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Japan wird neue Solarmacht

Von 10. April 2013 um 15:11 Uhr

Von solchen Einspeisevergütungen für Solarstrom können die Deutschen nur noch träumen. 37,7 Yen erhalten Solarwirte in Japan pro produzierter Kilowattstunde Sonnenstrom – das sind umgerechnet aktuell 29 Cent. In Deutschland beträgt die Vergütung derzeit bei Strom aus kleinen Anlagen nur etwa die Hälfte, nämlich 15,92 Cent. Kein anderes Land gewährt zurzeit so hohe Solarstromvergütungen wie Nippon, schließlich will es seinen Energiemix nach dem Atomunglück von Fukushima so schnell wie möglich diversifizieren.

© Patrick Hertzog/AFP/Getty Images

© Patrick Hertzog/AFP/Getty Images

Im Sommer vergangenen Jahres hat die japanische Regierung die attraktive Förderung eingeführt. So viel Cash lockt natürlich Investoren an. “Japan ist mit China und den USA zurzeit der Hoffnungsträger der globalen Solarbranche”, sagt Matthias Fawer, Solaranalyst der Schweizer Bank Sarasin. Das zeigen auch die Einschätzungen anderer Analysten.

IMS Research schätzt etwa, dass Japan in diesem Jahr fünf Gigawatt Solarkapazität zusätzlich installieren könnte und damit die installierten Kapazitäten verdoppeln würde im Vergleich zum Vorjahr. Das wäre ein neuer Rekord und würde der theoretischen Leistung von fünf Atomkraftwerken entsprechen. Nach Angaben des Fachmagazins Erneuerbare Energien boomen vor allem große kommerzielle Photovoltaik-Anlagen in Japan.

Ausländische Unternehmen wie der US-Konzern First Solar wittern gute Geschäfte. Der Dünnschichtspezialist für große Solarparks will etwa über seine neue Tochter TetraSun zukünftig in Japan kleinere Solarmodule produzieren und so Zugang zum japanischen Markt bekommen. Der ist bislang noch recht abgeschottet. Japaner kaufen japanisch, sprich Module von Herstellern wie Kyocera oder Sharp.

Das könnte sich nun ändern. Fawer glaubt, dass Japan einen zweiten Boom erlebe. In den neunziger Jahren waren japanische Konzerne wie Sharp und Sanyo Weltmarktführer, nach Einschnitten bei der Förderung mussten sie eine Durststrecke durchmachen. Jetzt nimmt das Geschäft wieder an Fahrt auf.

Die Gefahr der attraktiven Förderung ist nur: Am Ende könnte den Japanern ähnliches wie den Deutschen passieren. Das Fördersystem fliegt ihnen um die Ohren. Schon jetzt fragen sich die ersten deutschen Branchenexperten, ob Japan denn nichts von Deutschland gelernt habe. Hier führten lukrative Einspeisevergütungen und fallende Modulpreise zu einem enormen Solarstromboom. Am Ende musste die Ökostromumlage immens steigen, viele Solarfirmen gingen wegen des Preisverfalls und der Billigkonkurrenz aus dem Ausland pleite. Berlin strich am Ende die Vergütung radikal zusammen.

Das Thema Solarblase scheint Tokio zumindest auf dem Schirm zu haben. Zu Beginn des Monats April kürzte das Wirtschaftsministerium die Vergütungssätze um zehn Prozent. Wer weiß, vielleicht gar, weil es die Entwicklungen in Deutschland genau beobachtet hat. Japan bleibt trotzdem interessant für Investoren. Branchenfachleute gehen davon aus, dass die Renditen auf Solaranlagen trotz der Kürzung bei bis zu sechs Prozent liegen.

Leser-Kommentare
  1. 1.

    Auch Japan hat kein Speicherkonzept – und deswegen ist die Förderung der Solarenergie genau so Mumpitz wie hierzulande.
    Es wäre was anderes, wenn man im wärmeren Japan mit Algenplantagen Benzin und Öl herstellen würde. Das ist eine Zukunftstechnik.
    Aber das scheint so eine Art Zwangsreflex zu sein: die Deutschen nachmachen.

    • 10. April 2013 um 18:35 Uhr
    • Colja
  2. 2.

    @ Colja

    An den notwendigen Speicherkonzepten wird in Deutschland gearbeitet. Denkbar wäre die Nutzung von Druckluftspeichern oder die Veredelung zu Wasserstoff/Erdgas. Beides hat den Status von Pionierprojekten erreicht und wird in den nächsten Jahren wohl im größeren Umfang umgesetzt werden.
    Und Japan hat in der Hinsicht deutlich weniger Probleme. Weite Teile des Landes sind von Gebirgen durchzogen. Mit Pazifik und dessen Randmeeren gäbe es genug Wasser und die Bevölkerung lebt vorrangig in den Tälern. Ideale Bedingungen für den Bau der notwendigen Pumpspeicherkraftwerke.
    Und da die Chinesen, Inder und Amerikaner auch zunehmend auf den Ausbau der erneuerbaren Energien setzen, kann die dahinterliegende Idee wohl so schlecht nicht sein.

