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Top-Ökonomen scheuchen Obama auf

Von 14. März 2013 um 17:16 Uhr

Das ist mal ein Who is Who: 32 US-Ökonomen, darunter gleich acht Nobelpreisträger, fordern heute den amerikanischen Präsidenten in einem offenen Brief auf, sich dafür stark zu machen, dass auch Airlines ihren Beitrag zum Klimaschutz leisten.

Dazu gehören Joseph Stiglitz von der Columbia University, Kenneth Arrow aus Stanford und Eric Maskin aus Harvard. Sie schreiben:

“Pricing carbon in the aviation sector will incentivize appropriate investments and changes in operations that would reduce future greenhouse gas emissions. If climate change is to be slowed appreciably at tolerable cost, it is wise to use the market to provide incentives for individuals and firms to reduce greenhouse gas pollution.”

Der Hintergrund: Die EU will ja eigentlich endlich die Airlines dazu verpflichten, auch am Handel mit CO2-Rechten teilzunehmen. Am liebsten hätte sie alle Airlines weltweit dabei – nicht nur die, welche innerhalb der EU starten und landen. Das allerdings ist kompliziert. Bislang haben sich die USA und China mit Händen und Füßen dagegen gewehrt, am EU-Emissionshandel teilnehmen zu müssen. Ende vergangenen Jahres verschob EU-Klimakommissarin Connie Hedegaard überraschend den Start des CO2-Handels für Airlines um ein Jahr. Bis dahin könnten die USA und China doch noch dabei sein, hofft sie.

Der Zeitpunkt der Ökonomen-Iniative ist smart gewählt. Ende März trifft sich das zuständige Gremium, die Internationale Zivilluftfahrtorganisation ICAO, in der die EU ihre Position durchfechten will. Auf dem Treffen könnten die USA und EU ausloten, ob die USA nicht doch noch mitmachen wollen. Es wäre ein großer Schritt auf dem Weg zu einem weltweiten Emissionshandel. Und bitter nötig, schließlich steht das europäische System wegen des CO2-Preisverfall gerade vor dem Kollaps. Eine Zusage der USA könnten ihm noch mal neuen Schwung verleihen.

Für Ökonomen ist der Brief ungewöhnlich klar und politisch formuliert, sie sprechen gar von “egoistischer Tatenlosigkeit auf Kosten nächster Generationen”:

“Because emissions are not priced, the world is wastefully using up a scarce resource, the earth’s ability to safely absorb greenhouse gas emissions. Our selfish inaction pushes increased costs onto future generations, and dangerously increases the probability of extreme events with major impacts on their welfare.”

Eine Dame wird sich sicherlich über die Initiative gefreut haben: Klimaschutzkommissarin Hedegaard. Ihre Sprecherin schickte den Ökonomenaufruf gar über deren Presseverteiler. Eine ungewöhnliche Aktion.

Leser-Kommentare
  1. 1.

    “Und bitter nötig, schließlich steht das europäische System wegen des CO2-Preisverfall gerade vor dem Kollaps.”

    Jetzt wollen wir das mal übersetzen: Offenbar haben Unternehmen, die an dem über die Wirtschaft Europas ausgebreiteten Zwangssystem märchenhaft reich zu werden hofften, Berge von Zertifikaten gekauft, um sie dann der Industrie zu Apothekeropreisen verkaufen zu können. Die dafür verantwortlichen Typen sitzen jetzt auf ihren Zertifikaten und stellen fest, daß sie sie nicht losschlagen können.

    Jetzt sollen die Staaten intervenieren und durch Verknappung die Preise hochtreiben.

    Das System gehört aber abgeschafft – es ist totalitär und verfassungswidrig.

  2. 2.

    Es darf gelacht werden. Für eine völlig unwirksame Massnahme sollen die Passagiere extra zahlen. Inzwischen sollte hinreichend bekannt sein, daß nach Messungen der IPCC-Zuarbeiter seit 15 Jahren die Globaltemperatur nicht mehr ansteigt, während der CO2-Anteil fröhlich weitersteigt. Wo bitte ist der kausale Zusammenhang? Der wird immer nur behauptet, aber nirgends bewiesen. Warum soll ein Temperaturanstieg gebremst werden, der überhaupt nicht stattfindet? Mit einem Mittel das sichtbar nichts bewirkt?
    Die USA haben ein marodes Fernstrassennetz und ein marodes Schienennetz sind aber auf Mobilität angewiesen. Ich glaube Präsident Obama ist zu intelligent um die US-Wirtschaft auf Wunsch von ein paar Edel-Ökos zu ruinieren. Die erholt sich gerade von einer Rezession, die auch die Airlines getroffen hat. 30 Mio Menschen ohne KV sind zu retten. Und hier barmen ein paar Nutzniesser um den sinn und wirkungslosen Zertifikatehandel . Lasst den verrecken und kümmert Euch um die Menschen!

  3. 3.

