Uhr
    • Nikopol
  9. Kommentar zum Thema

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