  3. 3.

    Der Bedarf an Speicheren existiert nicht wirklich für die nächsten 10-15 Jahre. was es gibt ist ein Bedarf an flexibleren Residualkraftwerken, die hohe Leistungsgradienten abbilden können, zumindest aus rein technischer Sicht.

    Selbst wenn es dann an vereinzelten Tagen zu (Solar)Stromüberschüssen käme so gibt es erst einmal preiswerte Alternative zum Stromspeicher, nämlich den Überschuss einfach zu verwerfen oder diesen ganz schönde zu verheizen. Bei wenigen Stunden Auslastung pro Jahr ist das ökonomisch deutlich attraktiver als Stromspeicher.

    Letzetre brauchen wir vor allem bei den Systemdienstleistungen, wenn die rotirenden Massen konventioneller thermischer Kraftwerke teilweise fehlen, weil durch EE verdrängt.
    Das ist aber ein anderes Thema und in diesem Markt zeichnet sich auch ab, dass Batteriesysteme konkurrenzfähig sein werden.

    Bis 50-60GW PV sehe ich in Deutschland überhaupt kein technisches Problem, wenn man die Anlagen zur Not auch mal etwas drosseln kann.

    Fazit: Es gibt überhaupt kein Problem durch zu wenig Speicher, das ist eine Laienvorstellung. Ganz im Gegenteil reduziert die Photovoltaik durch die preisdämpfende Wirkung im Sommer mittags derzeit sogar die Wirtscahftlichkeit existierender Stromspeicher.

    In 10-15 Jahren bei geplanten Zubau sieht es dann schön langsam anders aus, aber bis dahin ist noch reichlich Zeit.
    Das wesentlich dringlichere Problem ist der derzeitige wirtschaftliche Tod der Gaskraftwerke in Mitteleuropa durch das EEG System, aber das ist kein technisches Problem.

  4. 4.

    Wie in jedem Markt gibt es auch im Photovoltaikmarkt irgendwann einmal eine Konsolidierung der Überkapazitäten.

    Das alleine beweist dcoh schon, das die Module eine hervorragende Haltbarkeit haben, die uns weiter nach vorne bringt.

    Was die elektrische Speicherkapazität anbelangt, weiß ich von einigen Unternehmen die in diese Sparte enorme Summen investieren, was ja auch ein Tolles Geschäft der Zukunft wäre.

    Je mehr Photovoltaik Strom, desto besser. Immerhin gibt es ja schon einigermaßen bezahlbare 10KW Speicher.

    Im Übrigen sollte man mal davon weg kommen, das jedes Quentchen der Erneuerbaren gespeichert werden muss. Max. 20% sind mehr als ausreichend, da man den Rest immer verbrauchen kann.

  5. 5.

    @Colja
    bisher konnte noch keine einzige Versuchsanlage oder Konzept zur Biodieselproduktion aus Algen ( mit und ohne CO2-Zufütterung ) einen ökonomisch sinnvollen Einsatz aufzeigen.
    Es gab und gibt jede Menge Versuchsanlagen, sowohl mit Süß- wie auch Salzwasseralgen.

    @blaues Rauschen

    Der Prozeß :
    el.Energie -(1)> Wasserstoff -(2)->Methanisierung-(3)>Speicherung -(4)>Verbrennungsmotor-(5)>el.Energie

    hat derzeit folgenden maximalen Wirkungsgrad:
    1 * 0.9(1) * 0.7(2)*0.8(3)*1(4)*0.6(5) = 0.30

    D.h.: Sie müssen 3.3 kWh el. Zufallsstrom in die Prozeß- und Speicherkette einbringen um 1 kWh regelbare elektrische Energie zu entnehmen.

    Da jeder Prozeßschritt Kosten verursacht, liegt der wahre Preis einer regelbaren kWh aus PV- oder Windstrom am Ende der Prozeßkette in etwa beim 4-fachen der eingespeisten Produktionskosten.

    (Lesetip: http://www.ingenieur.de/Themen/Energiespeicher/Wirkungsgrad-Power-to-Gas-konkurrenzfaehig)

    Pumpspeicher:
    Man kann nicht einfach Meerwasser in einen Stausee pumpen.
    Meerwasser in einem hochgelegenen Stausee würde das Grundwasser kontaminieren.

    Sie brauchen also gar nicht unbedingt in die Ferne schweifen,
    um die ökonomische wie auch ökologische Nicht-Machbarkeit Ihrer Ideen
    nachzuvollziehen.

    ——–

    Mein Kommentar:
    Ich begrüße es sehr, daß sich Leser und Foristen hier engagiert mit der technischen Realisierbarkeit einer auf solar und strömungstechnisch basierenden Energieversorgung auseinandersetzen.