    @M. Weber #1: “Es darf gelacht werden.”
    Nein. Wenn Sie einen Aufruf von rund dreißig anerkannten Wissenschaftlern pauschal als völlig unbegründet zurückweisen, ist das nicht lustig sondern armselig.

  4. 4.

    Hahahahaha!
    Selten so herzhaft gelacht. Sie haben schon recht, schaut man sich nur die Daten an, dann sieht es nach einer Stagnation der “Globaltemperatur” aus: http://data.giss.nasa.gov/gistemp/graphs_v3/
    Auch die Ozeantemperatur in den oberen Wasserschichtn hat sich in den letzten ca. 10 Jahren nicht erheblich erwärmt (soweit ich das erfasst habe).
    Nun kommt es aber auf die richtige Interpretation dieser Messdaten an.
    -> Stichwort: natürliche Variabilität und/aufgrund weiterer kühlender Faktoren wie z. B. La Nina-Bedingungen, höherer Schwefeldioxidausstoß. Auch gab es in der Vergangenheit 10 Jahresperioden, in denen es kaum Erwämung gab. Es gibt auch Ansätze, mit denen die Auswirkungen dieser temporär kühlenden Faktoren aus den globalen Datenmessreihen herausgerechnet wurden (http://www.skepticalscience.com/global-warming-stopped-in-1998-intermediate.htm).
    Mal sehen, ob Sie in 5-10 Jahren immer noch lachen. In der Zwischenzeit darf man sich fragen, ob es intelligenter ist, abzuwarten und die Hände in den Schoß zu legen – oder etwas gegen die zu befürchtende weitere Erwärmung zu tun.
    PS. Sie nutzen kraftvolle und abwertende Worte. Damit agitieren Sie vielleicht, überzeugen werden Sie so aber keinen. Zu ihren Fragen:
    - kausaler Zusammenhang: Ist in einigen englischsprachigen Zeitschriftenaufsätzen nachzulesen. Wenn Sie sich die entsprechenden Passagen im IPCC report gründlich durchlesen, finden Sie diese.
    - der Zertifikatehandel wirkt oder wirkt nicht, je nachdem, wie er kalibriert ist. -> Wenn in Ihrem Auto das Gaspedal falsch eingestellt ist und sie können nur noch mit Tempo 20 Km/h fahren, würden Sie dann das Auto verschrotten lassen oder reparieren lassen?

  5. 5.

    [...] Top-Ökonomen scheuchen Obama auf (blog.zeit.de, Marlies Uken) Fluglinien sind vom Handel mit CO2-Zertifikaten in der EU bisher noch [...]

  6. 6.

    Es darf wieder gelacht werden. Mit unübertrefflicher Präzision beschreibt Dragon_fly wo der kausale Zusammenhang versteckt ist:”kausaler Zusammenhang: Ist in einigen englischsprachigen Zeitschriftenaufsätzen nachzulesen. Wenn Sie sich die entsprechenden Passagen im IPCC report gründlich durchlesen, finden Sie diese.”Herr Busse wiederum lässt sich von “dreißig anerkannten Wissenschaftlern” beeindrucken. Er sollte mal nachsehen, wieviel “anerkannte Finanzexperten” an der Banken und Finanzkrise aktiv mitgewirkt haben. Mit Spitzengehältern und hohen Boni. Wenn schon Herr Altmeier von einem Billionengeschäft(!) durch sinnlose CO2-Vermeidung ausgeht sollte ihm klar werden, was Mittel und was Zweck ist.

  7. 7.

    32 Ökonomen, die von Klima nur wenig bis keine Ahnung haben, geben also eine Empfehlung. Wenn die ähnlich verlässlich sind, wie diejenigen die zur Finanzkrise geführt haben, dann prost Mahlzeit.

    • 15. März 2013 um 14:27 Uhr
    • tobmat
  8. 8.

    @M.Weber #6: “wieviel “anerkannte Finanzexperten” an der Banken und Finanzkrise aktiv mitgewirkt haben”
    … gehört zwar kaum zum Thema dieses Artikels, aber sei’s drum:

    Richtig, in der Banken- und Finanzkrise waren und sind viele anerkannte Finanzexperten aktiv und haben sie selbst mit vereinten Kräften kaum (oder je nach Sichtweise: garnicht) in den Griff bekommen. Was schließen Sie daraus? – Dass Sie es besser gemacht hätten? Sie gestatten, dass ich milde lächle…

    Aber wieder zurück zum Thema: Ja, ich lasse mich von “dreißig anerkannten Wissenschaftlern” (und der weit überwiegenden Mehrheit der Wissenschaft in Bezug auf den Klimawandel) zumindest insoweit “beeindrucken”, dass ich deren Bewertungen (insbesondere wenn sie mir nicht in den Kram passen) nicht schon deshalb pauschal verwerfe, weil irgendjemand an irgendeiner Stelle in irgendeiner Publikation ein falsches Komma entdeckt hat.

  9. Kommentar zum Thema

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