    Ich schreibe meinen Kommentar um 23:11,
    bei 0.00 W/m² Solarstrahlung und 0.7 m/s Windgeschindigkeit.

    Der Tagesdurchschnitt heute lag bei:
    0.17 kW/m² ( min: 0.0 max: 0.656 ) Solarstrahlung und 1.2 m/s( min 0.0 max 2.9 ) Windgeschwindigkeit.

    Örtlich maximale Tages-EE-Strom-Produktion:
    Wind = 0.0 kWh ( beginnt ab 3 m/s)
    Solar = 4.08 kWh/m2 ( 8 – 17 Uhr ) * 0.3 = 1.2 kWh/m2

    Mein Tagesverbrauch:
    28 kWh ( 840 kWh (Monat).

    Derzeitige Investitionskosten für eine autarke PV-Stromversorgung:
    24 m2 PV ( a 600 EUR/m2) : 14400 EUR
    20 kWh Stromspeicher ( a 3000 EUR/kWh mit 7000 Ladezyklen ) : 60000 EUR

    Investitionssumme:
    74400 EUR.
    Laufzeit: 20 Jahre

    macht bei 5% Zins- und Tilgung ( Annuitätendarlehen ):
    491 EUR monatlich ( Sonne und Wind stellen ja keine Rechnung )

    Für meine monatlichen 840 kWh Verbrauch würde ich in EE-Eigenproduktion somit 491 EUR zahlen.
    Das macht 0.584 EUR/kWh

    Bei meinem Netzstromversorger zahle ich für die Strommenge bei garantiert kontinuierlicher Versorgung 240 EUR ( 27.8 ct/kWh + 6.85 EUR Grundgebühr ) monatlich.

    Ein autarke PV-Stromversorgung würde mich mit Mehrkosten von monatlich 250 EUR auf 20 Jahre, also 60000 EUR insgesamt belasten.

    Ich freue mich auf Ihr Gegenangebot !

    • 10. April 2013 um 23:53 Uhr
    • cebulon
  6. 6.

    Es gibt einen Unterschied zwischen Japan und Deutschland: Japan druckt in nie dagewesener Weise Geld und bezahlt damit die Zukunftsinvestition erneuerbare Energien! Das ist absolut richtig und waere auch fuer Europa! das Richtige! Habe das in meinem Buch bereits beschrieben. Aber Europaeer besitzen diesen Weitblick nicht. In Europa hoert man gar nichts davon, und in Deutschland wird die Energiewende gebremst und vermurkst. Die Zentralbanken muessen in grossem Stil Geld drucken und damit im grossen Stil die Energiewende unterstuetzen bzw. vollziehen. Wir brauchen die Energiewende als neue industrielle Revolution. Wir brauchen drastisch niedrigere Energiepreise. Das ist nur mit den Erneuerbaren moeglich! Es wird auch geschehen, wenn ein Land den Mut hat und die Wende zu den Erneuerbaren bedingungslos foerdert. Japan hat den Mut! Und wir? Und Europa?

    • 11. April 2013 um 01:41 Uhr
    • Thomas Edmund Mueller
  7. 7.

    Hallo Herr Müller
    interessant, wie sehr Sie die japanische Geldpolitik unterstützen. Aber ich bezweifele doch sehr, dass sich deren Effekte direkt auf die Energiewende in Japan auswirken. Wenn, dann werden es nur indirekte Effeke sein.
    Viele Grüße
    Marlies Uken

  8. 8.

    @cebulon
    Ihre Rechnung zeigt doch, dass die Solarenergie jetzt schon zu vergleichbaren Kosten wie der Strommix produziert werden kann. Außerdem sind die 60 k€ die ihnen am Ende fehlen genau die Kosten für den Speicher.
    Ich glaube es behauptet niemand, dass man aktuell mit 100 % Solarstrom die Energieversorgung sicherstellen könnte. Auch bei den Erneuerbaren ist der Mix entscheidend. Die Sonne scheint nunmal (wenn sie scheint) in der Mittagszeit, wo der Verbrauch am größten ist. Der Wind weht eher gleichmäßig über den gesamten Tag.
    Im Moment wären 100 % Erneuerbare Energien auch noch keine Lösung, aber bis wir soweit sind, wird sich die Speichertechnologie auch noch weiterentwickeln.

    Auch Ihre obige Wirkungsgradrechnung ist mMn nicht so schlimm. Statt die Windräder anzuhalten oder die Solarmodule zu drosseln oder den Strom mit Geldgeschenken als Ausland zu liefern, sind ca. 50 % Wirkungsgrad für die Methanerzeugung doch ganz gut. Das Erdgasnetz in Deutschland kann genügend Energie für meherere Monate speichern.

    • 11. April 2013 um 12:06 Uhr
    • Shebang
  9. Kommentar zum Thema

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